Montag, 14. September 2009
Megacity
Als ich mit hunderttausend Indern durch Little India pilgerte, fragte ich mich noch, ob das wirklich das Singapur sei, das immer beschrieben wird.
Sauber, modern, Weltstadt und so. Nach dem heutigen Tag - meine Füße fühlen sich so an, als wäre ich 50 km gewandert - weiß ich, dass Little India eine Enklave ist, in der alles anders läuft als in der City.
Kaum aus der U-Bahn ausgestiegen schrie mich das moderne Singapur regelrecht an. Glänzende Hochhäuser beiderseits der begrünten Straßen. In der Orchard Road ein Shoppingcenter nach dem anderen.
Chanel, Louis Vitton, Boss, und viele chinesische Fashion Victims, die dort einkauften. Luxus wo man hinsah. Straßen, auf denen man tatsächlich keinen Krümel findet. Keine weg geworfene Zigarette. Keine Getränkedosen, Plastiktüten oder Flaschen. Nur die welken Blätter der zahlreichen Bäume.
Und selbst die wurden von den tags zuvor noch im Park gesessenen Indern zusammengefegt und entsorgt. Weiterhin pflanzen sie Bäume, pflegen die Grünanlagen, ziehen die Hochglanzcenter hoch und halten die Straßen sauber.
Singapur hat offenbar tatsächlich das Bestreben, zur perfekten Stadt zu werden. Versucht wird dies durch extrem hohe Strafen - das Wegwerfen von Müll kann bis zu 1000 Singapur-Dollar (500 Euro) kosten - und billige Arbeiter, z.B. aus Indien. Eine höhere Polizeipräsenz oder gar Militär mit Maschinengewehren konnte ich jedoch kaum beobachten.
Und ich muss sagen: Es ist cool, für eine kurze Zeit. Das Spazieren auf den Bürgersteigen, die meist im kühlenden Schatten liegen. Das Betrachten der Wolkenkratzer durch die Äste von Bäumen hindurch, von denen man den Eindruck hat, sie würden schon hundert Jahre dort stehen.
Dazwischen immer wieder Grünstreifen, kleine Parks, winzige Flächen mit etwas Regenwald und vielen zwitschernden Vögeln. Natur und Beton in Harmonie - zumindest erscheint es dem Besucher so.
Da ich in einer Stadt meist völlig ziellos in der Gegend herum eiere, und einfach mal ne Abzweigung nehme, wenn ich fühle, dass das ne tolle Richtung sein könnte, landete ich mal wieder in einer Ecke, die ich gar nicht sehen wollte.
Viele Luxus-Appartments, umgeben von parkähnlichen Gärten in der Grange Road, weit entfernt von der nächsten U-Bahn-Station. Hier ist es nicht so wie beispielsweise in Paris, wo man fast an jeder Kreuzung abwärts gehen kann.
Dafür ist die U-Bahn so wie alles andere: Sauber, funktional, sauber, sicher. Das ist keine historische Metro mit Flair, sondern ein steriles Transportsystem.
Die Bahnhöfe sehen alle gleich aus, funktionieren gleich, und nur die Shoppingcenter, die wie die Quengelware an Supermarktkassen oft durchlaufen werden müssen, wenn man zu den Schienen gelangen will, sind manchmal größer und manchmal kleiner.
Bis ich aus der Grange Road heraus wieder den Weg in die City und zur U-Bahn gefunden hatte, waren meine Füße wundgescheuert von den blöden Sandalen, die ich aufgrund der Wärme angezogen hatte.
Ich und Sandalen! Hat jemand von euch mich schon mal in Sandalen gesehen? Meine Füße sind das nicht gewohnt und haben sich gerächt.
Nach dem Mittagessen in einem Outdoor-Hawker-Center (für 4 Euro wird man hier satt und bekommt allerbestes Essen) fuhr ich zurück ins Hostel, um die Sandalen gegen Straßenschuhe zu wechseln.
Zurück in der Stadt dachte ich, die höchsten Kratzer bereits gesehen zu haben. Doch dann tauchte die Skyline am Horizont auf, im Bereich der Marine Bay. Und als ich mich schließlich durch die Häuserschluchten hindurchzwängte, fühlte ich mich wie man sich vielleicht in New York City fühlt. Nur mit mehr Grün. Grün als Kontrast zum Braun der Häuser, dem Blau der Fenster und des Himmels und dem Grau der (je Fahrtrichtung) vierspurigen Straßen. Geld, Business, Luxus, Macht. Aber dafür viele hübsche Chinesinnen in fröhlich-knapper Sommerkleidung. Schön.
Hatte ich gestern noch gedacht, alle Inder gesehen zu haben, habe ich nun das Gefühl, alle Wolkenkratzer gesehen zu haben. Ein seltsames Gefühl. Meine Füße jammern mich gerade an, weil sie glauben, alle Straßenbeläge gesehen zu haben.
So etwas macht müde.
Meine Interaktionen mit anderen Menschen beschränkten sich dieses Mal auf das Verwirren einer Gruppe chinesischer Teenie-Mädels, die kicherten und mir zuwinkten und mich ständig beobachteten und "Hallo" und "Bye-Bye" sagten und Angst bekamen, als ich sie etwas länger ansah. Und auf die Gespräche mit den Straßenhändlern in Chinatown. "Hello where are you from?" - "Ah, from Germany." - "I'm a Schneidermeister, you know." - "I can make you a suit - very cheap."
Sehr süß.
Einer brachte mich immerhin dazu, zwei Seidenhemden zu kaufen. Er wollte 80 Dollar haben, ich hab ihm 40 geboten und wir haben uns auf 50 geeinigt.
Er war nicht glücklich darüber. Aber Gewinn wird er trotzdem noch gemacht haben, der arme Schneidermeister. Zuvor hatte er gesagt, er würde die Anzüge für Boss und Armani fertigen - und ich bekäme sowas dann für 500 Dollar statt für 1200 - das wäre doch ein echtes Schnäppchen. Außerdem hab ich - war ich tatsächlich shoppen? - bei einem anderen Schneidermeister einen japanischen Kimono gekauft. Hab ihn auch für fast die Hälfte gekriegt. Und ich gebs zu, ich hab mich überreden lassen. Die Typen haben ihr Handwerk drauf. Ich bin schwach geworden, weil da so ein tolles Tigermotiv eingestickt war.
Und das Ding aus Seide sich so gut angefühlt hat. Da dachte ich gar nicht mehr darüber nach, wo ich denn bitte einen Kimono anziehen sollte!
Braucht jemand von euch nen Kimono?
Nach dieser schrecklichen Erfahrung (ich hab Kleidung gekauft. Im Urlaub!) musste ich mich stärken und hab mich für Korea entschieden. Kulinarisch bin ich hier in meinem Himmel gelandet. Kurz zusammengefasst:
Toast und Kaffee zum Frühstück, chinesische Snacks zwischendurch, indischer gebratener Reis mit Hühnchen und Limettensaft zu Mittag, japanisches Eis am Nachmittag, Mangosaft am Abend, und schließlich koreanische Kimchi-Suppe - bei der ich merkte, dass sie das schärfste war, das ich in Korea je gegessen hatte, und dass sie hier in Singapur genau so schmeckte. Aber sie hat Kraft in meinen Körper gepresst, meine Halsschmerzen sind fast verschwunden, ich fühle mich topfit (meine Füße leider nicht), und so beschloss ich den Tag mit ein paar Nachtfotos und dem Schreiben dieses Berichts.
Und morgen versuche ich, das letzte Stückchen Regenwald zu bezwingen, das auf Singapur noch verblieben ist. Hauptsache ich bin erstmal etwas weg vom Beton.
Sauber, modern, Weltstadt und so. Nach dem heutigen Tag - meine Füße fühlen sich so an, als wäre ich 50 km gewandert - weiß ich, dass Little India eine Enklave ist, in der alles anders läuft als in der City.
Kaum aus der U-Bahn ausgestiegen schrie mich das moderne Singapur regelrecht an. Glänzende Hochhäuser beiderseits der begrünten Straßen. In der Orchard Road ein Shoppingcenter nach dem anderen.
Chanel, Louis Vitton, Boss, und viele chinesische Fashion Victims, die dort einkauften. Luxus wo man hinsah. Straßen, auf denen man tatsächlich keinen Krümel findet. Keine weg geworfene Zigarette. Keine Getränkedosen, Plastiktüten oder Flaschen. Nur die welken Blätter der zahlreichen Bäume.
Und selbst die wurden von den tags zuvor noch im Park gesessenen Indern zusammengefegt und entsorgt. Weiterhin pflanzen sie Bäume, pflegen die Grünanlagen, ziehen die Hochglanzcenter hoch und halten die Straßen sauber.
Singapur hat offenbar tatsächlich das Bestreben, zur perfekten Stadt zu werden. Versucht wird dies durch extrem hohe Strafen - das Wegwerfen von Müll kann bis zu 1000 Singapur-Dollar (500 Euro) kosten - und billige Arbeiter, z.B. aus Indien. Eine höhere Polizeipräsenz oder gar Militär mit Maschinengewehren konnte ich jedoch kaum beobachten.
Und ich muss sagen: Es ist cool, für eine kurze Zeit. Das Spazieren auf den Bürgersteigen, die meist im kühlenden Schatten liegen. Das Betrachten der Wolkenkratzer durch die Äste von Bäumen hindurch, von denen man den Eindruck hat, sie würden schon hundert Jahre dort stehen.
Dazwischen immer wieder Grünstreifen, kleine Parks, winzige Flächen mit etwas Regenwald und vielen zwitschernden Vögeln. Natur und Beton in Harmonie - zumindest erscheint es dem Besucher so.
Da ich in einer Stadt meist völlig ziellos in der Gegend herum eiere, und einfach mal ne Abzweigung nehme, wenn ich fühle, dass das ne tolle Richtung sein könnte, landete ich mal wieder in einer Ecke, die ich gar nicht sehen wollte.
Viele Luxus-Appartments, umgeben von parkähnlichen Gärten in der Grange Road, weit entfernt von der nächsten U-Bahn-Station. Hier ist es nicht so wie beispielsweise in Paris, wo man fast an jeder Kreuzung abwärts gehen kann.
Dafür ist die U-Bahn so wie alles andere: Sauber, funktional, sauber, sicher. Das ist keine historische Metro mit Flair, sondern ein steriles Transportsystem.
Die Bahnhöfe sehen alle gleich aus, funktionieren gleich, und nur die Shoppingcenter, die wie die Quengelware an Supermarktkassen oft durchlaufen werden müssen, wenn man zu den Schienen gelangen will, sind manchmal größer und manchmal kleiner.
Bis ich aus der Grange Road heraus wieder den Weg in die City und zur U-Bahn gefunden hatte, waren meine Füße wundgescheuert von den blöden Sandalen, die ich aufgrund der Wärme angezogen hatte.
Ich und Sandalen! Hat jemand von euch mich schon mal in Sandalen gesehen? Meine Füße sind das nicht gewohnt und haben sich gerächt.
Nach dem Mittagessen in einem Outdoor-Hawker-Center (für 4 Euro wird man hier satt und bekommt allerbestes Essen) fuhr ich zurück ins Hostel, um die Sandalen gegen Straßenschuhe zu wechseln.
Zurück in der Stadt dachte ich, die höchsten Kratzer bereits gesehen zu haben. Doch dann tauchte die Skyline am Horizont auf, im Bereich der Marine Bay. Und als ich mich schließlich durch die Häuserschluchten hindurchzwängte, fühlte ich mich wie man sich vielleicht in New York City fühlt. Nur mit mehr Grün. Grün als Kontrast zum Braun der Häuser, dem Blau der Fenster und des Himmels und dem Grau der (je Fahrtrichtung) vierspurigen Straßen. Geld, Business, Luxus, Macht. Aber dafür viele hübsche Chinesinnen in fröhlich-knapper Sommerkleidung. Schön.
Hatte ich gestern noch gedacht, alle Inder gesehen zu haben, habe ich nun das Gefühl, alle Wolkenkratzer gesehen zu haben. Ein seltsames Gefühl. Meine Füße jammern mich gerade an, weil sie glauben, alle Straßenbeläge gesehen zu haben.
So etwas macht müde.
Meine Interaktionen mit anderen Menschen beschränkten sich dieses Mal auf das Verwirren einer Gruppe chinesischer Teenie-Mädels, die kicherten und mir zuwinkten und mich ständig beobachteten und "Hallo" und "Bye-Bye" sagten und Angst bekamen, als ich sie etwas länger ansah. Und auf die Gespräche mit den Straßenhändlern in Chinatown. "Hello where are you from?" - "Ah, from Germany." - "I'm a Schneidermeister, you know." - "I can make you a suit - very cheap."
Sehr süß.
Einer brachte mich immerhin dazu, zwei Seidenhemden zu kaufen. Er wollte 80 Dollar haben, ich hab ihm 40 geboten und wir haben uns auf 50 geeinigt.
Er war nicht glücklich darüber. Aber Gewinn wird er trotzdem noch gemacht haben, der arme Schneidermeister. Zuvor hatte er gesagt, er würde die Anzüge für Boss und Armani fertigen - und ich bekäme sowas dann für 500 Dollar statt für 1200 - das wäre doch ein echtes Schnäppchen. Außerdem hab ich - war ich tatsächlich shoppen? - bei einem anderen Schneidermeister einen japanischen Kimono gekauft. Hab ihn auch für fast die Hälfte gekriegt. Und ich gebs zu, ich hab mich überreden lassen. Die Typen haben ihr Handwerk drauf. Ich bin schwach geworden, weil da so ein tolles Tigermotiv eingestickt war.
Und das Ding aus Seide sich so gut angefühlt hat. Da dachte ich gar nicht mehr darüber nach, wo ich denn bitte einen Kimono anziehen sollte!
Braucht jemand von euch nen Kimono?
Nach dieser schrecklichen Erfahrung (ich hab Kleidung gekauft. Im Urlaub!) musste ich mich stärken und hab mich für Korea entschieden. Kulinarisch bin ich hier in meinem Himmel gelandet. Kurz zusammengefasst:
Toast und Kaffee zum Frühstück, chinesische Snacks zwischendurch, indischer gebratener Reis mit Hühnchen und Limettensaft zu Mittag, japanisches Eis am Nachmittag, Mangosaft am Abend, und schließlich koreanische Kimchi-Suppe - bei der ich merkte, dass sie das schärfste war, das ich in Korea je gegessen hatte, und dass sie hier in Singapur genau so schmeckte. Aber sie hat Kraft in meinen Körper gepresst, meine Halsschmerzen sind fast verschwunden, ich fühle mich topfit (meine Füße leider nicht), und so beschloss ich den Tag mit ein paar Nachtfotos und dem Schreiben dieses Berichts.
Und morgen versuche ich, das letzte Stückchen Regenwald zu bezwingen, das auf Singapur noch verblieben ist. Hauptsache ich bin erstmal etwas weg vom Beton.
Sonntag, 13. September 2009
Singapur! Oder doch Indien?
Ich bin tatsächlich da. Zehntausend Kilometer von Inzlingen entfernt. Es ist abend, es hat ein wenig abgekühlt (von 31 auf 28 Grad), ich sitze in der Lobby meines Hostels und bin etwas müde von der langen Reise. Obwohl die schutzmaskenbewaffneten Leutchen am Flughafen alle Passagiere mit einer Wärmebildkamera auf erhöhte Körpertemperatur untersucht haben, bin ich nicht in Quarantäne gelandet.
Ich musste auch keinen Mundschutz tragen, so wie viele andere (wobei ich nicht rausfinden konnte, ob die andere vor sich oder die sich vor anderen schützten). Meine Halsschmerztabletten wurden bei der Einreise nach Singapur nicht als mögliche Drogen bewertet, sodass mir die Todesstrafe erspart bleibt. Puh!
Vom kurzen Islam-Einschlag auf dem Flug (man kann elektronisch die Richtung nach Mekka abrufen und es gibt Faltblätter mit Hinweisen zum Beten im Flugzeug) und am Flughafen in Kuala Lumpur (Polizistinnen mit Kopftuch unterm Hütchen) bin ich nun in Singapur angekommen, der "Schweiz Südostasiens" (weil klein und teuer), dessen 5 Millionen Bewohner größtenteils chinesischer Abstammung sind.
Ich war total k.o., als ich im Hostel ankam, aber ich konnte nicht schlafen, weil ich ja in einem neuen tollen Land war! Also schlenderte ich ziellos durch die Gegend, hatte Mühe dabei nicht überfahren zu werden, bis ich total durchnässt war und mich drei Mücken gestochen hatten und ich fast nen Sonnenbrand bekommen hätte. Übel!
Nach einem kleinen Mittagsschlaf kaufte ich ein Busticket für Mittwoch und torkelte chinesischen Trommel- und Bimmel-Klängen entgegen. Ein alter Mann im roten Kleid wedelte mit Räucherstäbchen rum und warf dann mit Baby-Bananen, Äpfeln, Nüssen, Cent-Stückchen, Süßigkeiten und Reis um sich.
Ich hatte keine Ahnung, was da vor sich ging. Ich wurde auch skeptisch beäugt. Aber dann kamen die Leute auf mich zu und drückten mir so viel Zeug in die Hände, dass ich keine mehr frei hatte, um das Treiben zu fotografieren. Der Chinese konnte nicht viel Englisch. Ein "Sieben-Monatsfest" oder sowas soll es wohl gewesen sein.
Dass mein Hostel im Staddteil "Little India" liegt, merkte ich am Abend, als ich die Serangoon Road hinab bummelte. Die vereinzelten Inder, die ich tagsüber sah, hatten sich schlagartig vermehrt. 8% der Einwohner Singapurs sind Inder. Das entspricht ca. 400.000. Heute Abend habe ich sie alle gesehen.
Es war unglaublich. Die Bürgersteige haben nicht mehr ausgereicht, um die Inder zu tragen. Sie schwappten auf die Straße über, wurden fast überfahren. Viele Inder. Unglaublich viele Inder. Alles Männer. Klein. Dunkel. In Jeans und Hemd. Keine Frauen. Wo waren die Frauen?
Ich drückte mich durch die Mengen, stolperte mit zweihundert Indern gleichzeitig über die Straße. Einige indische Männer hatten sich zu Pärchen zusammen geschlossen und gingen händchenhaltend sich aneinander kuschelnd nebeneinaner her. Moment. Singapur. Homosexualität: Verboten! Keine Sittenpolizei weit und breit. Die wäre eh nicht durchgekommen bei diesen vielen Indern, die sich im Takt bollywoodscher Frauengesänge langsam in Richtung der Grünflächen drückten. Ich vermutete zunächst ein Festival, das Deepavali Hindu-Fest, aber das startet erst in ein paar Tagen. Scheint normal zu sein an einem Sonntag Abend.
Die Inder okkuppierten langsam alle verbliebenen Grünflächen in der Umgebung, die schon teilweise aufgrund der sitzenden Inder mehr sandfarben statt grün waren. Sie setzten sich im Kreis auf die Erde, legten ein Tuch in ihre Mitte, schmissen bunten Reis mit Gemüse darauf und aßen gemeinsam davon. Und dann war da noch so ein weißer Touri, der sich wundernd durch die Reihen bewegte und erstmal nachlesen musste, was da gerade vor sich ging.
Die Frauen der ganzen Inder waren tatsächlich zu Hause. Und zwar in Indien, Bangladesch und Sri Lanka. Die Männer bekommen Zweijahresverträge in Singapur, machen die Arbeiten, die sonst keiner tun will, und versorgen damit ihre Familien. Deshalb nur Männer. Eine Frau auf Tausend Männer. Und ein Wessi auf Tausend Inder.
Als es um 19 Uhr dunkel wurde, wurden auch die Straßen leer. Alle saßen sie im Park und aßen Reis.
Deshalb ging ich nach einem kurzen Zwischenstop im Hindu-Tempel, wo ein dickbäuchiger Priester mit nacktem Oberkörper jedem kurz en Hütchen auf den Kopf setzte und dabei wild grinste, in die Essenshalle zum Abendessen. Die Dinger sind recht beliebt in Asien. Dutzende Stände buhlen mit ihren Gerichten um die Gunst der Hungernden. Man holt sich, was einem gefällt und setzt sich irgendwo hinein mitten in den Trubel. Und was man da alles kriegt: Froscheintopf, Hühnerfußsuppe, gebratene Austerneier, extra gesundes Wirbelsäulenfleisch.
Ich hab Hühnchen gegessen
Ich musste auch keinen Mundschutz tragen, so wie viele andere (wobei ich nicht rausfinden konnte, ob die andere vor sich oder die sich vor anderen schützten). Meine Halsschmerztabletten wurden bei der Einreise nach Singapur nicht als mögliche Drogen bewertet, sodass mir die Todesstrafe erspart bleibt. Puh!
Vom kurzen Islam-Einschlag auf dem Flug (man kann elektronisch die Richtung nach Mekka abrufen und es gibt Faltblätter mit Hinweisen zum Beten im Flugzeug) und am Flughafen in Kuala Lumpur (Polizistinnen mit Kopftuch unterm Hütchen) bin ich nun in Singapur angekommen, der "Schweiz Südostasiens" (weil klein und teuer), dessen 5 Millionen Bewohner größtenteils chinesischer Abstammung sind.
Ich war total k.o., als ich im Hostel ankam, aber ich konnte nicht schlafen, weil ich ja in einem neuen tollen Land war! Also schlenderte ich ziellos durch die Gegend, hatte Mühe dabei nicht überfahren zu werden, bis ich total durchnässt war und mich drei Mücken gestochen hatten und ich fast nen Sonnenbrand bekommen hätte. Übel!
Nach einem kleinen Mittagsschlaf kaufte ich ein Busticket für Mittwoch und torkelte chinesischen Trommel- und Bimmel-Klängen entgegen. Ein alter Mann im roten Kleid wedelte mit Räucherstäbchen rum und warf dann mit Baby-Bananen, Äpfeln, Nüssen, Cent-Stückchen, Süßigkeiten und Reis um sich.
Ich hatte keine Ahnung, was da vor sich ging. Ich wurde auch skeptisch beäugt. Aber dann kamen die Leute auf mich zu und drückten mir so viel Zeug in die Hände, dass ich keine mehr frei hatte, um das Treiben zu fotografieren. Der Chinese konnte nicht viel Englisch. Ein "Sieben-Monatsfest" oder sowas soll es wohl gewesen sein.
Dass mein Hostel im Staddteil "Little India" liegt, merkte ich am Abend, als ich die Serangoon Road hinab bummelte. Die vereinzelten Inder, die ich tagsüber sah, hatten sich schlagartig vermehrt. 8% der Einwohner Singapurs sind Inder. Das entspricht ca. 400.000. Heute Abend habe ich sie alle gesehen.
Es war unglaublich. Die Bürgersteige haben nicht mehr ausgereicht, um die Inder zu tragen. Sie schwappten auf die Straße über, wurden fast überfahren. Viele Inder. Unglaublich viele Inder. Alles Männer. Klein. Dunkel. In Jeans und Hemd. Keine Frauen. Wo waren die Frauen?
Ich drückte mich durch die Mengen, stolperte mit zweihundert Indern gleichzeitig über die Straße. Einige indische Männer hatten sich zu Pärchen zusammen geschlossen und gingen händchenhaltend sich aneinander kuschelnd nebeneinaner her. Moment. Singapur. Homosexualität: Verboten! Keine Sittenpolizei weit und breit. Die wäre eh nicht durchgekommen bei diesen vielen Indern, die sich im Takt bollywoodscher Frauengesänge langsam in Richtung der Grünflächen drückten. Ich vermutete zunächst ein Festival, das Deepavali Hindu-Fest, aber das startet erst in ein paar Tagen. Scheint normal zu sein an einem Sonntag Abend.
Die Inder okkuppierten langsam alle verbliebenen Grünflächen in der Umgebung, die schon teilweise aufgrund der sitzenden Inder mehr sandfarben statt grün waren. Sie setzten sich im Kreis auf die Erde, legten ein Tuch in ihre Mitte, schmissen bunten Reis mit Gemüse darauf und aßen gemeinsam davon. Und dann war da noch so ein weißer Touri, der sich wundernd durch die Reihen bewegte und erstmal nachlesen musste, was da gerade vor sich ging.
Die Frauen der ganzen Inder waren tatsächlich zu Hause. Und zwar in Indien, Bangladesch und Sri Lanka. Die Männer bekommen Zweijahresverträge in Singapur, machen die Arbeiten, die sonst keiner tun will, und versorgen damit ihre Familien. Deshalb nur Männer. Eine Frau auf Tausend Männer. Und ein Wessi auf Tausend Inder.
Als es um 19 Uhr dunkel wurde, wurden auch die Straßen leer. Alle saßen sie im Park und aßen Reis.
Einsame Straßenkatze - minutenlang wehmütig hinauf starrend zur Leuchtreklame, auf der eine Eidechse krabbelte
Ich hab Hühnchen gegessen
Samstag, 5. September 2009
Malaysia!
Eigentlich wollte ich nicht so lange fliegen. Eigentlich wollte ich nach Skandinavien. Oder nach Japan. Oder China. Eigentlich hatte ich die meiste Zeit des Jahres keine Ahnung, wo ich meinen Urlaub verbringen sollte. Dann buchte ich aus einer spontanen Laune heraus einen Flug nach Kuala Lumpur und das Problem war gelöst.
So einfach war das.
Als ich vor zwei Jahren nach Korea flog, wusste ich über das Land mehr als so mancher Koreaner. Ich hatte mich durch jedes Blog gewült, das ich finden konnte, hatte meine Mitmenschen überzeugt, dass Korea nicht im Dschungel lag, und war letztlich nur selten überrascht von den Dingen, die mir im Laufe dieser vier Wochen begegneten.
Über Malaysia weiß ich im Vergleich fast nichts - aber genügend, um dort nicht im Gefängnis zu landen oder zum Tode verurteilt zu werden.
Zwei Wochen sind nicht lange, doch sie müssen reichen. Nächsten Samstag gehts los. Mittags um 12:30 Uhr von Frankfurt nach Kuala Lumpur. Knapp 12 anstrengende Stunden in der Donnerbüchse. Dann gleich den nächsten Flieger nach Singapur. Von dort aus etappenweise hoch in Malaysias Norden und schließlich durch die Mitte zurück. Der Grobplan sieht so aus: Großstadt-Land/Küste-Insel-Dschungel-Großstadt.
Nun freue ich mich auf zwei spannende Länder mit verhüllten Frauen und wilden Gesetzen, auf schwüle Hitze bei Tag und bei Nacht, auf viele verschwitzte T-Shirts, übelst kalte Klimaanlagen und heftige Regenfälle, beginnende Sonnenstiche und Sonnenbrände, auf die riesige Bandbreite asiatischer Speisen, auf Moskitos und unterm Moskitonetz zu schlafen, auf die Angst vor Dengue und Malaria bei jedem Mückenbiss, auf riesige Städte und tiefsten Dschungel, weiße Palmenstrände und Schnorcheln im kristallklarem Wasser zwischen farbenfrohen Korallenriffen, auf eine anstrengende Bummelzugreise, auf freilaufende Affen, Schlangen, winzige und riesige Reptilien, Käfer, Spinnen und Blutegel, auf den wilden Mix der Kulturen, die Unterschiede zwischen Singapur und Malaysia, auf quietschende Matratzen in billigen Hostels, auf (hoffentlich) freundliche Menschen die meine fünfzig Worte "Bahasa Melayu" verstehen, auf Städte in denen ich mich zig mal verlaufe, auf die Geräusche des Dschungels, auf Meeres-Krabbel- und Glibberviecher (die ich dieses Mal nicht freiwillig essen werde) und äh... nein, ich freue mich nicht auf alles davon. Nicht dass noch jemand auf die Idee kommt, ich sei masochistisch veranlagt. Ich werde die Hitze hassen!
Auf jeden Fall wirds spannend. Und natürlich werde ich Zeit finden, hier ausführlichst darüber zu berichten.
So einfach war das.
Als ich vor zwei Jahren nach Korea flog, wusste ich über das Land mehr als so mancher Koreaner. Ich hatte mich durch jedes Blog gewült, das ich finden konnte, hatte meine Mitmenschen überzeugt, dass Korea nicht im Dschungel lag, und war letztlich nur selten überrascht von den Dingen, die mir im Laufe dieser vier Wochen begegneten.
Über Malaysia weiß ich im Vergleich fast nichts - aber genügend, um dort nicht im Gefängnis zu landen oder zum Tode verurteilt zu werden.
Zwei Wochen sind nicht lange, doch sie müssen reichen. Nächsten Samstag gehts los. Mittags um 12:30 Uhr von Frankfurt nach Kuala Lumpur. Knapp 12 anstrengende Stunden in der Donnerbüchse. Dann gleich den nächsten Flieger nach Singapur. Von dort aus etappenweise hoch in Malaysias Norden und schließlich durch die Mitte zurück. Der Grobplan sieht so aus: Großstadt-Land/Küste-Insel-Dschungel-Großstadt.
Nun freue ich mich auf zwei spannende Länder mit verhüllten Frauen und wilden Gesetzen, auf schwüle Hitze bei Tag und bei Nacht, auf viele verschwitzte T-Shirts, übelst kalte Klimaanlagen und heftige Regenfälle, beginnende Sonnenstiche und Sonnenbrände, auf die riesige Bandbreite asiatischer Speisen, auf Moskitos und unterm Moskitonetz zu schlafen, auf die Angst vor Dengue und Malaria bei jedem Mückenbiss, auf riesige Städte und tiefsten Dschungel, weiße Palmenstrände und Schnorcheln im kristallklarem Wasser zwischen farbenfrohen Korallenriffen, auf eine anstrengende Bummelzugreise, auf freilaufende Affen, Schlangen, winzige und riesige Reptilien, Käfer, Spinnen und Blutegel, auf den wilden Mix der Kulturen, die Unterschiede zwischen Singapur und Malaysia, auf quietschende Matratzen in billigen Hostels, auf (hoffentlich) freundliche Menschen die meine fünfzig Worte "Bahasa Melayu" verstehen, auf Städte in denen ich mich zig mal verlaufe, auf die Geräusche des Dschungels, auf Meeres-Krabbel- und Glibberviecher (die ich dieses Mal nicht freiwillig essen werde) und äh... nein, ich freue mich nicht auf alles davon. Nicht dass noch jemand auf die Idee kommt, ich sei masochistisch veranlagt. Ich werde die Hitze hassen!
Auf jeden Fall wirds spannend. Und natürlich werde ich Zeit finden, hier ausführlichst darüber zu berichten.
« vorherige Seite
(Seite 3 von 3, insgesamt 9 Einträge)
