Dienstag, 29. September 2009
Zu Hause
Ich bin zurück auf meiner Couch. Die Wäsche ist gewaschen, der Kühlschrank ist immer noch leer, aber Lancelot hat mich wieder in sein Herz geschlossen, nachdem ich ihn zwei Wochen alleine gelassen hatte. Sein Kopf wurde von einer Zeckenkolonie heimgesucht. Ich war eine Stunde lang damit beschäftigt, 20 Zecken, von winzigen Babys bis zu zwei großen Mamas, zu entfernen. Heute ist er so glücklich, dass er mich keine Sekunde aus den Augen lässt und ständig Körperkontakt sucht. Hach ja.
Die zwei Wochen in Malaysia fühlen sich an als wären es vier gewesen. So viele Eindrücke, so viele Menschen, so viel Natur, so viel Stadt. Vieles bleibt hängen. Vor allem die Freundlichkeit. Es tut gut, wenn man auf der Straße geht, jemandem ins Gesicht schaut, und der anfängt zu lächeln. Einfach so. Und trotzdem habe ich es am letzten Tag noch geschafft, dass ein malaysischer Student "Fick dich" zu mir sagte. Auf Deutsch!
Ich hatte in einem Laden bezahlt und die Verkäuferin wollte die 5-Ringgit-Note, die einen kleinen Riss hatte, nicht annehmen, weshalb ich ihr einen anderen gegeben hatte. Der Laden befand sich in der Nähe der Markstände, wo man auf jedem Meter angelabert wird. Handtaschen hier, Parfüms da, kopierte Filme dort. Außerdem war ich genervt, wollte nur ins Internet-Cafe. Ich hörte wie jemand "Hey, hallo" rief, und ich tat einfach so, als hätte ich es nicht gehört, weil ich dachte, es wäre einer dieser Marktleute. Und plötzlich stand so ein junger bebrillter Malaysier neben mir und hielt mich regelrecht fest. Er redete sehr schnell auf Englisch, warf mir vor, was mir denn einfalle, ihn einfach so zu ignorieren, wo er doch nur fragen wollte, warum die Dame meinen Fünfer nicht angenommen hatte. Ich sagte ihm, ich hätte gedacht, er sei ein Verkäufer, was ihn nur noch mehr in Rage brachte. Er sagte, ich sei doch ein typischer Tourist, der sich in einem fremden Land so benimmt wie zu Hause, einfach alle Leute ignoriert und keine Lust hat, sich auf den hiesigen Lebensstil einzustellen. Als ich noch ein paar Mal versucht hatte, ihm freundlich zu begegnen und ihm zu erklären, dass es ein Mißverständnis war und ich nicht viel Zeit hätte, nervte er mich irgendwann so sehr, dass ich mich von ihm abwendete und einfach weiterging, woraufhin er mir ein schnelles "Fick dich" zuwarf und in der Menge verschwand. Was es nicht alles gibt
Ich habe diesen Urlaub wirklich genossen. Habe die Großstädte erlebt, bin durch Fischschwärme geschnorchelt und habe rund 20 Liter Schwitzwasser im Dschungel verteilt. An die Hitze hatte ich mich irgendwann gewöhnt, und im Flugzeug, das auf gefühlte 18 Grad klimatisiert war, habe ich richtig gefroren! Alle anderen holten ihre Winterkleidung raus, aber ich hatte ja nichts dabei, weshalb ich mir mit zwei Decken behelfen musste. Mein Flug war zweieinhalb Stunden zu spät, er dauerte 12 Stunden, natürlich konnte ich nicht schlafen, das Bahnticket war verfallen und ich durfte für 70 Euro (!) ein neues kaufen, doch irgendwann kam ich glücklich zu Hause an.
Es ist faszinierend einfach, in Malaysia und Singapur zu reisen. Fast jeder spricht Englisch. Das Preisniveau ist genial. Essen für 1-2 Euro. Schlafen für 2-10 Euro. Reisebusfahren für 3-12 Euro. Kein Wunder, dass man überall Backpacker, darunter viele Deutsche, trifft. Die dann auch noch meinen, es wäre alles so teuer in Malaysia, wenn man es mit Thailand oder Vietnam vergleiche. Ich schätze, dass ich für die zwei Wochen incl. Flug, Transport, Unterkunft, Essen, Souvenirs und ein paar gekaufte Klamotten nicht mehr als 1500 Euro ausgegeben habe.
Das alles hat richtig Lust in mir geweckt, Südostasien wieder einmal zu entdecken. Natürlich gabs auch negative Dinge, wie z.B. Fußgänger in den Städten zu sein, die nervigen Moskitos und Blutegel (wobei ich letztere ja schon wieder witzig fand nach ner Weile), die schwüle Hitze, die ganzen geschlossenen Restaurants und Hostels... aber die positiven Erlebnisse überwiegen bei weitem.
Ich werds ganz sicher wieder tun
Die zwei Wochen in Malaysia fühlen sich an als wären es vier gewesen. So viele Eindrücke, so viele Menschen, so viel Natur, so viel Stadt. Vieles bleibt hängen. Vor allem die Freundlichkeit. Es tut gut, wenn man auf der Straße geht, jemandem ins Gesicht schaut, und der anfängt zu lächeln. Einfach so. Und trotzdem habe ich es am letzten Tag noch geschafft, dass ein malaysischer Student "Fick dich" zu mir sagte. Auf Deutsch!
Ich hatte in einem Laden bezahlt und die Verkäuferin wollte die 5-Ringgit-Note, die einen kleinen Riss hatte, nicht annehmen, weshalb ich ihr einen anderen gegeben hatte. Der Laden befand sich in der Nähe der Markstände, wo man auf jedem Meter angelabert wird. Handtaschen hier, Parfüms da, kopierte Filme dort. Außerdem war ich genervt, wollte nur ins Internet-Cafe. Ich hörte wie jemand "Hey, hallo" rief, und ich tat einfach so, als hätte ich es nicht gehört, weil ich dachte, es wäre einer dieser Marktleute. Und plötzlich stand so ein junger bebrillter Malaysier neben mir und hielt mich regelrecht fest. Er redete sehr schnell auf Englisch, warf mir vor, was mir denn einfalle, ihn einfach so zu ignorieren, wo er doch nur fragen wollte, warum die Dame meinen Fünfer nicht angenommen hatte. Ich sagte ihm, ich hätte gedacht, er sei ein Verkäufer, was ihn nur noch mehr in Rage brachte. Er sagte, ich sei doch ein typischer Tourist, der sich in einem fremden Land so benimmt wie zu Hause, einfach alle Leute ignoriert und keine Lust hat, sich auf den hiesigen Lebensstil einzustellen. Als ich noch ein paar Mal versucht hatte, ihm freundlich zu begegnen und ihm zu erklären, dass es ein Mißverständnis war und ich nicht viel Zeit hätte, nervte er mich irgendwann so sehr, dass ich mich von ihm abwendete und einfach weiterging, woraufhin er mir ein schnelles "Fick dich" zuwarf und in der Menge verschwand. Was es nicht alles gibt
Ich habe diesen Urlaub wirklich genossen. Habe die Großstädte erlebt, bin durch Fischschwärme geschnorchelt und habe rund 20 Liter Schwitzwasser im Dschungel verteilt. An die Hitze hatte ich mich irgendwann gewöhnt, und im Flugzeug, das auf gefühlte 18 Grad klimatisiert war, habe ich richtig gefroren! Alle anderen holten ihre Winterkleidung raus, aber ich hatte ja nichts dabei, weshalb ich mir mit zwei Decken behelfen musste. Mein Flug war zweieinhalb Stunden zu spät, er dauerte 12 Stunden, natürlich konnte ich nicht schlafen, das Bahnticket war verfallen und ich durfte für 70 Euro (!) ein neues kaufen, doch irgendwann kam ich glücklich zu Hause an.
Es ist faszinierend einfach, in Malaysia und Singapur zu reisen. Fast jeder spricht Englisch. Das Preisniveau ist genial. Essen für 1-2 Euro. Schlafen für 2-10 Euro. Reisebusfahren für 3-12 Euro. Kein Wunder, dass man überall Backpacker, darunter viele Deutsche, trifft. Die dann auch noch meinen, es wäre alles so teuer in Malaysia, wenn man es mit Thailand oder Vietnam vergleiche. Ich schätze, dass ich für die zwei Wochen incl. Flug, Transport, Unterkunft, Essen, Souvenirs und ein paar gekaufte Klamotten nicht mehr als 1500 Euro ausgegeben habe.
Das alles hat richtig Lust in mir geweckt, Südostasien wieder einmal zu entdecken. Natürlich gabs auch negative Dinge, wie z.B. Fußgänger in den Städten zu sein, die nervigen Moskitos und Blutegel (wobei ich letztere ja schon wieder witzig fand nach ner Weile), die schwüle Hitze, die ganzen geschlossenen Restaurants und Hostels... aber die positiven Erlebnisse überwiegen bei weitem.
Ich werds ganz sicher wieder tun
Sonntag, 27. September 2009
Zurück in der Stadt
Nach zwei langen Tagen im Dschungel bestiegen wir gestern wieder das Boot flussabwärts und fuhren mit einem trödelnden Busfahrer, der unbedingt eine Essen- und Pinkelpause machen musste, nach Kuala Lumpur. Wir unterhielten uns mit zwei Schwaben aus Herrenberg, die ebenfalls ungefähr den gleichen Weg wie wir gereist waren. Die typische Route: Ostküste hoch, ein paar schöne Inseln besuchen, dann ins Landesinnere, den Taman Negara genießen, und zurück nach Kuala Lumpur oder mit Zwischenstop in den Cameron Highlands – wo es Daniela heute noch hin zog, weil sie zwei Tage mehr Zeit hat als ich.
Es ist dadurch zwar verständlich, aber nicht weniger faszinierend, dass man plötzlich wieder an einem weit entfernten Ort Leute trifft, die man vor ein paar Tagen das letzte Mal gesehen hat. Wie z.B. der zwei Meter große Araber, der wie ein brutaler Türsteher aussah, aber offenbar ein ganz lieber war – immerhin rannte er durch den strömenden Regen, um einen Regenschirm für seine dicht verhüllte Ehefrau zu holen. Wir sahen dieses ungleiche Paar am Strand auf Pulau Perhentian, und ein paar Tage später wieder im schwimmenden Restaurant in Kuala Tahan im Taman Negara. Und selbst vor der Nachbarschaft wird man nicht verschont.
In einer kleinen Stadt an der Ostküste aßen wir zusammen mit einem Mädel aus Bad Säckingen und ihrem holländischen Freund zu Abend. Und die schlagfertige kleine dicke Malaysierin, die mir in Cherating aus Spaß mit Erwürgen und in-den-Fluss-werfen gedroht hatte, hatten wir völlig überraschend auf der Insel wieder getroffen – wieder in einem Restaurant, wo sie mir dieses Mal drohte, statt der lokalen Burger deutsche Männer zu essen. Wahrscheinlich stand sie total auf mich.
Gestern Abend kauften wir ein paar Souvenirs im Central Market Chinatowns, handelten das Zeug auf knapp die Hälfte runter, und fuhren dann mit der Magnetschwebebahn (Monorail) ins Zentrum zu den imposant beleuchteten Petronas Towers, dem Wahrzeichen Kuala Lumpurs, rund 450 Meter hoch – schon lange nicht mehr die höchsten, aber immerhin die höchsten Zwillingstürme der Welt.
Leider konnte ich den perfekten Platz für meine Fotowünsche nicht betreten, weil die tatsächlich nachts den kleinen Park um die Türme herum absperren. Wir kauften uns ein paar uns unbekannte Früchte (Honig-Sternfrucht, Papaya und Guava), setzten uns auf eine kleine Rasenfläche und starrten in die Höhe. Für das höchste Hochhaus, das ich je sah, wirkten die Türme dank der fehlenden Relationen dennoch eher klein auf mich – zumindest hatte ich sie mir größer vorgestellt.
Die Zeit verging recht schnell und so bekamen wir mit, wie Punkt Mitternacht die Lichter ausgeschaltet wurden und die Towers in der Dunkelheit verschwanden. Ein paar Minuten später kam ein Polizist auf seinem Moped vorbei und verscheuchte alle Anwesenden mit der Trillerpfeife. Da die Monorail auch um Elf schon zugemacht hatte (vermutlich um zu verhindern, dass zu viele Malayen bis spätnachts Party machen) und wir zu geizig waren, ein Taxi zu nehmen, gingen wir eben zu Fuß.
Kuala Lumpur, so lebendig es auch ist den Tag hindurch, wirkt nach Mitternacht wie ausgestorben. Nur in ein, zwei Straßen tobte noch das Nachtleben. Viele Autos, Chinesinnen in knappen Miniröcken, Discos und Bars mit bebender Musik. Nachts um Zwei waren wir zurück in unserer fensterlosen Schuhschachtel für 35 Ringgit. Der Betreiber des Hostels hatte uns gleich nach dem Aussteigen aus dem Bus ein sehr professionell gestaltetes Flugblatt in die Hand gedrückt und uns dorthin begleitet. Es ist nicht schlecht, aber ich fand es hier sehr deutlich und faszinierend, was ein guter Fotograf aus einem Ort herausholen kann.
Heute Morgen verabschiedete ich mich von Daniela, die mit dem Bus in die Cameron Highlands aufbrach. Abschiede sind scheiße, vor allem dann, wenn man zwei Wochen lang jede Minute mit dieser Person verbracht hat. Ich fühlte mich leer und allein gelassen, als hätte man etwas aus mir herausgerissen. Eine Zeit lang hatte ich nicht mal mehr sonderliche Lust, die neue Stadt zu erkunden, riss mich aber dann zusammen und wanderte los, bis mir die Füße weh taten – was ziemlich schnell geschah, da die Bahnstationen hier sehr weit auseinander liegen und ich mich natürlich wieder mal verirrt hatte und mir ein redseliger malaysischer Versicherungsvertreter wieder auf den rechten Weg helfen musste.
Dann bestieg ich den KL Tower (ich muss in jeder großen Stadt auf nen Turm hoch) und ärgerte mich über die 38 Ringgit, die ich dafür bezahlen musste. Inbegriffen in diesen waghalsigen Preis waren 300 ml Wasser, der Eintritt ins „Animal Paradise“ (wo Schlangen und Affen in kleinen Glaskästen zur Schau gestellt wurden – ich fand das schrecklich und war schnell wieder raus), eine Eintrittskarte zum F1-Simulator-Fahren (ja super) und noch eine Karte fürs Ponyreiten. Geht’s noch? Ich wollte nur auf den blöden Turm hoch!
Ich kämpfte mich nach Little India durch und aß in einem malaysischen Restaurant, wo ich der einzige westliche Gast war. Es gab ein riesiges Mittagsbuffet, ich hab meinen Teller voll beladen mit allen möglichen bekannten und unbekannten Dingen und nur 6 Ringgit inklusive einem halben Liter Orangensaft für alles bezahlt. Für eine Gruppe malaysischer Mädels in schwarzen Kopftüchern (die allerdings mit irgendwelchen Jungs da waren), war ich so eine Art Attraktion.
Ich weiß gar nicht warum, hier schwirren so viele „Fremde“ rum, aber die Leute finden es anscheinend doch immer wieder toll, mal einen Ausländer zu sehen, der in den einheimischen Restaurants isst. Zwei von denen versuchten offenbar, mit ihren Handys Fotos von mir zu machen, wenn ich weg sah, und eine, die hübscheste (so weit man das bei der Ganzkörperverhüllung sagen konnte) sah mich immer wieder lächelnd an, ab und zu hielt unser Blickkontakt viele Sekunden lang, und ich lächelte zurück und sah wieder weg. Bis sie schließlich mit ihrem Macker verschwand.
Ein heftiger Regenschauer hat mir dann endgültig die Lust geraubt, noch mehr zu sehen. Ich habe das versmogte Stadtleben nun wieder aufgesaugt, mich in das hektische Treiben auf den Märkten geschmissen, hunderte Händler die mich von der Seite anmachten ignoriert.
Ich habe die alten zerfallenen Häuser gesehen, ich habe das moderne KL gesehen, und nun sitze ich im Hostel, warte darauf, bis es Abend wird und spreche mit einem jungen Japaner, der mit seinem Fahrrad und seinem Fußball durch China und ganz Südostasien gefahren ist. Um Mitternacht geht mein Flug zurück ins kalte Deutschland. Die letzten zwei Wochen waren einfach genial, und nun erwartet mich wieder das normale Arbeits- und Single-Leben. Was solls, genau das bin ich ja gewohnt
Es ist dadurch zwar verständlich, aber nicht weniger faszinierend, dass man plötzlich wieder an einem weit entfernten Ort Leute trifft, die man vor ein paar Tagen das letzte Mal gesehen hat. Wie z.B. der zwei Meter große Araber, der wie ein brutaler Türsteher aussah, aber offenbar ein ganz lieber war – immerhin rannte er durch den strömenden Regen, um einen Regenschirm für seine dicht verhüllte Ehefrau zu holen. Wir sahen dieses ungleiche Paar am Strand auf Pulau Perhentian, und ein paar Tage später wieder im schwimmenden Restaurant in Kuala Tahan im Taman Negara. Und selbst vor der Nachbarschaft wird man nicht verschont.
In einer kleinen Stadt an der Ostküste aßen wir zusammen mit einem Mädel aus Bad Säckingen und ihrem holländischen Freund zu Abend. Und die schlagfertige kleine dicke Malaysierin, die mir in Cherating aus Spaß mit Erwürgen und in-den-Fluss-werfen gedroht hatte, hatten wir völlig überraschend auf der Insel wieder getroffen – wieder in einem Restaurant, wo sie mir dieses Mal drohte, statt der lokalen Burger deutsche Männer zu essen. Wahrscheinlich stand sie total auf mich.
Gestern Abend kauften wir ein paar Souvenirs im Central Market Chinatowns, handelten das Zeug auf knapp die Hälfte runter, und fuhren dann mit der Magnetschwebebahn (Monorail) ins Zentrum zu den imposant beleuchteten Petronas Towers, dem Wahrzeichen Kuala Lumpurs, rund 450 Meter hoch – schon lange nicht mehr die höchsten, aber immerhin die höchsten Zwillingstürme der Welt.
Leider konnte ich den perfekten Platz für meine Fotowünsche nicht betreten, weil die tatsächlich nachts den kleinen Park um die Türme herum absperren. Wir kauften uns ein paar uns unbekannte Früchte (Honig-Sternfrucht, Papaya und Guava), setzten uns auf eine kleine Rasenfläche und starrten in die Höhe. Für das höchste Hochhaus, das ich je sah, wirkten die Türme dank der fehlenden Relationen dennoch eher klein auf mich – zumindest hatte ich sie mir größer vorgestellt.
Die Zeit verging recht schnell und so bekamen wir mit, wie Punkt Mitternacht die Lichter ausgeschaltet wurden und die Towers in der Dunkelheit verschwanden. Ein paar Minuten später kam ein Polizist auf seinem Moped vorbei und verscheuchte alle Anwesenden mit der Trillerpfeife. Da die Monorail auch um Elf schon zugemacht hatte (vermutlich um zu verhindern, dass zu viele Malayen bis spätnachts Party machen) und wir zu geizig waren, ein Taxi zu nehmen, gingen wir eben zu Fuß.
Kuala Lumpur, so lebendig es auch ist den Tag hindurch, wirkt nach Mitternacht wie ausgestorben. Nur in ein, zwei Straßen tobte noch das Nachtleben. Viele Autos, Chinesinnen in knappen Miniröcken, Discos und Bars mit bebender Musik. Nachts um Zwei waren wir zurück in unserer fensterlosen Schuhschachtel für 35 Ringgit. Der Betreiber des Hostels hatte uns gleich nach dem Aussteigen aus dem Bus ein sehr professionell gestaltetes Flugblatt in die Hand gedrückt und uns dorthin begleitet. Es ist nicht schlecht, aber ich fand es hier sehr deutlich und faszinierend, was ein guter Fotograf aus einem Ort herausholen kann.
Heute Morgen verabschiedete ich mich von Daniela, die mit dem Bus in die Cameron Highlands aufbrach. Abschiede sind scheiße, vor allem dann, wenn man zwei Wochen lang jede Minute mit dieser Person verbracht hat. Ich fühlte mich leer und allein gelassen, als hätte man etwas aus mir herausgerissen. Eine Zeit lang hatte ich nicht mal mehr sonderliche Lust, die neue Stadt zu erkunden, riss mich aber dann zusammen und wanderte los, bis mir die Füße weh taten – was ziemlich schnell geschah, da die Bahnstationen hier sehr weit auseinander liegen und ich mich natürlich wieder mal verirrt hatte und mir ein redseliger malaysischer Versicherungsvertreter wieder auf den rechten Weg helfen musste.
Dann bestieg ich den KL Tower (ich muss in jeder großen Stadt auf nen Turm hoch) und ärgerte mich über die 38 Ringgit, die ich dafür bezahlen musste. Inbegriffen in diesen waghalsigen Preis waren 300 ml Wasser, der Eintritt ins „Animal Paradise“ (wo Schlangen und Affen in kleinen Glaskästen zur Schau gestellt wurden – ich fand das schrecklich und war schnell wieder raus), eine Eintrittskarte zum F1-Simulator-Fahren (ja super) und noch eine Karte fürs Ponyreiten. Geht’s noch? Ich wollte nur auf den blöden Turm hoch!
Ich kämpfte mich nach Little India durch und aß in einem malaysischen Restaurant, wo ich der einzige westliche Gast war. Es gab ein riesiges Mittagsbuffet, ich hab meinen Teller voll beladen mit allen möglichen bekannten und unbekannten Dingen und nur 6 Ringgit inklusive einem halben Liter Orangensaft für alles bezahlt. Für eine Gruppe malaysischer Mädels in schwarzen Kopftüchern (die allerdings mit irgendwelchen Jungs da waren), war ich so eine Art Attraktion.
TOT! Die einzige Strafe fuer Drogendealer in Malaysia. Sei vorgewarnt! -- An der Mauer eines herunter gekommenen Gefaengnisses. Hoffentlich nicht mehr in Betrieb...
Ein heftiger Regenschauer hat mir dann endgültig die Lust geraubt, noch mehr zu sehen. Ich habe das versmogte Stadtleben nun wieder aufgesaugt, mich in das hektische Treiben auf den Märkten geschmissen, hunderte Händler die mich von der Seite anmachten ignoriert.
Ich habe die alten zerfallenen Häuser gesehen, ich habe das moderne KL gesehen, und nun sitze ich im Hostel, warte darauf, bis es Abend wird und spreche mit einem jungen Japaner, der mit seinem Fahrrad und seinem Fußball durch China und ganz Südostasien gefahren ist. Um Mitternacht geht mein Flug zurück ins kalte Deutschland. Die letzten zwei Wochen waren einfach genial, und nun erwartet mich wieder das normale Arbeits- und Single-Leben. Was solls, genau das bin ich ja gewohnt
Freitag, 25. September 2009
Blutegel!
Ein Teil meiner Wunden ist verheilt, neue sind hinzu gekommen. Jedes Loch an meinen Beinen und jede Schürfwunde an meinen Händen verbinde ich mit einem kleinen Erlebnis: Steine hochklettern, Höhlen erforschen, Blutegel sättigen. Die Wunden haben sich gelohnt. Ich bin erschöpft, aber glücklich. Ich habe einige Dinge getan und gesehen, die ich noch nie getan oder gesehen habe.
Am Dienstag sind wir von den Inseln in Richtung der Stadt Kota Bahru ganz im Norden an der thailändischen Grenze aufgebrochen. Nicht nur wir gingen diesen Weg. Andere Backpacker, darunter überraschend viele Deutsche, saßen an der Busstation herum und warteten. Niemand hatte eine Ahnung, wann der Bus kommen würde. Der Taxifahrer, der uns für 50 Ringgit fahren wollte, wurde von einem weitgereisten jungen Franzosen vertrieben, weil der ihn auf 40 Ringgit runterhandeln wollte. Obwohl der Unterschied zwischen 40 und 50 Ringgit nur 2 Euro beträgt, weigerten sich die meisten Backpacker, dies in Kauf zu nehmen und warteten lieber stundenlang auf den Bus. Nach dem ganzen Hickhack fanden wir keinen Fahrer mehr, der die 50 akzeptierte und nahmen schließlich zu viert ein Taxi für 60. Ein junger Russe auf Geschäftsreise, der sich über die einfachen Unterkünfte auf Pulau Perhentian beschwerte und eine Deutsche, die ein Urlaubssemester in Malaysia und Indonesien verbrachte.
Am nächsten Tag bestiegen wir den Dschungelzug, der uns direkt in den Taman Negara, den größten Nationalpark Malaysias und einer der ältesten Regenwälder dieser Erde bringen würde. Wir mussten um halb Fünf aufstehen, um den Zug zu erwischen, der um 6:30 Uhr in einem 10 km entfernten und nur per Taxi erreichbaren Ort startete. Außer einer Britin, die mit zwei chinesischen Studentinnen reiste, waren wir die einzigen „Wessis“ in dem Zug.
Entsprechend atmosphärisch war die siebenstündige Reise. Der Bummelzug hielt an ungefähr 30 Stationen, das meiste davon kleine Dörfchen in und um den Dschungel. Verkommene Hütten mit Wellblechdächern, herum liegender Müll, dazwischen etwas ganz Neues oder schon lange halb fertiges. Man hat hier oft den Eindruck, dass die Leute hier nicht sonderlich stark daran interessiert sind, schön zu wohnen. Man baut sich ne Hütte, wohnt darin bis sie zusammen fällt, und dann baut man sich eine neue.
Auf der langen Fahrt standen wir eine Weile an den offenen Türen herum und sahen zu, wie der Urwald an uns vorbei fegte, wurden von großen Kinderaugen interessiert beobachtet und waren froh, nur einmal auf die Toilette gehen zu müssen. Zerschlissene Sitze, heulende Kinder, viele spannend aussehende Menschen, Urwald, Felsen, Felder, weidende Tiere. Die Zeit verging schneller als ich erwartet hatte.
Von der Endstation in Kuala Lipis besorgten wir uns über einen schwerfälligen dickbäuchigen Touristeninformations-Menschen ein Taxi nach Kuala Tembeling und bestiegen dort mit zig anderen Wessis ein Holzboot nach Kuala Tahan, mitten in Taman Negara.
Die Bootsfahrt über den Fluss dauerte knapp 3 Stunden. Wir sahen Bäume, Bäume, Bäume, ab und zu kleine Grasstrände, eine trinkende Büffelherde, Bäume, Bäume, und noch mehr schöne Bäume.
Nach dieser anstrengenden Reise, bei der alles überraschend perfekt funktioniert hatte, wollten wir so schnell wie möglich eine Unterkunft finden. Dennoch irrten wir zwei Stunden lang mit unseren schweren Rucksäcken durch den unübersichtlich angelegten Ort. Das erste Hostel war schön gelegen, hatte aber nur winzige Holzhütten mit Bodentoiletten anzubieten. Das zweite in unserer Preisklasse hatte wegen Aidilfitri (die Tage nach Hari Raya) geschlossen. Das dritte war ausgebucht. Und das vierte war wegen eines Wespennestes geschlossen. Letztlich waren wir so verzweifelt, dass wir uns schworen, die erste Unterkunft zu nehmen, die wir finden konnten. Nun übernachten wir in einem Dorm in einem kleinen Gasthaus mit 3 Doppelbetten auf rund 8 Quadratmetern. Wir hatten Glück: Auch heute am dritten Tag schaffte es der Betreiber nicht, die restlichen Betten zu vermieten. Gut. Was schlafen angeht, bin ich empfindlich.
Schön, dass es hier eine Klimaanlage gibt. Nicht schlecht für 10 Ringgit pro Nacht. Zwar quaken hier nachts Riesenfrösche, deren Mööööp-Laute so laut sind wie das Muhen von Kühen, ab und zu kracht es und ein paar Hühner fallen vom Dach, morgens um Fünf wird man von den Hahnenschreien geweckt, die Betten quietschen, die Matratzen sind so durchgelegen, dass man mit dem Hintern in einer tiefen Kuhle liegt, aber ich kann schlafen. Was kaum verwundert, wenn man den ganzen Tag durch den Dschungel wandert.
Und das ist hier wirklich genial. Gestern gingen wir um etwa 10 Uhr los und blieben rund sechs Stunden im Dschungel. Die Wege sind extrem unterschiedlich. Mal so gut ausgebaut und mit Metallplanken befestigt, dass auch achtzigjährige darauf gehen können, mal so winzig und unscheinbar, dass sie sich kaum mehr vom restlichen Wald unterscheiden, und ab und zu so schwierig, dass man sich nur mittels Seilen einen Hang hinaufziehen kann. Wir wanderten manchmal über eine Stunde lang, ohne einen einzigen Menschen zu sehen. Manchmal war der Weg von einem umgestürzten Baum versperrt und wir mussten uns einen Weg außen herum suchen.
Was waren wir erschöpft, als wir den ersten Hügel mit 530 Metern erklommen hatten, und wie glücklich waren wir über den Ausblick auf den riesigen Regenwald, der sich uns auf dem zweiten Hügel bot. Waehrend Daniela keine Schweissdruesen zu haben schien und auch nach stundenlangem Laufen noch trockene Kleidung hatte, schwitzte ich aus allen Poren und war spaetestens nach einer halben Stunde durchgeschwitzt.
Als es Abend wurde und uns der Pfad nach Norden statt nach Süden führte, wurde uns etwas mulmig, doch schon bald vernahmen wir den Sänger der Moschee, der zum Abendgebet rief, und hörten laute Stimmen aus der Nähe. Nach einigen Metern erreichten wir einen Nebenfluss, an dem eine Schulklasse badete. Schon nach kurzer Zeit huepfte Daniela ins braune Wasser und ich ging nach einigen Minuten (sie musste mich mehrmals auffordern) hinterher. Sehr erfrischend! Ich will nur nicht wissen, was mir da alles um die Fuesse herum geschwommen ist.
Den ersten Blutegel meines Lebens sah ich an einer Weggabelung an meinem Hosenbein hochkrabbeln. Ein winziges Röhrchen mit Saugnäpfen an jedem Ende, das sich jeweils mit einem Ende festsaugte, dann mit dem anderen Rüssel nach einer guten Richtung fummelte und sich schließlich mit diesem festsaugte.
Nach einer Weile quiekte Daniela und wir bemerkten schnell, dass wir keine andere Wahl hatten, als uns mit den Tierchen zu arrangieren. Da es nachts meist regnet und der Waldboden feucht ist, torkeln tausende Blutegel herum und suchen mit ihren Rüsselchen nach einer Mitnahmemöglichkeit. Etwa jede halbe Stunde untersuchten wir unsere Beine und entfernten die Egel so gut es ging, was nicht immer leicht war, da deren Saugnäpfe extrem gut hafteten.
Und natürlich schafften wir es nicht, alle zu fangen, bevor sie sich festbeißen konnten. Daniela war das erste Opfer. Ein großer Blutfleck an ihrer Hose zeigte deutlich, dass sich einer an ihrem Blut vollgesaugt hatte und dann einfach abfiel. Eklige, aber irgendwie spannende Tiere. Nicht schädlich, auch nicht schmerzhaft. Wo wir gestern noch geschockt waren, so routiniert gingen wir heute damit um. Den einen Egel, der sich bereits festgebissen hatte, ließ ich einfach hängen, bis er von selbst abfiel. Lecker.
Heute morgen standen wir bereits um Sieben auf und erreichten nach gut zwei Stunden eine kleine Höhle. Wir hatten uns entschieden, keine Tour zu buchen und alles auf eigene Faust zu unternehmen. Zwar lernten wir so nicht die ganzen lustigen Dinge über den Dschungel, aber wir konnten unser eigenes Tempo fahren und mussten uns niemandem anpassen.
Der Eingang der Höhle war eng, und in der Höhle war es noch enger. Wir quetschten uns in die Dunkelheit, krochen an dem Seil entlang, das uns als einzige Orientierung diente, und kamen in einer dunklen Höhle an, in der hunderte Fledermäuse an den Wänden hingen und wild durch die Gegend flatterten. Dann ging meine Taschenlampe kaputt und wir mussten uns mit Danielas Funzel (die immer mal wieder schlapp machte) begnügen. Dort unten war sie mutiger als ich. Ich wollte umdrehen, weil ich keine Lust hatte, in völliger Dunkelheit mit tausend Fledermäusen in einer engen Höhle festzuhängen. Doch Daniela kroch mutig durch den engen Gang unter den Tierchen hindurch und quetschte sich durch eine nur zwanzig Zentimeter hohe Spalte. Gut, dass wir beide so schlank waren!
Einmal rutschte ich auf den glitschigen Steinen aus und schürfte meine Hand auf, aber bald waren wir draußen, kletterten ein paar Steine hoch und fanden uns mitten im Dschungel wieder, wo nirgends ein deutlicher Weg zu sehen war. Nach einigen Minuten fanden wir jedoch einen winzigen, nirgends ausgeschilderten Pfad und konnten so dieses kleine, spannende Abenteuer beenden.
Die wenigen Tiere, die wir sahen, beschränkten sich auf Ameisen, Termiten, zwanzig Zentimeter lange Tausendfüßler, Hunderftuessler die sich zu ner Murmel zusammenrollen koennen, ab und zu einen Leguan oder Gecko, Vögel, Raupen und ganz selten mal Äffchen. Dennoch machte uns das Trekking hier extremen Spaß. Einfach genial.
Und nun hoffen wir, dass wir in diesen „Floating Restaurants“ am Fluss irgendwo was zu essen kriegen. Die meisten haben nämlich geschlossen. Aidilfitri eben.
Am Dienstag sind wir von den Inseln in Richtung der Stadt Kota Bahru ganz im Norden an der thailändischen Grenze aufgebrochen. Nicht nur wir gingen diesen Weg. Andere Backpacker, darunter überraschend viele Deutsche, saßen an der Busstation herum und warteten. Niemand hatte eine Ahnung, wann der Bus kommen würde. Der Taxifahrer, der uns für 50 Ringgit fahren wollte, wurde von einem weitgereisten jungen Franzosen vertrieben, weil der ihn auf 40 Ringgit runterhandeln wollte. Obwohl der Unterschied zwischen 40 und 50 Ringgit nur 2 Euro beträgt, weigerten sich die meisten Backpacker, dies in Kauf zu nehmen und warteten lieber stundenlang auf den Bus. Nach dem ganzen Hickhack fanden wir keinen Fahrer mehr, der die 50 akzeptierte und nahmen schließlich zu viert ein Taxi für 60. Ein junger Russe auf Geschäftsreise, der sich über die einfachen Unterkünfte auf Pulau Perhentian beschwerte und eine Deutsche, die ein Urlaubssemester in Malaysia und Indonesien verbrachte.
Am nächsten Tag bestiegen wir den Dschungelzug, der uns direkt in den Taman Negara, den größten Nationalpark Malaysias und einer der ältesten Regenwälder dieser Erde bringen würde. Wir mussten um halb Fünf aufstehen, um den Zug zu erwischen, der um 6:30 Uhr in einem 10 km entfernten und nur per Taxi erreichbaren Ort startete. Außer einer Britin, die mit zwei chinesischen Studentinnen reiste, waren wir die einzigen „Wessis“ in dem Zug.
Entsprechend atmosphärisch war die siebenstündige Reise. Der Bummelzug hielt an ungefähr 30 Stationen, das meiste davon kleine Dörfchen in und um den Dschungel. Verkommene Hütten mit Wellblechdächern, herum liegender Müll, dazwischen etwas ganz Neues oder schon lange halb fertiges. Man hat hier oft den Eindruck, dass die Leute hier nicht sonderlich stark daran interessiert sind, schön zu wohnen. Man baut sich ne Hütte, wohnt darin bis sie zusammen fällt, und dann baut man sich eine neue.
Auf der langen Fahrt standen wir eine Weile an den offenen Türen herum und sahen zu, wie der Urwald an uns vorbei fegte, wurden von großen Kinderaugen interessiert beobachtet und waren froh, nur einmal auf die Toilette gehen zu müssen. Zerschlissene Sitze, heulende Kinder, viele spannend aussehende Menschen, Urwald, Felsen, Felder, weidende Tiere. Die Zeit verging schneller als ich erwartet hatte.
Von der Endstation in Kuala Lipis besorgten wir uns über einen schwerfälligen dickbäuchigen Touristeninformations-Menschen ein Taxi nach Kuala Tembeling und bestiegen dort mit zig anderen Wessis ein Holzboot nach Kuala Tahan, mitten in Taman Negara.
Die Bootsfahrt über den Fluss dauerte knapp 3 Stunden. Wir sahen Bäume, Bäume, Bäume, ab und zu kleine Grasstrände, eine trinkende Büffelherde, Bäume, Bäume, und noch mehr schöne Bäume.
Nach dieser anstrengenden Reise, bei der alles überraschend perfekt funktioniert hatte, wollten wir so schnell wie möglich eine Unterkunft finden. Dennoch irrten wir zwei Stunden lang mit unseren schweren Rucksäcken durch den unübersichtlich angelegten Ort. Das erste Hostel war schön gelegen, hatte aber nur winzige Holzhütten mit Bodentoiletten anzubieten. Das zweite in unserer Preisklasse hatte wegen Aidilfitri (die Tage nach Hari Raya) geschlossen. Das dritte war ausgebucht. Und das vierte war wegen eines Wespennestes geschlossen. Letztlich waren wir so verzweifelt, dass wir uns schworen, die erste Unterkunft zu nehmen, die wir finden konnten. Nun übernachten wir in einem Dorm in einem kleinen Gasthaus mit 3 Doppelbetten auf rund 8 Quadratmetern. Wir hatten Glück: Auch heute am dritten Tag schaffte es der Betreiber nicht, die restlichen Betten zu vermieten. Gut. Was schlafen angeht, bin ich empfindlich.
Schön, dass es hier eine Klimaanlage gibt. Nicht schlecht für 10 Ringgit pro Nacht. Zwar quaken hier nachts Riesenfrösche, deren Mööööp-Laute so laut sind wie das Muhen von Kühen, ab und zu kracht es und ein paar Hühner fallen vom Dach, morgens um Fünf wird man von den Hahnenschreien geweckt, die Betten quietschen, die Matratzen sind so durchgelegen, dass man mit dem Hintern in einer tiefen Kuhle liegt, aber ich kann schlafen. Was kaum verwundert, wenn man den ganzen Tag durch den Dschungel wandert.
Und das ist hier wirklich genial. Gestern gingen wir um etwa 10 Uhr los und blieben rund sechs Stunden im Dschungel. Die Wege sind extrem unterschiedlich. Mal so gut ausgebaut und mit Metallplanken befestigt, dass auch achtzigjährige darauf gehen können, mal so winzig und unscheinbar, dass sie sich kaum mehr vom restlichen Wald unterscheiden, und ab und zu so schwierig, dass man sich nur mittels Seilen einen Hang hinaufziehen kann. Wir wanderten manchmal über eine Stunde lang, ohne einen einzigen Menschen zu sehen. Manchmal war der Weg von einem umgestürzten Baum versperrt und wir mussten uns einen Weg außen herum suchen.
Was waren wir erschöpft, als wir den ersten Hügel mit 530 Metern erklommen hatten, und wie glücklich waren wir über den Ausblick auf den riesigen Regenwald, der sich uns auf dem zweiten Hügel bot. Waehrend Daniela keine Schweissdruesen zu haben schien und auch nach stundenlangem Laufen noch trockene Kleidung hatte, schwitzte ich aus allen Poren und war spaetestens nach einer halben Stunde durchgeschwitzt.
Als es Abend wurde und uns der Pfad nach Norden statt nach Süden führte, wurde uns etwas mulmig, doch schon bald vernahmen wir den Sänger der Moschee, der zum Abendgebet rief, und hörten laute Stimmen aus der Nähe. Nach einigen Metern erreichten wir einen Nebenfluss, an dem eine Schulklasse badete. Schon nach kurzer Zeit huepfte Daniela ins braune Wasser und ich ging nach einigen Minuten (sie musste mich mehrmals auffordern) hinterher. Sehr erfrischend! Ich will nur nicht wissen, was mir da alles um die Fuesse herum geschwommen ist.
Den ersten Blutegel meines Lebens sah ich an einer Weggabelung an meinem Hosenbein hochkrabbeln. Ein winziges Röhrchen mit Saugnäpfen an jedem Ende, das sich jeweils mit einem Ende festsaugte, dann mit dem anderen Rüssel nach einer guten Richtung fummelte und sich schließlich mit diesem festsaugte.
Nach einer Weile quiekte Daniela und wir bemerkten schnell, dass wir keine andere Wahl hatten, als uns mit den Tierchen zu arrangieren. Da es nachts meist regnet und der Waldboden feucht ist, torkeln tausende Blutegel herum und suchen mit ihren Rüsselchen nach einer Mitnahmemöglichkeit. Etwa jede halbe Stunde untersuchten wir unsere Beine und entfernten die Egel so gut es ging, was nicht immer leicht war, da deren Saugnäpfe extrem gut hafteten.
Und natürlich schafften wir es nicht, alle zu fangen, bevor sie sich festbeißen konnten. Daniela war das erste Opfer. Ein großer Blutfleck an ihrer Hose zeigte deutlich, dass sich einer an ihrem Blut vollgesaugt hatte und dann einfach abfiel. Eklige, aber irgendwie spannende Tiere. Nicht schädlich, auch nicht schmerzhaft. Wo wir gestern noch geschockt waren, so routiniert gingen wir heute damit um. Den einen Egel, der sich bereits festgebissen hatte, ließ ich einfach hängen, bis er von selbst abfiel. Lecker.
Heute morgen standen wir bereits um Sieben auf und erreichten nach gut zwei Stunden eine kleine Höhle. Wir hatten uns entschieden, keine Tour zu buchen und alles auf eigene Faust zu unternehmen. Zwar lernten wir so nicht die ganzen lustigen Dinge über den Dschungel, aber wir konnten unser eigenes Tempo fahren und mussten uns niemandem anpassen.
Der Eingang der Höhle war eng, und in der Höhle war es noch enger. Wir quetschten uns in die Dunkelheit, krochen an dem Seil entlang, das uns als einzige Orientierung diente, und kamen in einer dunklen Höhle an, in der hunderte Fledermäuse an den Wänden hingen und wild durch die Gegend flatterten. Dann ging meine Taschenlampe kaputt und wir mussten uns mit Danielas Funzel (die immer mal wieder schlapp machte) begnügen. Dort unten war sie mutiger als ich. Ich wollte umdrehen, weil ich keine Lust hatte, in völliger Dunkelheit mit tausend Fledermäusen in einer engen Höhle festzuhängen. Doch Daniela kroch mutig durch den engen Gang unter den Tierchen hindurch und quetschte sich durch eine nur zwanzig Zentimeter hohe Spalte. Gut, dass wir beide so schlank waren!
Einmal rutschte ich auf den glitschigen Steinen aus und schürfte meine Hand auf, aber bald waren wir draußen, kletterten ein paar Steine hoch und fanden uns mitten im Dschungel wieder, wo nirgends ein deutlicher Weg zu sehen war. Nach einigen Minuten fanden wir jedoch einen winzigen, nirgends ausgeschilderten Pfad und konnten so dieses kleine, spannende Abenteuer beenden.
Die wenigen Tiere, die wir sahen, beschränkten sich auf Ameisen, Termiten, zwanzig Zentimeter lange Tausendfüßler, Hunderftuessler die sich zu ner Murmel zusammenrollen koennen, ab und zu einen Leguan oder Gecko, Vögel, Raupen und ganz selten mal Äffchen. Dennoch machte uns das Trekking hier extremen Spaß. Einfach genial.
Und nun hoffen wir, dass wir in diesen „Floating Restaurants“ am Fluss irgendwo was zu essen kriegen. Die meisten haben nämlich geschlossen. Aidilfitri eben.
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