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Mittwoch, 11. Juli 2007

Zurück in der Heimat

Geschrieben von Jens in Korea 2007 um 09:13
Nach einer über 24stündigen Reise (11 Stunden Flug nach Paris, 1 Stunde Flug nach Frankfurt, fast 4 Stunden Zug nach Basel, und vielen Stunden Warterei) bin ich gestern Morgen wieder in meiner Wohnung angekommen. In Frankfurt hat es mich nicht mal sonderlich überrascht, als ich mein Gepäck nicht auf dem Band gefunden hatte. Kurze Zeit später wurde ich aufgerufen und mir wurde erklärt, dass es in Paris hängen geblieben und nicht in den richtigen Flieger verladen worden sei. Es würde mir aber im Laufe der nächsten zwei Tage zugeschickt. Auch recht, hatte ich schon nicht so viel zu schleppen.

Ansonsten hat alles wunderbar geklappt, und den Jetlag hab ich wie bei der Hinreise problemlos besiegt. Das Geheimnis ist vermutlich, möglichst die ganze Reise hindurch wach zu bleiben, dann ein paar Stunden zu schlafen, und sofort in den natürlichen Rhythmus zurück zu kehren.

Am ersten Tag kam mir hier alles ein wenig fremd vor. Die vielen Deutschen überall! Und so kalt... brr. Beim Wetter habe ich ja offensichtlich nicht viel verpasst. Auf der Rückfahrt im Zug fror ich jedoch ein wenig, weil ich nur ein T-Shirt trug und mir mein großer Rucksack ja nicht zur Verfügung stand.

Am Abend gabs wieder deutsches Essen von Mama. Sehr gut wie immer. Dennoch werde ich das koreanische Essen vermissen und hasse mich schon jetzt dafür, dass ich nicht zumindest ein paar Dinge eingekauft habe, wie z.B. koreanische Esstäbchen aus Metall, die man selbst übers Internet nur schwerlichst auftreiben kann. Überall gibt es Shops für die chinesische und japanische Küche, aber für Korea? Fehlanzeige.

Was mir an Korea überhaupt nicht gefiel:

  • Der Verkehr auf den Straßen, wie öfters beschrieben. Schrecklich! Es gibt zudem keine Fußgängerampeln, und diese haben die geringste Priorität im Verkehr. Es kommt an großen Kreuzungen schon vor, dass man bis zu 10 Minuten warten muss, um zwei Straßen zu überqueren. Wenn denn dann mal Grün ist, hat man ca. 45 Sekunden Zeit, um rüber zu kommen. Bei uns bleiben die Ampeln für die Autofahrer nach der Rotschaltung der Fußgängerampel ebenfalls noch einige Sekunden Rot. In Korea wird sofort auf Grün geschaltet, und wenn man dann nicht rüber ist, geht das große Hupen los.

  • Die Badezimmer, weil man dort drin einfach nicht trocken werden kann und man nur selten Stromanschlüsse findet, um sich zu föhnen.

  • Haemultang ;-)

  • Dass die schöne Landschaft viel zu oft rücksichtslos zugebaut wird und jede Stadt gleich aussieht. In Europa kann man ein Foto einer Straße machen und anhand diesem relativ problemlos die Stadt identifizieren. In Korea besteht jede Stadt aus unschönen Betonbauten und Straßen mit vielen Schildern, vielen Geschäften, vielen Restaurants, dicht an dicht nebeneinander. Es gibt kein Stadtbild und fast keine alten Gebäude, weil Korea im Laufe der Geschichte einfach zu oft platt gemacht wurde und man nach dem Krieg möglichst schnell möglichst viel gebaut hat. Zudem ist der Umweltschutzgedanke noch lange nicht so stark ausgeprägt wie in Deutschland. Müll wird gerne mal auf die Straße oder in die Landschaft geworfen, Recycling gibt es nur eingeschränkt, Dosen sind immer noch oft zu finden.


Was mir dagegen sehr zusagte:

  • Das Essen! Einfach genau meine Linie, weil man immer nur das zu essen braucht, was man mag und sich nicht anstrengen muss, seinen Teller leer zu kriegen. Zudem sind alle Beilagen frisch und frei von irgendwelchen hellen Soßen. Alles ist gut gewürzt und man wundert sich, wie man 3x am Tag Reis essen kann, ohne dass er einem über wird. Außerdem habe ich vermutlich noch nie so viel vegetarisch gegessen wie in Korea. Und da man in Straßenrestaurants für 2-5 Euro satt werden kann, halten sich die Ausgaben in Grenzen.

  • Der öffentliche Nahverkehr ist toll, mit wenig Geld kommt man immer bequem durch die Gegend, ob mit Bus, Bahn oder Taxi. Von jeder Stadt aus fahren sehr häufig Busse in die Gebiete im Umland, und Taxis sind noch bezahlbar.
  • Die PC-Bangs. Eine Stunde Computern für einen Euro. Sollte man in Deutschland auch einführen, dann müssten die jungen Leute nicht immer ihre Computer irgendwohin schleppen, um miteinander zu zocken.

  • Das Sicherheitsgefühl auf den Straßen und in der U-Bahn. Auch wenn man nachts unterwegs ist, kommt es kaum vor, dass man auf aggressive, pöbelnde oder betrunkene Menschen stößt, obwohl der Koreaner gerne viel trinkt. Ab und zu fällt mal einer aus einer Kneipe, aber die sind dann friedlich und die Kollegen helfen ihnen in die U-Bahn. Die Kriminalitätsrate ist sehr gering. Und die Jugendlichen haben im Vergleich zu Deutschland noch viel bessere Manieren.




Ich werde sicherlich wieder nach Korea reisen, dann vielleicht für 2 statt 4 Wochen. Es ist ein faszinierendes Land mit freundlichen Menschen. Bis dahin sollte ich allerdings meine koreanischen Sprachkenntnisse vertiefen (vor allem Sprechen und Verstehen), damit ich mehr mit den Leuten in Kontakt kommen kann. Denn die wahre Stärke der Kultur zeigt sich erst, wenn man mit Freunden oder in einer Gruppe unterwegs sein kann. Erst dann sind die typischen Gemeinschaftsgerichte im Restaurant möglich und das Singen im Noraebang macht richtig Spaß.

Da mein Gepäck gerade eingetroffen ist, kann ich nun die Waschmaschine anwerfen und die zahlreichen Bilder nachbearbeiten. Es war ein Urlaub, den ich nie vergessen werde. Ich bin sehr froh, es gemacht zu haben, und allein auf eigene Faust die meist Zeit unterwegs gewesen zu sein. Der Lonely Planet war das wichtigste Buch auf meiner Reise. Jetzt im Juli kam eine neue Ausgabe auf den Markt, in der die kleineren Fehler, die mir aufgefallen waren, berichtigt sind.

Danke nochmal fürs Lesen. Ich selbst freue mich schon wieder aufs Arbeiten. Aber jetzt werde ich mich erst mal noch ein paar Tage vom Urlaub erholen.
Kommentare (2)

Sonntag, 8. Juli 2007

Abschied: Lebender Tintenfisch und Noraebang

Geschrieben von Jens in Korea 2007 um 16:42
Kein Durchkommen mehr...
Meine letzten Tage in Korea habe ich in Seoul und Incheon verbracht. Viel Energie war nicht mehr in meinem Körper, und so ließ ich es eher ruhig angehen.

Tankstelle mit herab baumelnden Tankstutzen
Am Freitag fuhr ich gegen Mittag nach Seoul und habe mich zunächst mal wieder verlaufen, weil es hier riesige Untergrund-Shopping-Meilen gibt, die mit über 20 Ausgängen auftrumpfen. Wenn man da die richtige Nummer nicht kennt, kommt man weiß gott wo raus. In der U-Bahn waren mal wieder Verkäufer unterwegs, die lautstark die verrücktesten Dinge an Mann und Frau bringen wollten: (Damen-)Socken, Tarnfarben-Regenmäntel, Kissen, mit Sand gefüllte Luftballonfiguren, CDs (mit Musikvorführung)... Und dann immer mal wieder ein blinder Bettler, der durch die Mitte der Wagen wandert.

Irgendwo in Seoul
Eigentlich wollte ich auf einen Hügel klettern, der im Reiseführer als schöne Route angegeben wurde. Aber ich fand den Weg nicht, weil dort neue Hochhäuser gebaut wurden. Der Berg, auf dem sich ein Tempel und mehrere Schreine befinden sollen, wurde so rücksichtslos zugebaut. Es war extrem heiß (ich hasse den koreanischen Sommer, hab ich das schon erwähnt?), und so ging ich in das Seodaemun-Gefängnis, das nicht weit entfernt lag.

Seodaemun-Gefängnis
Dieses historische Gefängnis wurde 1908 von der japanischen Besatzungsmacht erbaut. Damals hat Japan über 30 Jahre lang versucht, Korea zu einer japanischen Kolonie zu machen. Die koreanische Schrift und Sprache wurden verboten, Bücher verbrannt, die meisten Tempel und sonstigen Kulturgüter vollständig zerstört. Hunderttausende junger Frauen wurden den Japanern als "Freudenmädchen" zur Verfügung gestellt. Kriegermönche leisteten damals heftigen Widerstand, zusammen mit vielen Untergrundkämpfern, wegen denen dieses Gefängnis gebaut wurde.

Seodaemun-Gefängnis
Die Besichtigung war extrem interessant und sehr aufschlussreich, wenn man die heutigen Spannungen zwischen Korea und Japan verstehen möchte. Japan hat sich bis heute nicht für die damaligen Taten entschuldigt, obwohl Korea von Japan im Laufe der Geschichte insgesamt 2 Mal brutal überrannt wurde (das erste Mal im 15. Jahrhundert).
Dreharbeiten im Soedaemun-Gefängnis
Im Gefängnis wurden die Methoden der Folter und der Unterbringung in 3 Quadratmeter-Zellen eindrucksvoll zur Schau gestellt. Man hat die Untergrundkämpfer mit Strom malträtiert, ihnen Daumenschrauben angelegt, sie auf den Auspeitschbrettern der Joeson-Dynastie geschlagen oder sie drei Tage lang in einen Wandschrank gepackt, der keinerlei Bewegung zuließ. Frauen wurden zudem missbraucht, Geständnisse erzwungen. Viele wurden nach der langen Tortur erhängt.

Bank für das traditionelle koreanische Auspeitschen mit Holzstöcken
Im Gefängnis wurde gerade ein Film gedreht, als ich da war. Eine Szene, in der zwei Gefängniswärter wild aus einer Zelle stürmen, konnte ich hautnah mitverfolgen. Sehr schön.

Namdaemun - das Südtor
Mit der U-Bahn fuhr ich dann zu Namdaemun, dem historischen Südtor der Stadt, welches eindrucksvoll aussieht inmitten dieser vielen modernen Hochhäuser und umgeben von dichtem Verkehr. In der U-Bahn-Station wollte mir eine koreanische Frau unbedingt helfen, obwohl sie fast kein Englisch sprach. Aber sie redete und redete, besorgte mir einen U-Bahn-Plan, und sie erzählte, auf welchen Märkten ich welche Dinge am günstigsten kaufen könnte. Bei den Stadttoren Namdaemun und Dongdaemun (Osttor) gibt es die größten Märkte in Seoul. Sowohl die traditionellen mit den alten Damen, die den ganzen Tag auf dem Boden sitzen und ihre zahlreichen Nahrungsmittel verkaufen, sowie moderne, die hauptsächlich Kleidung und Handys anbieten.

Shopping in Namdaemun
Mir sagen Märkte ja wirklich nicht viel. Was soll man da schon tun? Einkaufen? Bah... nee. Das sollen mal die Frauen erledigen. Mir reicht es, ein oder zweimal durch die Marktgassen zu gehen, mich durch Millionen Menschen zu drücken, um die Atmosphäre dieser Orte aufzunehmen. Aber dann will ich sofort wieder an einen Ort mit wenig Menschen und wenig Verkehr. Beides ist in Seoul jedoch kaum zu finden. Am Wochenende auf den Straßen merkt man, wie viele Menschen tatsächlich in diesem Ballungsgebiet wohnen. Der helle Wahnsinn.

Irgendwo in Seoul
Eigentlich wollte ich abends ins Kino gehen, weil "Transformers", obwohl ich fest davon überzeugt war, der sei Müll, sehr gute Kritiken erhalten hatte. Das blöde war, dass ich rechtzeitig kein Kino fand. Zwar hab ich eins gesehen, aber dort liefen nur Arthouse-Filme, nix Hollywood. Wenn man die großen Multiplexe mal sucht, findet man sie nicht... Zudem waren meine Beine kaum mehr zur Mitarbeit zu überreden, weshalb ich mich einfach noch eine Weile an den Cheonggyechoen-Fluss setzte und meine Füße im Wasser abkühlte.

Shopping in Myeong-Dong
Abends gegen 22 Uhr, als ich gerade am Computer saß, kam Mama Kang herein und redete lautstark irgendwas davon, dass ich mitkommen sollte, um Papa abzuholen. Wenn ich gewusst hätte, was mir bevor stand, hätte ich vielleicht gesagt, ich sei zu müde... Denn das spannendste der letzten Tage sollte sich zu dieser späten Stunde noch abspielen.

So ne Art koreanischer Mercedes
Vor dem Haus wartete ein Wagen mit Papa Kang und einem seiner guten Freunde. Zusammen fuhren wir in ein Restaurant. Ich wollte eigentlich nicht, da ich schon gegessen und keinen Hunger mehr hatte, aber sowas gilt in Korea nicht. Mama bestellte rücksichtsloserweise Haemultang, und was dann kam, war... der Wahnsinn.

Hitzeschilde
Auf den Gasbrenner auf dem Tisch wurde eine Suppenschüssel gestellt, in der sich Haemultang befand. Krabbel-und-Glibberviecher-aus-dem-Meer-Suppe. Genau eines der Dinge, vor dem ich mich am Anfang meiner Reise gefürchtet hatte. Fischsuppe hatte ich ja noch überstanden, denn frischer Fisch ist wirklich essbar. Auch kleine Muscheln sind kein Problem. Aber das hier...

Der Deckel passte nicht ganz auf den Topf, und so konnte ich sehen, dass sich darunter ein vollständiger Krebs befand, sowie ein Octopus mit langen Fangarmen. Seine Fangarme bewegten sich noch, während die Suppe, in der er sich befand, zum Kochen gebracht wurde. Brr!

Sannakchi (Bild aus Internet)
Bis die Suppe kochte, gab es Vorspeise. Zum einen waren da große Schnecken. Ich habe ja noch nie Schnecken gegessen. Zum einen wunderte es mich, wie diese wohl schmecken würden, zum anderen ekelte ich mich davor. Aber Mama Kang ließ keine Widerrede zu, nahm die Stäbchen, zog die gekochte Schnecke aus ihrem Häuschen raus und warf sie in meinen Teller. Und dann hab ich sie gegessen. Das gute dabei ist, dass man das ganze Zeug zunächst in einer würzigen Soße windet. Muss man auch, denn sonst schmeckt es höchstens nach fettem, kaugummiartigen Fleisch...

Trainingsgeräte im Seodaemun-Park
Und dann kam das verrückteste. Die Bedienung brachte ein kleines Tablett mit San-Nakchi. San bedeutet "lebend" und Nakchi bedeutet "Tintenfisch". Ich kannte das bereits aus Filmen. Es gibt zwei Varianten: Bei der ersten Art werden kleine Tintenfische komplett lebend serviert und vollständig (nach dem Tunken in einer Soße) gegessen. Die zweite, harmlosere Art wurde uns gebracht: Kurz vor dem Servieren wird der Tintenfisch (noch lebend) klein geschnitten. Die Stückchen der Fangarme winden sich dann noch ca. 10 Minuten lang auf dem Teller, bevor sie endgültig tot sind.

Kartonsammler - in jeder Stadt
Seit ich hörte, dass dies eine koreanische Spezialität ist, war ich auch einerseits interessiert daran, dass mal live zu erleben, und auch mal zu sehen, wie sich das wohl anfühlen mochte. Es war faszinierend zu sehen, wie sich dieses Fangarmstückchen zwischen meinen Esstäbchen windete. Mama Kang gab mir einen Klaps auf die Beine. Ich solle es endlich essen und es nicht nur anstarren... Und dann hab ichs in die Soße getunkt und gegessen.

Kleine Polizeistation
Es schmeckte nur nach der Soße, sonst nach nichts. Einfach wie ein Stückchen fettes Fleisch ohne Geschmack. Kaugummiartig. Recht schwer, es herunter zu kriegen. Verwunderlich, wie sowas als delikat bezeichnet werden kann. Etwas, was überhaupt keinen Eigengeschmack besitzt. Das zweite Stückchen ließ ich dann mal ein wenig im Mund und wartete, was passieren würde. Als sich die Saugnäpfe aber an meiner Mundschleimhaut festgesaugt hatten und ich das Ding mit meiner Zunge wieder befreien musste, biss ich schnell drauf und schluckte es herunter.

Dann war die Suppe fertig. Der Octopus bewegte sich nicht mehr. Der Kellner kam und benutzte eine Schere, um den ganzen Inhalt des Topfes zu zerkleinern. Krebs und Octopus und das ganze andere Zeug, was da drin herumfleuchte, wurde so zu handlichen Stückchen verarbeitet.

Wörtlich übersetzt: Achtung! Viele-Unfälle-Platz. Blinkt nachts.
Die Seeschnecken schmeckten genau so wie die normalen Schnecken, sahen nur noch ekliger aus. Der Octopus war einfach nur glibbriges Zeug (das wieder nach nichts schmeckte), und das Krebsfleisch schmeckte etwas nach Hühnchen. Von daher noch das beste. Dann wurden mir seltsame braune Dinger von Paps Freund in den Teller gelegt. Als ich draufbiss, knirschte es kräftig und irgendwas flutschte raus. Vielleicht war es gut, nicht zu wissen, was da heraus kam. Ich hatte Mühe, dieses seltsame Ding zu zerkaufen, um es dann endlich herunter zu schlucken. Später sah ich, wie mein Tischnachbar die Dinger in den Mund nahm, zwei Mal drauf rum kaute und den Rest dann wieder ausspuckte. Urgs.

Haemultang, immer etwas anders (Bild aus Internet)
Zum Glück hatte ich während des ganzen Essens die Ausrede, keinen Hunger mehr zu haben. Somit konnte ich mich auf die Ban-Chans beschränken. Aber gegen ein Glas Soju konnte ich mich nicht wehren. Außerdem gehören ein paar Dinge zu einem Korea-Aufenthalt einfach dazu: Soju zu trinken ist eines davon. Jeder Koreaner trinkt diesen Alkohol, in kleinen 0.4-Liter-Flaschen zum Abendessen. Er schmeckte einfach nach... wie Alkohol halt schmeckt. Wie Whiskey oder sonstwas, nur nicht ganz so stark, da Soju nur 25-30% Alk enthält. Ich bin ja da alles andere als ein Experte, und nach einem Gläschen war dieses Experiment auch beendet.

Ich war froh, als ich im Bett war. Mein Magen fühlte sich die ganze Nacht und den ganzen nächsten Tag hindurch seltsam an. Immer dachte ich daran, wie einer dieser Fangarme noch in mir herumeumelt.... brrr! Nicht gut, absolut nicht delikat, aber eine sehr, sehr interessante und auch witzige Erfahrung.

Eingang zu Lotte World
Am Samstag wollte Papa Kang, dass ich mit ihm zu einer Hochzeit seines Bruders in irgendein Hotel fahre. Aber ich konnte ihm beibringen, dass ich mich lieber mit Hye-Suk treffen wollte, die am Mittag in Seoul ankommen würde. Nach 80 Minuten U-Bahn-Fahrt, während der ich nur stehen konnte, holte ich sie am Busterminal ab, und ich schlug ihr vor, Eislaufen zu gehen. Ich hatte das schon viele Jahre lang nicht mehr gemacht, und für Hye-Suk war es das erste Mal überhaupt.

Eislaufen in Lotte World
Wir fuhren zu Lotte World, einem großen Vergnügungskomplex südlich des Han-Flusses. Schlittschuhlaufen einschließlich Schuhleihe kostete dort 12.000 Won. Zunächst war es sehr wackelig, auf dem Eis zu stehen, und Hye-Suk kämpfte sich mühsam am Rand entlang. Doch mit der Zeit wurden wir besser, und nach etwa 2 Stunden fuhren wir beide Hand in Hand im schnellen Slalom durch die Massen. Nicht unbedingt elegant, aber immerhin, ohne hin zu fallen. Doch dann, ausgerechnet in der letzten Runde, hat es mich doch noch erwischt. Mit vollem Karacho flog ich vorwärts auf das Eis, auf dem sich mittlerweile eine dicke Wasserschicht gebildet hatte. Mein T-Shirt und meine Hose waren komplett durchnässt. Zum Glück war dies meine Schnell-Trocken-Kleidung, und eine halbe Stunde draußen in der Wärme genügte, um wieder trocken zu werden. Hye-Suk und mir hat es aber trotzdem sehr gut gefallen. Auch die Schlittschuhbahn in dem riesigen Gebäude war sehr interessant gestaltet. Umgeben war sie von 3 Stockwerken, und ganz oben fuhren Märchenzüge und Ballons kreisten an der Decke herum. Interessant fand ich, dass in Korea Schuhgrößen in Millimetern angegeben werden. Zum Glück hatten die eine Umrechnungstabelle zur Hand.

Hangang, ich, U-Bahn Linie 2
Abends gingen wir zum Hangang, dem breiten Fluss, der Seoul in der Mitte teilt. Er ist viel breiter als andere Stadtflüsse wie die Themse oder die Seine, und wird von extrem vielen Brücken überspannt. Deshalb hatte Hye-Suk gemeint, dass sie sich die Tower Bridge in London größer vorgestellt hatte.

Dies war mein letzter Tag in Seoul. Eigentlich hätte ich gerne noch ein paar andere Orte innerhalb der Stadt gesehen, aber ich kann ja wieder mal hier her kommen, und dann muss es auch noch was Interessantes zu sehen geben.

Hye-Suks Freundin
Heute, am Sonntag, blieben wir in Incheon. Am Mittag trafen wir uns mit einer ihrer Freundinnen, die ihren Freund mitbrachte, auf einen Kaffee. Es war sehr schön und interessant, mal jemanden aus Hye-Suks Umfeld zu sehen, denn sie selbst ist kein Typ, der viel Zeit mit Freunden verbringt. Ich hatte sie schon überzeugen müssen, das sie ihre Freundinnen ruhig anrufen könne. Die andere musste leider absagen, weil hier in Korea immer alle sehr "busy" seien. Und zur Verabredung kamen sie 40 Minuten zu spät. Hye-Suk meinte, das sei bei den meisten hier normal.

Der Freund von Hye-Suks Freundin arbeitet bei Samsung und hat mir erzählt, dass er pro Jahr 3 Wochen Urlaub hat, und davon höchstens 5 Tage am Stück nehmen könne. Zudem arbeitet er in einer Stadt zwei Stunden von Incheon entfernt, wo seine Freundin als Lehrerin arbeitet. Da sie am Wochenende noch privat Schüler unterrichtet, mussten uns die beiden auch schon nach knapp zwei Stunden wieder verlassen.

Danach war Hye-Suk, obwohl sie noch einige Tage zuvor dagegen war, plötzlich dafür, in einen Noraebang zu gehen. Na endlich! Das ist
Singen im Noraebang
nämlich auch eines der typisch koreanischen Dinge, die man einfach gemacht haben muss. Noraebangs gibt es wie PC-Bangs an jeder Ecke. Für rund 15000 Won pro Stunde mietet man sich einen Raum, wo man dann mit zwei Mikrofonen lautstark Karaoke singen kann. Songs gab es jede Menge. Das Auswahlbuch war 5 cm dick. Hauptsächlich koreanische Lieder waren darin zu finden, aber auch einige Tausend Englische und nochmal so viele Japanische.

Hähnchen-Galbi (Ttakgalbi)
Das Singen war dann auch sehr lustig, auch wenn keiner von uns es wirklich konnte. Nur hatte die Fernbedienung der Anlage so viele koreanisch beschriftete Funktionen, dass nicht mal Hye-Suk herausfand, wie man die Musik etwas leiser und die Mikrofone etwas lauter regeln konnte. Die Songtexte wurden auf zwei Monitoren in der Wand dargestellt, hinterlegt von Bildern aus koreanischen Musikvideos oder Filmen.

Arbeiterstreik: Sitzen und Singen
Hinter gingen wir etwas shoppen (hier in Korea gibt es kein Ladenschlussgesetz, und somit gehts hier am Sonntag nicht anders zu als am Samstag) und ich kaufte mir zwei koreanische Kinderbücher für die 1. Klasse, das eine eine Version von Grimms Märchen. Mal sehen, ob ich das irgendwie auf die Reihe kriege. Spannend war ein Arbeiterstreik vor einem Modeladen. Entlassene Mitarbeiter saßen friedlich vor den Eingängen, einige mit Hitzeschildern, andere mit Bändern um den Kopf, einer hielt eine Rede mit Mikrofon, andere verteilten Flugblätter. Und dann ging plötzlich ein gemeinsames Singen los. Kein Kreischen oder Gröhlen, wie man das von unseren Streiks so kennt. Die hockten einfach da und sangen im Chor. Die Polizei war auch nicht weit entfernt. In einer großen Gruppe standen sie dicht zusammen etwa dreißig Meter entfernt und waren bereit, sollte es zu Ausschreitungen kommen, was hier aber wohl kaum zu befürchten war.

Der Abschied von Hye-Suk war recht traurig, da ich sie lange Zeit nicht mehr sehen werde und diese beiden letzten Tage mit ihr sehr schön gewesen waren.

Abschiedsfoto
Morgen um 12 Uhr muss ich am Flughafen sein. Um kurz vor Zwei geht meine Maschine nach Paris und von dort weiter nach Frankfurt, wo ich 3 Stunden lang auf meinen Zug nach Basel warten muss, wo ich um 6 Uhr morgens am Dienstag total erschöpft eintreffen werden. Es waren sehr schöne und ereignisreiche 4 Wochen, die ich nie vergessen werde. Ich freue mich schon darauf, euch alle wieder zu sehen, aber nicht unbedingt darauf, wieder deutsches Essen essen zu müssen - schon gar nicht, wenn ich es selbst kochen muss. Auch wird es erholsam sein, wieder jeden Tag frische Unterwäsche anziehen zu können ;-).

Ich danke allen, die tapfer alles durchgelesen und oftmals einen Kommentar hinterlegt haben. So kam ich mir selbst in den Zeiten, wo ich tagelang alleine unterwegs war, nicht ganz so alleine vor.

Nun sollte ich ins Bett gehen, um morgen fit zu sein. Die restlichen Fotos von Dingen, die mir hier aufgefallen sind, hänge ich einfach noch unter diesem Eintrag an.

Bis bald!

Partnerlook ist sehr beliebt bei jungen Paaren

Zikaden - extrem laute Viecher

Eumel an manchen Autos: Möglicherweise eine Antenne

Verschiedene Hölzer auf dem Markt

Die Post ist rot

Feuerwehr (rot) und Ambulanz (grün) im Seongnisan-Park
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Freitag, 6. Juli 2007

Joint Security Area

Geschrieben von Jens in Korea 2007 um 01:43
JSA & Panmunjeom an der Grenze
Wegen übler, harter Kissen in dem kleinen Motel hatte ich schlecht geschlafen, außerdem wollte ich unter keinen Umständen verschlafen, weil ich am Donnerstag Morgen um halb Sieben zur USO gehen musste, die zum Glück nicht weit entfernt war.

Eingang zur USO
Die "United Services Organization" (USO) ist so eine Art US-Truppen-Unterstützungs-Organisation. Sehr patriotisch. In dem Gebäude gab es zahlreiche bequeme Sessel, in denen ganz typische Amerikaner saßen, teilweise solche, denen man ihre Militärvergangenheit ansehen konnte. Kurz geschnittene Haare, muskulöse Oberkörper, entsprechende Kleidung. Ein riesiger 1,50m-Fernseher zeigte patriotisch amerikanisches Fernsehen. Auf dem Tisch lagen die "Air Force Times" und das "Soldiers"-Magazin. Überall im Raum war zu sehen, wie das Militär hochgejubelt wurde.

Viel Stacheldraht an der Küste in Richtung Norden
Außer mir waren noch ca. 80-90 andere Wessis da, die meisten davon aus den USA. Darunter aber auch ein paar aus Südamerika, ein Finne, zwei Jungs von den Phillipinen, eine Frau aus Polen, und mehrere aus Großbritannien. Die kleine Koreanerin am Schalter war etwas verwirrt, als sie meinen Pass sah, und fragte: "Are you Dutch?" -- Deutsche sind wohl eher die Ausnahme auf dieser Tour.

Mit zwei voll gepackten Bussen fuhren wir auf dem Highway entlang der Küste in Richtung Norden. Auf dem Weg sieht man viel Stacheldraht und einige Wachtürme. Als wir wenige Kilometer vor der Grenze über eine Brücke fuhren, wurden wir angewiesen, von nun an nur noch Fotos schießen zu dürfen, wenn dies uns erlaubt würde.

Freedom House
Die erste Station war Camp Bonifaz, ein Militärstützpunkt "vor allen anderen" ("in front of them all"), in dem sich allerdings nur noch wenige US-Amerikaner aufhalten. Diese wurden in den letzten Jahren weiter in den Süden abgezogen. Auf dem Stützpunkt gibt es demnach hauptsächlich südkoreanische Soldaten. In einem kleinen Raum erhielten wir eine Übersicht über die Entwicklung des Koreakrieges, die jetzige Situation und über die Orte, die wir sehen würden.

Wenn ich da durch rannte, würde ich erschossen (von beiden Seiten)
Nach dem Wechseln des Buses fuhren wir zu dem einzigen Punkt an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea, wo sich Soldaten beier Seiten quasi Auge in Auge gegenüber stehen. Dort fanden früher Friedensverhandlungen statt. Die Südkoreaner haben gar 1990 ein modernes Gebäude ("Freedom House") gebaut, welches aber nie benutzt wurde, weil die Nordkoreaner immer noch jegliche Verhandlungen über eine Wiedervereinigung ablehnen.

Oben in der Mitte steht der böse Koreaner
Uns wurde eingeschärft, keine Gesten zu machen wie Winken oder irgendwo hin zu zeigen, wenn uns Nordkorea beobachten konnte. Die Nordkoreaner könnten mit Teleobjektiven Fotos schießen, diese in ihren Zeitungen abdrucken und darunter schreiben: "Seht her, wie die Amerikaner unser Land bewundern!" -- außerdem könnte ein Nordkoreaner entsprechende Gesten als feindselig interpretieren und entsprechend... handeln. Man wollte ja nicht als Auslöser des 3. Weltkriegs gelten, deshalb hielt man sich brav an die Vorgaben.

Abhörmikrofone auf dem Tisch
Der Blick von der südkoreanischen zur nordkoreanischen Seite war dann auch genau so, wie ich das schon in einem Film und auf zahlreichen Fotos gesehen hatte. Ich hätte nicht gedacht, dass man dies fotografieren durfte. Mehrere blaue UN-Gebäude, in denen sich nur ein paar Stühle und Tische befinden, liegen direkt auf der Grenzlinie. Vordertür Südkorea, Hintertür Nordkorea. In diesem Gebäude konnte man also tatsächlich die Grenze für etwa 5 Meter überqueren.

Die südkoreanische Version des britischen Beefeaters
Der südkoreanische Soldat, der uns herumführte, machte einige Witze über die Nordkoreaner. Den Soldat, der auf der Treppe herum stand, nannte er "KP Bill", einen anderen hinter dem Fenster "KP Bob". Und später, als wir einen auf einem Wachturm sahen, nannte er diesen "KP Chuck". Trotz der Fröhlichkeit innerhalb der Gruppe und dem obligatorischen Fotografieren war dieser Ort dennoch ein wenig furchteinflößend. So nahe an einer der gefährlichsten Nationen unseres Erdballs zu stehen, rief einem in Erinnerung, wie unmöglich es scheint, Nord- und Südkorea eines Tages zu vereinen. Der Süden lebt in Saus und Braus, und im Norden verhungern die Menschen. Angesichts der Tatsache, dass die einzige Stärke Nordkoreas in deren Militär liegt (Männer und Frauen müssen durchschnittlich 10 Jahre Militärdienst leisten), wird es wahrscheinlich irgendwann zum großen Knall kommen.

Im blauen UN-Gebäude selbst, das auf der Grenzlinie liegt, standen zwei südkoreanische Militärpolizisten in Taekwando-Haltung Wache. Die sehen ja schon recht lustig aus mit ihren riesigen Sonnenbrillen. Quasi die südkoreanische Variante des britischen Beefeaters. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass die Bedrohungslage um den Beefeater herum hauptsächlich aus kleinen Kindern besteht, die ihn begrapschen, oder aus Vögeln, die auf seinem Hut nisten wollen, anstatt aus der Aussicht, ein Heer aus 2 Millionen verzweifelten Nordkoreanern abwehren zu müssen, sollte es irgendwann zum Krieg kommen.

Auf den Tischen in diesen Gebäuden sind zwei Mikrofone eingelassen, mit denen beide Seiten jegliche Konversation mitverfolgen können. Zu Besuch hier waren bereits die berühmtesten Staatschefs dieser Welt. Außerdem werden in zahlreichen Touren über 900 Leute pro Tag hier durchgeschleift.

Größter Flaggenmast der Welt im nordkoreanischen Geisterdorf. Scheiß Wetter!
Von diesem Ort aus - das beste auf der Tour - ging es weiter zu einem Aussichtspunkt, von wo aus man bei besserem Wetter einiges von Nordkorea hätte sehen können, u.a. das Propaganda-Dorf Gijong, in dem keine Menschen mehr leben, aber das durch zwei Merkmale heraussticht: Zum einen gibt es dort riesige Lautsprecher, die nordkoreanische Parolen verkünden. Zum anderen steht dort der höchste Flaggenmast der Welt (160m) mit einer über 30 Meter langen nordkoreanischen Fahne. Damit diese mit 300 kg Gewicht aber nicht nur herunterhängt, sondern im Wind weht, bedarf es wohl einem Orkan. Denn, wie der Südkoreaner erzählte, hat er noch nie gesehen, wie sie herunter genommen wurde.

Hier bei besserem Wetter, Bild aus Wikipedia
Auf südkoreanischer Seite gibt es ebenfalls ein Dorf, das "Freedom Village" Daesong. Die Menschen dort haben hohe steuerfreie Einkommen, müssen aber bei Einbruch der Nacht in ihren Häusern sein und damit leben, dass sie beim Arbeiten auf den Farmen von Soldaten bewacht werden.

Umgebungseinweisung. Da hinten ist Nordkorea.
Danach gingen wir essen in einem koreanischen Restaurant. Zur Auswahl standen Bulgogi oder Bibimbap. Das lustigste an der Sache war, wie die Amerikaner ihr Bibimbap verspeisten. Es hatte den Anschein, als ob viele von ihnen noch nie in ihrem Leben Bibimbap gegessen hatten, obwohl es eines der wenigen "überall verfügbar"-Gerichte ist, und man kaum drum herum kommt, wenn man hier ein paar Tage verbringt. Mit Sicherheit waren die Leute hier schon länger, aber vielleicht haben sie tatsächlich nur bei McDonalds und PizzaHut gegessen? Anders kann ich es mir echt nicht erklären, dass sie den Reis nicht in die Schüssel mit dem Ei und dem Gemüse schütteten, um alles zu vermixen, sondern versuchten, alles einzeln mit den Stäbchen zu essen. Ein paar wenige habe ich darauf aufmerksam gemacht, und auch darauf, dass sie ruhig den Löffel benutzen dürften, um den Reis zu essen... ;-)

Dora-Observatory
Nach dem Essen fuhren wir zum Dora-Observatorium, wo wir zunächst wieder eine Einweisung bekamen, und danach raus auf die Beobachtungsplattform gehen durften, um Nordkorea zu beobachten. Das war jedoch nicht sonderlich toll, da dichter Nebel jegliche Sicht versperrte. Gerade mal ein oder zwei Wachtürme und der "Unification Highway" (eine bisher nicht benutzte Straße, die beide Nationen verbindet) waren zu sehen. Und der neu von den Südkoreanern gebaute Bahnhof, der in Zukunft eine Zugstrecke in den Norden bedienen soll. Dort oben durfte man Fotos nur hinter einer auf den Boden gemalten Linie machen, von der aus man nur die Teleskope, aber kein bißchen vom Land dahinter sehen konnte. Und dieses Verbot wurde rigoros durchgesetzt: Wenn einer sich nicht daran hielt, kam gleich ein Soldat anmarschiert und ließ ihn das Foto löschen.

Viele Amis beim Observieren des Feindes
Der weitere Weg führte uns an der "Brücke ohne Wiederkehr" vorbei, die so heißt, weil sie nach dem Krieg dazu benutzt wurde, um Gefangene auszutauschen. Neben dem südkoreanischen Thriller "JSA" ist sie ist im übrigen auch Schauplatz im James Bond-Film "Stirb an einem anderen Tag" (Die Another Day), in dem Bond aus nordkoreanischer Haft entlassen wird. Natürlich jeweils nicht am Originalschauplatz gefilmt.

Die Brücke ohne Wiederkehr ("Bridge of no Return")
Vom Observatorium aus fuhren wir zur letzten Station der Tour: Dem 3. Infiltrationstunnel, der 1978 entdeckt wurde. Die Nordkoreaner hatten in der Vergangenheit immer wieder versucht, Tunnel unter der demilitarisierten Zone hindurch zu graben, um unbemerkt Truppen in den Süden schicken zu können. Der Fund des 3. Tunnels damals hatte die Nation ziemlich aufgeschreckt, weil er 2 Meter breit und hoch ist, und somit ca. 30.000 leicht bewaffnete Soldaten innerhalb einer Stunde hindurch marschieren konnten. Der Tunnel selbst ist 1635 Meter lang, und wurde in ca. 70 Metern Tiefe aus dem Granitfelsen heraus gesprengt. Er wurde wie alle anderen Tunnel gefunden, bevor er verwendet werden konnte. Dieses Mal mit Hilfe eines nordkoreanischen Überläufers.

3. Infiltrationstunnel (Bild aus Internet)
Zu besichtigen waren rund 260 Meter des Tunnels. Die Wände waren teilweise noch schwarz, weil die Nordkoreaner bei dessen Bau Kohle auf dem Granit verrieben hatten, um später zu behaupten, dies sei ein alter Bergwerksstollen... (wo es dummerweise gar keine Kohle gibt).

Denkmal für das zerrissene Korea
Auf der Rückfahrt nach Seoul redete ich noch eine Weile mit einem Jungen von den Phillipinen, der mit seinem Freund auf Asienreise war. Da Englisch in seinem Land zweite Amtssprache ist, stellte sich seines auch als sehr gut heraus. Er erzählte, wie er "aus Sicherheitsgründen" (sollte sich die Lage in seinem Land, was jederzeit passieren kann, zum Schlechten wenden) ein Aufenthaltsvisum in Kanada beantragt hatte. Und auch sonst war das Gespräch sehr interessant. Genau wie der Tag.

So viele "Fremde" wie heute hatte ich schon lange nicht mehr gesehen. Irgendwie war es seltsam. Innerhalb dieser Horde aus Amis fühlte ich mich fremder und unwohler als alleine in einer ganzen Stadt aus Südkoreanern. Hier war mal wieder deutlich zu sehen, wie sich "Extrem-West" und "Extrem-Ost" unterscheiden, von der Art her, dem Kleidungsstil, dem Benehmen, dem Sprachstil. Wenn ich mich für eine Seite entscheiden müsste, würde ich eher zu den Koreanern als zu den Amis gehen. Schon allein (aber nicht nur) des Essens wegen ;-).
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