Montag, 17. Oktober 2011
Arusha
Heute bin ich in Arusha gelandet, einer etwas größeren und chaotischeren Stadt. Es ist völlig verrückt. So viele Leute auf den Strassen, überall Autos, überall Verkaeufer, die seeeehr nervig sein können.
Schon in Moshi hat mich ein junger Souvenir-Verkäufer, der sein Lager direkt gegenüber dem Hotel aufgeschlagen hat, mehrmals verfolgt, bevor ich mich von ihm überreden ließ, das Zeug in seinem Shop zumindest mal anzuschauen. Er folgte mir gar bis vors Internet-Cafe und war nach einer Stunde, als ich wieder raus kam, immer noch da. Ich wollte eigentlich nichts kaufen, schon gar nicht für so ein Heidengeld. Naja, er wird sich gefreut haben. Immerhin hat er mir zum Dank noch gezeigt, wo der Bus nach Arusha losfährt. Die Busstationen hier sind chaotischer als irgendwo sonst auf der Welt. Und wenn man als Ausländer aus- oder einsteigt, wird man ständig von Typen belagert, die einem ein Taxi, ein Hotel oder ne Safari andrehen wollen. Mann.
Im Bus nach Arusha sitzt ein 13jähriger Junge neben mir, mit dem ich mich ein wenig anfreunde. Er will mal Pilot werden und erklärt mir gründlichst, welche Schulen er noch besuchen will. Ich bitte ihn, mich gleich nach der Ankunft zu einem Taxi zu bringen, weil ich sonst wieder ewig in der Gegend herumirren würde, umlagert von zehn bis zwanzig aufdringlichen Mzungu-Ausquetschern.
Der Junge hat nach der Ankunft plötzlich einen nett wirkenden Taxifahrer an der Hand, bei dem ich mal einsteige. Er bringt mich in das Lutherische Gästehaus, das mir von Philipp empfohlen wurde. Die Angestellten dort scheinen wenig begeistert zu sein, mich aufzunehmen. Zuerst zeigen sie mir ein Zimmer mit Bad für 35000 Schilling. Das ist mir aber viel zu teuer. Nach etwas Drängen kriege ich ein einfaches Zimmer mit geteilten Toiletten für 15000 Schilling (ca. 8 Euro).
Der nette Taxifahrer arbeitet natürlich auch für einen Safari-Anbieter und bietet mir an, zumindest mal vorbei zu schauen. Tue ich, da ich eh vergleichen will. Er bietet mir eine zweitägige Camping-Safari mit Abfahrt heute Abend an für insgesamt 300 Dollar. Auch wenns hoch klingt: Das ist verrückterweise ein normaler Preis für die einfachsten Safaris. 100 Dollar pro Tag ist Minimum, die meisten kosten zwischen 100 und 200 Dollar. Da ich wenig Lust habe, mich noch weiter durch diese chaotische Stadt zu kämpfen, schlage ich zu.
Der freundliche Taxifahrer bringt mich auch nochmal zurück zum Hotel, um mein Gepäck wieder zu holen, weil ich das Zimmer ja nun doch nicht brauche, bzw. erst zwei Tage später. Dann bringt er mich und Abdallah zu nem Restaurant. Und für die ganze Rumfahrerei will er 35000 Schilling haben. Fuck! Das ist das Problem, wenn jemand so "freundlich" ist. Irgendwann wollen sie alle Geld. Vorhin wollte einer von mir 5000 Schilling "für ne Cola" haben, weil er mir einen Geldautomaten gezeigt hat. Yeah. Ich hab ihm 1000 gegeben, damit er abzischt.
Bald darauf bin ich wieder bei den Safari-Typen, weil mein Auto abfahren soll. Dummerweise ist die Gruppe, zu der ich dazustoßen sollte, nun plötzlich zu voll. Also bietet mir der Typ an, mir eine Übernachtung im Hotel zu zahlen. Die Safari geht dann morgen los. Waaaah.
Im Hotel komme ich dann plötzlich ins nächste Büro zu nem Kerl, der diversen afrikanischen Diktatoren nicht unähnlich sieht. Da die meisten Safaris mindestens 3 Tage dauern und es umständlich wäre, mich am zweiten Tag wieder zurück zu bringen, bietet er mir an, für "nur" 100 Dollar mehr noch um einen Tag zu verlängern. Und er bietet mir noch eine Übernachtung in seinem Hotel an, also insgesamt zwei.
Das alles macht zwar teilweise einen sehr seltsamen Eindruck auf mich, vor allem, weil ich ja gewarnt bin vor unseriösen Safari-Anbietern. Allerdings war ich im Büro, das ganz offiziell aussah. Ich habe das Auto gesehen mit den Lizenzen an der Windschutzscheibe. Und die haben mir genau erzählt, wer morgen noch mit dabei sein soll: Ein Paar aus Chile und ein Paar aus Frankreich. Das Chile-Pärchen bezahlt 180 Euro, das Frankreich-Pärchen 150 Euro. Angeblich.
Hoffentlich habe ich da keinen Scheiß gemacht. Wenns gut läuft, gehe ich morgen drei Tage auf Safari für 400 Dollar. Das wäre ein ganz guter Preis. Wenns schief geht, taucht das Auto nicht auf. Aber dann mach ich Terz bei denen im Büro. Man muss bei allen im Voraus bezahlen, von daher hoffe ich mal auf das beste.
Mann ey. Eigentlich wollte ich ja verschiedene Anbieter vergleichen. Aber die waren tatsächlich sehr überzeugend. Shit. Das ist echt übel hier in Tansania. Man kann sich kaum retten vor den Kerlen, wenn man nicht gerade sau-unfreundlich wird. So unfreundlich werden kann ich gar nicht.
Möglicherweise war das sogar ein großer Betrug, der mit dem kleinen Kerl losging, den ich "zufällig" im Bus getroffen habe. Sodass alles seriös und gut aussieht. Der Kleine hat mir sogar angeboten, mich bei ihm zu melden, wenn was schiefläuft, da seine Eltern im Nationalpark arbeiten.
Schaun wir mal. Ich sollte nicht zu misstrauisch sein. Wenn das tatsächlich ein Betrug war, gibts hier morgen einen "Ich hasse mich selbst, weil ich so blöd bin"-Eintrag.
Schon in Moshi hat mich ein junger Souvenir-Verkäufer, der sein Lager direkt gegenüber dem Hotel aufgeschlagen hat, mehrmals verfolgt, bevor ich mich von ihm überreden ließ, das Zeug in seinem Shop zumindest mal anzuschauen. Er folgte mir gar bis vors Internet-Cafe und war nach einer Stunde, als ich wieder raus kam, immer noch da. Ich wollte eigentlich nichts kaufen, schon gar nicht für so ein Heidengeld. Naja, er wird sich gefreut haben. Immerhin hat er mir zum Dank noch gezeigt, wo der Bus nach Arusha losfährt. Die Busstationen hier sind chaotischer als irgendwo sonst auf der Welt. Und wenn man als Ausländer aus- oder einsteigt, wird man ständig von Typen belagert, die einem ein Taxi, ein Hotel oder ne Safari andrehen wollen. Mann.
Im Bus nach Arusha sitzt ein 13jähriger Junge neben mir, mit dem ich mich ein wenig anfreunde. Er will mal Pilot werden und erklärt mir gründlichst, welche Schulen er noch besuchen will. Ich bitte ihn, mich gleich nach der Ankunft zu einem Taxi zu bringen, weil ich sonst wieder ewig in der Gegend herumirren würde, umlagert von zehn bis zwanzig aufdringlichen Mzungu-Ausquetschern.
Der Junge hat nach der Ankunft plötzlich einen nett wirkenden Taxifahrer an der Hand, bei dem ich mal einsteige. Er bringt mich in das Lutherische Gästehaus, das mir von Philipp empfohlen wurde. Die Angestellten dort scheinen wenig begeistert zu sein, mich aufzunehmen. Zuerst zeigen sie mir ein Zimmer mit Bad für 35000 Schilling. Das ist mir aber viel zu teuer. Nach etwas Drängen kriege ich ein einfaches Zimmer mit geteilten Toiletten für 15000 Schilling (ca. 8 Euro).
Der nette Taxifahrer arbeitet natürlich auch für einen Safari-Anbieter und bietet mir an, zumindest mal vorbei zu schauen. Tue ich, da ich eh vergleichen will. Er bietet mir eine zweitägige Camping-Safari mit Abfahrt heute Abend an für insgesamt 300 Dollar. Auch wenns hoch klingt: Das ist verrückterweise ein normaler Preis für die einfachsten Safaris. 100 Dollar pro Tag ist Minimum, die meisten kosten zwischen 100 und 200 Dollar. Da ich wenig Lust habe, mich noch weiter durch diese chaotische Stadt zu kämpfen, schlage ich zu.
Der freundliche Taxifahrer bringt mich auch nochmal zurück zum Hotel, um mein Gepäck wieder zu holen, weil ich das Zimmer ja nun doch nicht brauche, bzw. erst zwei Tage später. Dann bringt er mich und Abdallah zu nem Restaurant. Und für die ganze Rumfahrerei will er 35000 Schilling haben. Fuck! Das ist das Problem, wenn jemand so "freundlich" ist. Irgendwann wollen sie alle Geld. Vorhin wollte einer von mir 5000 Schilling "für ne Cola" haben, weil er mir einen Geldautomaten gezeigt hat. Yeah. Ich hab ihm 1000 gegeben, damit er abzischt.
Bald darauf bin ich wieder bei den Safari-Typen, weil mein Auto abfahren soll. Dummerweise ist die Gruppe, zu der ich dazustoßen sollte, nun plötzlich zu voll. Also bietet mir der Typ an, mir eine Übernachtung im Hotel zu zahlen. Die Safari geht dann morgen los. Waaaah.
Im Hotel komme ich dann plötzlich ins nächste Büro zu nem Kerl, der diversen afrikanischen Diktatoren nicht unähnlich sieht. Da die meisten Safaris mindestens 3 Tage dauern und es umständlich wäre, mich am zweiten Tag wieder zurück zu bringen, bietet er mir an, für "nur" 100 Dollar mehr noch um einen Tag zu verlängern. Und er bietet mir noch eine Übernachtung in seinem Hotel an, also insgesamt zwei.
Das alles macht zwar teilweise einen sehr seltsamen Eindruck auf mich, vor allem, weil ich ja gewarnt bin vor unseriösen Safari-Anbietern. Allerdings war ich im Büro, das ganz offiziell aussah. Ich habe das Auto gesehen mit den Lizenzen an der Windschutzscheibe. Und die haben mir genau erzählt, wer morgen noch mit dabei sein soll: Ein Paar aus Chile und ein Paar aus Frankreich. Das Chile-Pärchen bezahlt 180 Euro, das Frankreich-Pärchen 150 Euro. Angeblich.
Hoffentlich habe ich da keinen Scheiß gemacht. Wenns gut läuft, gehe ich morgen drei Tage auf Safari für 400 Dollar. Das wäre ein ganz guter Preis. Wenns schief geht, taucht das Auto nicht auf. Aber dann mach ich Terz bei denen im Büro. Man muss bei allen im Voraus bezahlen, von daher hoffe ich mal auf das beste.
Mann ey. Eigentlich wollte ich ja verschiedene Anbieter vergleichen. Aber die waren tatsächlich sehr überzeugend. Shit. Das ist echt übel hier in Tansania. Man kann sich kaum retten vor den Kerlen, wenn man nicht gerade sau-unfreundlich wird. So unfreundlich werden kann ich gar nicht.
Möglicherweise war das sogar ein großer Betrug, der mit dem kleinen Kerl losging, den ich "zufällig" im Bus getroffen habe. Sodass alles seriös und gut aussieht. Der Kleine hat mir sogar angeboten, mich bei ihm zu melden, wenn was schiefläuft, da seine Eltern im Nationalpark arbeiten.
Schaun wir mal. Ich sollte nicht zu misstrauisch sein. Wenn das tatsächlich ein Betrug war, gibts hier morgen einen "Ich hasse mich selbst, weil ich so blöd bin"-Eintrag.
Sonntag, 16. Oktober 2011
Tag 6 - Abstieg
11 km, 1600 Höhenmeter Abstieg
Bitte chronologisch lesen. Hier gehts zum ersten Eintrag.
Heute ist der Abstiegstag. Ich kann saugut schlafen auf 3000 Metern, wache nur zweimal auf. Das ist Rekord. Langsam gewöhne ich mich ans Zeltschlafen, aber nun habe ich auch genug. Es regnet mal wieder die ganze Zeit. Alles ist matschig. Alles ist feucht. Ich will nur noch zurück ins Hotel und mich in frische Klamotten schmeißen.
Nach dem Frühstück folgt die feierliche Trinkgeldübergabe. Da die armen Leute hier von den Touranbietern nicht gut genug bezahlt werden, wird ein ordentliches Trinkgeld erwartet. Insgesamt bekommt ein Träger rund 7 Dollar pro Tag. Ein Führer bekommt über 10 Dollar. Insgesamt kommen wir damit bei 12 Helfern (Führer, Köche, Träger) auf rund 540 Dollar Trinkgeld, das wir uns durch drei teilen.
Die Abstiegsroute ist ziemlich langweilig und geradlinig. Es geht nochmal rund 10 km durch den feuchten Regenwald, wir überwinden die letzten 1500 Höhenmeter zum Mweka-Gate. Dort angekommen schmerzen meine Füße, wir checken aus, und fahren schließlich zurück ins Hotel. Meine Mitstreiter bekommen noch ein offizielles Zertifikat, dass sie es bis zum Gipfel geschafft haben. Ich bekomme nichts.
Ich sitze im Hotel und das Internet, das man hier noch relativ teuer bezahlen muss, funktioniert nicht. Da die Wäscherinnen nach Hause gegangen sind, muss ich meine stinkende Kili-Kleidung selbst waschen. Ich laufe ein wenig durch die Stadt, kaufe ein bisschen Wasser und ein paar Kekse in einem "Supermarkt" auf 6 Quadratmetern, der bis oben hin voll gestopft ist. Ich habe mich nicht getraut, die Cookies aus einem der drei Meter hohen Stapel zu ziehen, weil ich damit vermutlich alles zum Einsturz gebracht hätte.
Aufgrund Philipps Insidertips habe ich mich entschlossen, meine Route zu ändern. Statt mitten ins Land Richtung Süden zu fahren, werde ich wohl auf der Haupt-Touristen-Route bleiben. Wenn ich im südlichen Ruaha Nationalpark eine Safari machen will, muss ich möglicherweise, weil ich der einzige bin, alles selbst bezahlen - also Auto, Guide, Übernachtung, Nationalparkeintritt. Und das käme dann auf über 200 Dollar pro Tag. Im Norden habe ich vielleicht die Chance, irgendwo zu einer bestehenden Gruppe dazu zu stoßen, sodass ich mit "nur" 100 Dollar auskommen könnte. Das ist doch verrückt! Eine längere Safari zu machen ist wirklich nur was für die Elite dieser Welt.
Nun verdaue ich meine Eindrücke der Kili-Tour. Es war verrückt und hart, aber rückblickend auch richtig geil. Es nervt mich, dass mich die Höhenkrankheit erwischt hat, aber ich weiß, dass das nicht an fehlender Vorbereitung oder mangelnder Kondition liegt. Deshalb kann ich damit ganz gut leben. Ich habe den Gipfel gesehen, es geht mir wieder gut, und das Abenteuer ist noch nicht zuende.
Am Abend essen wir noch einmal gemeinsam in einem Restaurant in Moshi, dem "Salzburger Steak House". Die Bedienungen haben Mützen und Röcke mit Leopardenfelldekor. Überall hängen Bilder und Andenken an Österreich herum, gemischt mit einem Faible für Volkswagen, genauer den VW Käfer. So bestehen die Rückenlehnen der Barhocker aus Käfer-Radkappen. Der Chef kommt später ins Restaurant und erzählt uns seine gesamte Lebensgeschichte. Wie er über ein Stipendium nach Österreich kam und dort in einer Hotelfachschule lernte. Wie er unwissend Sauerkraut bestellte und dachte, es sei Fisch. Wie sein Kollege aus Sansibar, ein Muslim, entsetzt darüber war, dass der Koch, der Hühnchen zubereitet, auch Schwein zuberereitet. Und wie er gesehen hat, wie fleißig die Österreicher waren, im Gegensatz zu seinen Landsleuten, bei denen alles "pole pole" (langsam, langsam) vorangeht. In seinem Restaurant sind demnach alle auf Zack. Er gibt uns seine in Word gestaltete Visitenkarte. Seine E-Mail-Adresse ist volkssalzburger@yahoo.com
Bitte chronologisch lesen. Hier gehts zum ersten Eintrag.
Heute ist der Abstiegstag. Ich kann saugut schlafen auf 3000 Metern, wache nur zweimal auf. Das ist Rekord. Langsam gewöhne ich mich ans Zeltschlafen, aber nun habe ich auch genug. Es regnet mal wieder die ganze Zeit. Alles ist matschig. Alles ist feucht. Ich will nur noch zurück ins Hotel und mich in frische Klamotten schmeißen.
Nach dem Frühstück folgt die feierliche Trinkgeldübergabe. Da die armen Leute hier von den Touranbietern nicht gut genug bezahlt werden, wird ein ordentliches Trinkgeld erwartet. Insgesamt bekommt ein Träger rund 7 Dollar pro Tag. Ein Führer bekommt über 10 Dollar. Insgesamt kommen wir damit bei 12 Helfern (Führer, Köche, Träger) auf rund 540 Dollar Trinkgeld, das wir uns durch drei teilen.
Die Abstiegsroute ist ziemlich langweilig und geradlinig. Es geht nochmal rund 10 km durch den feuchten Regenwald, wir überwinden die letzten 1500 Höhenmeter zum Mweka-Gate. Dort angekommen schmerzen meine Füße, wir checken aus, und fahren schließlich zurück ins Hotel. Meine Mitstreiter bekommen noch ein offizielles Zertifikat, dass sie es bis zum Gipfel geschafft haben. Ich bekomme nichts.
Ich sitze im Hotel und das Internet, das man hier noch relativ teuer bezahlen muss, funktioniert nicht. Da die Wäscherinnen nach Hause gegangen sind, muss ich meine stinkende Kili-Kleidung selbst waschen. Ich laufe ein wenig durch die Stadt, kaufe ein bisschen Wasser und ein paar Kekse in einem "Supermarkt" auf 6 Quadratmetern, der bis oben hin voll gestopft ist. Ich habe mich nicht getraut, die Cookies aus einem der drei Meter hohen Stapel zu ziehen, weil ich damit vermutlich alles zum Einsturz gebracht hätte.
Aufgrund Philipps Insidertips habe ich mich entschlossen, meine Route zu ändern. Statt mitten ins Land Richtung Süden zu fahren, werde ich wohl auf der Haupt-Touristen-Route bleiben. Wenn ich im südlichen Ruaha Nationalpark eine Safari machen will, muss ich möglicherweise, weil ich der einzige bin, alles selbst bezahlen - also Auto, Guide, Übernachtung, Nationalparkeintritt. Und das käme dann auf über 200 Dollar pro Tag. Im Norden habe ich vielleicht die Chance, irgendwo zu einer bestehenden Gruppe dazu zu stoßen, sodass ich mit "nur" 100 Dollar auskommen könnte. Das ist doch verrückt! Eine längere Safari zu machen ist wirklich nur was für die Elite dieser Welt.
Nun verdaue ich meine Eindrücke der Kili-Tour. Es war verrückt und hart, aber rückblickend auch richtig geil. Es nervt mich, dass mich die Höhenkrankheit erwischt hat, aber ich weiß, dass das nicht an fehlender Vorbereitung oder mangelnder Kondition liegt. Deshalb kann ich damit ganz gut leben. Ich habe den Gipfel gesehen, es geht mir wieder gut, und das Abenteuer ist noch nicht zuende.
Am Abend essen wir noch einmal gemeinsam in einem Restaurant in Moshi, dem "Salzburger Steak House". Die Bedienungen haben Mützen und Röcke mit Leopardenfelldekor. Überall hängen Bilder und Andenken an Österreich herum, gemischt mit einem Faible für Volkswagen, genauer den VW Käfer. So bestehen die Rückenlehnen der Barhocker aus Käfer-Radkappen. Der Chef kommt später ins Restaurant und erzählt uns seine gesamte Lebensgeschichte. Wie er über ein Stipendium nach Österreich kam und dort in einer Hotelfachschule lernte. Wie er unwissend Sauerkraut bestellte und dachte, es sei Fisch. Wie sein Kollege aus Sansibar, ein Muslim, entsetzt darüber war, dass der Koch, der Hühnchen zubereitet, auch Schwein zuberereitet. Und wie er gesehen hat, wie fleißig die Österreicher waren, im Gegensatz zu seinen Landsleuten, bei denen alles "pole pole" (langsam, langsam) vorangeht. In seinem Restaurant sind demnach alle auf Zack. Er gibt uns seine in Word gestaltete Visitenkarte. Seine E-Mail-Adresse ist volkssalzburger@yahoo.com
Samstag, 15. Oktober 2011
Tag 5 - Ernuechterung
6 km, 1400 Höhenmeter Abstieg
Bitte chronologisch lesen. Hier gehts zum ersten Eintrag.
Die ganze Nacht hindurch hoffe ich, dass sie bald zuende ist. Der Wind draußen wird so stark, dass das Zelt durchgeschüttelt wird. Das Liegen auf der Isolationsmatte wird mit jedem Tag anstrengender. Dank meiner Ohrenstöpsel kann ich das Getöse draußen halbwegs ausblenden und finde zwischendurch immer mal wieder ein paar Minuten Schlaf. Doch es ist ein Kampf. Manchmal frage ich mich, auf was ich mich da eingelassen habe. Und ich finde es verdammt schade, dass mir der Gipfeltraum verwehrt bleibt. Die Höhe ist ein Monster, das man erst einschätzen kann, wenn man ihm begegnet.
Morgens bringt mir unser Koch ein bisschen Tee und etwas Toast mit Ei. Meine Übelkeit ist immer noch da, ich kriege fast nichts herunter. Irgendwann kämpfe ich mich aus dem Zelt, und muss mir mit ansehen, wie der weiße Gipfel unter einem blauen Himmel liegt. Muss mir vorstellen, dass so viele Leute an diesem Morgen da oben stehen und die geniale Aussicht genießen. Es ist zum heulen.
Kurz vor meinem verfrühten Aufbrauch (die vom Gipfel kommenden kriegen noch zwei Stunden Pause) treffe ich Sebastian, mein Wanderpartner, der es in der Nacht bis nach oben geschafft hat. Er meint, es sei hart gewesen. Saukalt und windig. Aber all das habe sich gelohnt.
Ja. Tja.
Ich steige mit unserem Guide Robert wieder hinab von 4600 auf 3000 Meter. Langsam gehts mir wieder besser, meine Kopfschmerzen verschwinden, meine Übelkeit geht zurück. Wir gehen an einem Holländer vorbei, dessen Augen blutunterlaufen sind. Er hatte die Gipfelbesteigung zwar geschafft, aber nur mit einem Medikament gegen Hoehenkrankheit. Er sieht nicht gut aus. Ich unterhalte mich mit Robert ein bisschen über das Leben in Tansania und übe das Leben in Deutschland. Auch er hat als Träger angefangen und hat sich bis zum Führer hoch gearbeitet. Dennoch will er nach acht Jahren Kilimanjaro nun irgend etwas anderes machen. Er träumt davon, ein eigenes Tourismus-Büro zu eröffnen, und meint, dass man ihn auch direkt anheuern könnte, um auf den Berg zu gehen. Dann fielen die Spesen für die beiden zwischengelagerten Reiseanbieter weg.
Auf dem Weg nach unten ist es faszinierend, wie die Landschaft wächst. Nach dem Geröll folgen kleine Büsche, die immer größer werden, bis man schließlich in einem Wald ankommt. Und Wald bedeutet: Regen! Yeah. Ich sitze mal wieder im Zelt im Regen und versuche, meine Sachen irgendwie zu trocknen. Langsam stinkts mir. Zum Glück ist das die letzte Nacht im Zelt. Müffeln tut auch schon alles.
Nun muss ich schauen, wie ich hier den Nachmittag und Abend verbringe. Wie verbringt man stundenlang im Zelt, ohne dass einem langweilig wird? Schlafen tut man nachts ja immer noch. Ein Buch hab ich nicht dabei. Nach draußen will man nicht wegen den Regen. Mist.
Morgen gehts hinab und zurück zum Hotel. Eine abenteuerliche Woche geht zuende. Abenteuerlicher als ich sie mir vorgestellt hatte.
Bitte chronologisch lesen. Hier gehts zum ersten Eintrag.
Die ganze Nacht hindurch hoffe ich, dass sie bald zuende ist. Der Wind draußen wird so stark, dass das Zelt durchgeschüttelt wird. Das Liegen auf der Isolationsmatte wird mit jedem Tag anstrengender. Dank meiner Ohrenstöpsel kann ich das Getöse draußen halbwegs ausblenden und finde zwischendurch immer mal wieder ein paar Minuten Schlaf. Doch es ist ein Kampf. Manchmal frage ich mich, auf was ich mich da eingelassen habe. Und ich finde es verdammt schade, dass mir der Gipfeltraum verwehrt bleibt. Die Höhe ist ein Monster, das man erst einschätzen kann, wenn man ihm begegnet.
Morgens bringt mir unser Koch ein bisschen Tee und etwas Toast mit Ei. Meine Übelkeit ist immer noch da, ich kriege fast nichts herunter. Irgendwann kämpfe ich mich aus dem Zelt, und muss mir mit ansehen, wie der weiße Gipfel unter einem blauen Himmel liegt. Muss mir vorstellen, dass so viele Leute an diesem Morgen da oben stehen und die geniale Aussicht genießen. Es ist zum heulen.
Kurz vor meinem verfrühten Aufbrauch (die vom Gipfel kommenden kriegen noch zwei Stunden Pause) treffe ich Sebastian, mein Wanderpartner, der es in der Nacht bis nach oben geschafft hat. Er meint, es sei hart gewesen. Saukalt und windig. Aber all das habe sich gelohnt.
Ja. Tja.
Ich steige mit unserem Guide Robert wieder hinab von 4600 auf 3000 Meter. Langsam gehts mir wieder besser, meine Kopfschmerzen verschwinden, meine Übelkeit geht zurück. Wir gehen an einem Holländer vorbei, dessen Augen blutunterlaufen sind. Er hatte die Gipfelbesteigung zwar geschafft, aber nur mit einem Medikament gegen Hoehenkrankheit. Er sieht nicht gut aus. Ich unterhalte mich mit Robert ein bisschen über das Leben in Tansania und übe das Leben in Deutschland. Auch er hat als Träger angefangen und hat sich bis zum Führer hoch gearbeitet. Dennoch will er nach acht Jahren Kilimanjaro nun irgend etwas anderes machen. Er träumt davon, ein eigenes Tourismus-Büro zu eröffnen, und meint, dass man ihn auch direkt anheuern könnte, um auf den Berg zu gehen. Dann fielen die Spesen für die beiden zwischengelagerten Reiseanbieter weg.
Auf dem Weg nach unten ist es faszinierend, wie die Landschaft wächst. Nach dem Geröll folgen kleine Büsche, die immer größer werden, bis man schließlich in einem Wald ankommt. Und Wald bedeutet: Regen! Yeah. Ich sitze mal wieder im Zelt im Regen und versuche, meine Sachen irgendwie zu trocknen. Langsam stinkts mir. Zum Glück ist das die letzte Nacht im Zelt. Müffeln tut auch schon alles.
Nun muss ich schauen, wie ich hier den Nachmittag und Abend verbringe. Wie verbringt man stundenlang im Zelt, ohne dass einem langweilig wird? Schlafen tut man nachts ja immer noch. Ein Buch hab ich nicht dabei. Nach draußen will man nicht wegen den Regen. Mist.
Morgen gehts hinab und zurück zum Hotel. Eine abenteuerliche Woche geht zuende. Abenteuerlicher als ich sie mir vorgestellt hatte.
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