Freitag, 23. Juli 2010
Sturmwarnung
Die letzten zwei Tage waren nicht einfach. Corinna möchte immer und überall das beste Preis-/Leistungsverhältnis bekommen und ist stets bestrebt, sich gerne über alles mögliche zu beschweren. Das Essen schmeckt nicht. Der Raum ist nicht gut genug geputzt. Es ist zu schwül. Es gibt hier nichts zu tun. Es ist zu laut. Das Handtuch müffelt. Das Zimmer ist zu teuer. Das Essen ist zu wenig. Das Essen ist zu viel. Der... nein. Ich sollte keine Listen machen.
Sicher hat sie mit vielem davon Recht. Natürlich ist das Zimmer mal zu teuer und das Essen zu schlecht für den bezahlten Preis. Aber mir persönlich gehen solche Dinge schlichtweg am Arsch vorbei. Ich habe keine Lust, mit 20 Kilo Gepäck zig Hotels abzuklappern, bis mal eines dabei ist, bei dem alles stimmt. Ich habe keine Lust, in zig Restaurants zu gehen, bis mal eines das beste Essens-Erlebnis verspricht. Mir ist es scheißegal, ob ich mal ein paar Dong oder Dollar zu viel zahle. Wenns passt, freue ich mich. Wenns nicht passt, jammere ich nicht, sondern lebe damit. Man hat ja keine andere Wahl. Für schlechte Stimmung und Stress ist mir mein Leben zu schade. Erst recht im Urlaub.
Nun ja. Wir arbeiten dran. Ich nehme zurück, dass sie total unkompliziert ist. Die letzten zwei Tage waren wirklich nicht einfach. Vermutlich können die wenigsten Menschen absolut gelassen mit den Schwierigkeiten einer solchen Reise umgehen. Es ist eben nicht klar, was am nächsten Tag passiert. Und es ist niemals sicher, dass ein Plan funktioniert.
So sind wir gestern früh von Hanoi aus Richtung Ostküste gefahren. Fünf Stunden im Minibus. Total unkompliziert organisiert. Wurden sogar vor dem Eingang abgeholt. Corinna hatte jedoch Halsschmerzen bekommen und so war ihre Stimmung ohnehin schon im Eimer, als wir schließlich in Halong City eintrafen. Von dieser Stadt aus wollten wir ein Touristenboot durch die Halong-Bucht nehmen und auf die Insel Cat Ba übersetzen.
Klappte aber nicht, da 1. eine Taifun-Warnung ausgerufen wurde und alle Boote an Land zurück beordert wurden, und 2. der Bus ohnehin zu spät gewesen wäre. Und so waren wir dazu verdammt, einen Nachmittag und Abend in dieser unschönen Stadt zu verbringen. Ein Durchgangsort. Nichts weiter. Die Leute kommen hier nur her, um eine Tour durch die Bucht anzutreten. "Sorry, no boats today" - "And tomorrow?" - "Not sure!" Geile Aussichten...
Halong City ist übel. Großflächig angelegte Touristenläden, wenig gescheite Restaurants, ein "Strand" für den man Sand aufschütten musste, weil vorher nur Matsch und Steine da waren, und ein Hotel unterdurchschnittlicher Qualität mit Zimmerblick auf einen Schutthaufen, das schlauerweise dem Fahrer des Minibusses gehörte, der uns von Hanoi aus her brachte. "I have good hotel for you". Ja klar. Die Vietnamesen sind äußerst geschäftstüchtig. Heute setzten wir uns mittags in ein Restaurant am Strand - auf alte ekelhafte Plastikstühle -, bestellten schon mal was zu trinken, und dann kam ein Kerl vorbei, der zunächst fragte, wo wir her kämen, und dann 50.000 Dong (2 Euro) für jeden Stuhl haben wollte. Gehts noch? Da hab ich Corinna immerhin zugestimmt und wir haben schnellstens das Weite gesucht.
Wir haben uns irgendwie beschäftigt. Ich bin abends die kaputte Promenade entlang geschlendert und habe verträumt auf die Karstfelsten hinaus gesehen, die ich unbedingt erleben wollte. Ich habe Bilder gemacht, die idyllisch wirken, weil man die vierspurige Straße und die Matschflächen darauf nicht sieht. "Anpassung der Wirklichkeit" nennt sich das. Die Erinnerung ist das, was bleibt - nicht die Realität an sich. Das Ministerium der Wahrheit in 1984 hat das ähnlich gehandhabt. Selbstbetrug vielleicht, auf Dauer. Aber ein äußerst wirksamer. Corinna hat sich in dieser Zeit gesund geschlafen und mit ihren Freunden geskyped. Und damit gedroht, dass sie es keinen Tag länger in dieser Stadt aushalten würde.
Was war ich froh, als die Boote heute tatsächlich fuhren. Leider erst um 13 Uhr. Der Taifun war in der Nacht nicht gekommen, ist knapp nördlich an uns vorbei gezogen. Morgens kam sogar die Sonne raus. Um 12 war sie wieder weg, der Himmel wurde schwarz und es begann zu regnen. Zum Glück dauerte der Schauer nicht mal eine Stunde, und das Boot fuhr um 14 Uhr endlich los. Wir haben gemerkt, dass wir speziell sind. Die meisten buchen die Halong-Tour von Hanoi aus und fahren dann wieder zurück. Wir haben aber nur ein Busticket nach Halong City gekauft und wollten "auf eigene Faust" auf Cat Ba landen. Hat etwas Überzeugungskraft erfordert, dass wir sowas verrücktes tun wollen. Wenn man vom Standard abweicht, werden die Routen komplizierter.
Jedenfalls hab ich nun die Bucht gesehen. Einen winzigen Teil davon zwar nur, aber der war richtig toll. Es ist gigantisch, wie diese waldbewachsenen Felsen aus dem Wasser herausragen und von der Abendsonne gestreichelt werden. Es gibt über 2000 dieser Felseninseln in der Bucht. Und mindestens so viele Boote, die sie durchqueren. Leider sahen wir wirklich nur den kleinsten Teil. Stattdessen stoppte unsere Tour zunächst in einer Höhle, durch welche die Leute hindurch gedrückt wurden wie Kühe im Schlachthof. Massentourismus extrem. Ich hasse sowas!
Schließlich legte das Boot an der Nordseite von Cat Ba an. Wir wurden in einen pinkfarbenen klapprigen Minibus gesteckt, der uns über die gesamte Insel bis in den Süden fuhr, wo wir jetzt gerade sind, in Cat Ba Town. Die Fahrt war genial. Ich fühlte mich wie in "Lost" mit zumindest etwas Zivilisation. Der Bus hat gestöhnt und geweint, als er die einfache Betonstraße durch die winzigen Dörfchen bezwingen musste. Aber die Hupe, die hat funktioniert. War ja auch nötig, um die ganzen Hunde und Hühner zu vertreiben, die seelenruhig mitten auf der Straße lagen.
Die Ruhe und Idylle, die man während der Fahrt noch spürte, ist nun jedoch wieder vorbei. Cat Ba Town scheint genau so eklig zu sein wie Halong City. Ich liege hier im Hotel, es ist zehn Uhr abends, und keine zehn Sekunden vergehen ohne ein Hupen auf der Straße vornedran. Es scheint fast so, dass die Vietnamesen hier auf der Insel noch viel lieber hupen als irgendwo sonst. Wir sind zum falschen Zeitpunkt hier. Es ist Hochsaison. Es ist fast Wochenende. Tausende vietnamesische Touristen stürmen gerade die Insel. Es gibt keine Zimmer unter 15 Dollar. Corinna hat zweimal versucht zu verhandeln, aber wir sind kläglich abgeblitzt. Als wir schließlich im strömenden Regen mit unserem Gepäck von Hotel zu Hotel wuselten, war ich froh, dass Corinna letztlich einsah, dass günstigere Zimmer nicht so einfach zu finden sind.
Die nächsten zwei Tage wollen wir hier aktiv sein. Kayak fahren. Mountainbiken. Wandern vielleicht. Schwimmen. Am Strand herumliegen, falls wir zwischen den Vietnamesen noch Platz finden. Solche Sachen. Wenns scheiße ist, verschwinden wir bald wieder. Wenns gut ist, bleiben wir ein Weilchen.
Ich jedenfalls denke positiv. Und bin guter Hoffnung, dass ich das Corinna auch noch beibringen kann
Sicher hat sie mit vielem davon Recht. Natürlich ist das Zimmer mal zu teuer und das Essen zu schlecht für den bezahlten Preis. Aber mir persönlich gehen solche Dinge schlichtweg am Arsch vorbei. Ich habe keine Lust, mit 20 Kilo Gepäck zig Hotels abzuklappern, bis mal eines dabei ist, bei dem alles stimmt. Ich habe keine Lust, in zig Restaurants zu gehen, bis mal eines das beste Essens-Erlebnis verspricht. Mir ist es scheißegal, ob ich mal ein paar Dong oder Dollar zu viel zahle. Wenns passt, freue ich mich. Wenns nicht passt, jammere ich nicht, sondern lebe damit. Man hat ja keine andere Wahl. Für schlechte Stimmung und Stress ist mir mein Leben zu schade. Erst recht im Urlaub.
Nun ja. Wir arbeiten dran. Ich nehme zurück, dass sie total unkompliziert ist. Die letzten zwei Tage waren wirklich nicht einfach. Vermutlich können die wenigsten Menschen absolut gelassen mit den Schwierigkeiten einer solchen Reise umgehen. Es ist eben nicht klar, was am nächsten Tag passiert. Und es ist niemals sicher, dass ein Plan funktioniert.
So sind wir gestern früh von Hanoi aus Richtung Ostküste gefahren. Fünf Stunden im Minibus. Total unkompliziert organisiert. Wurden sogar vor dem Eingang abgeholt. Corinna hatte jedoch Halsschmerzen bekommen und so war ihre Stimmung ohnehin schon im Eimer, als wir schließlich in Halong City eintrafen. Von dieser Stadt aus wollten wir ein Touristenboot durch die Halong-Bucht nehmen und auf die Insel Cat Ba übersetzen.
Klappte aber nicht, da 1. eine Taifun-Warnung ausgerufen wurde und alle Boote an Land zurück beordert wurden, und 2. der Bus ohnehin zu spät gewesen wäre. Und so waren wir dazu verdammt, einen Nachmittag und Abend in dieser unschönen Stadt zu verbringen. Ein Durchgangsort. Nichts weiter. Die Leute kommen hier nur her, um eine Tour durch die Bucht anzutreten. "Sorry, no boats today" - "And tomorrow?" - "Not sure!" Geile Aussichten...
Halong City ist übel. Großflächig angelegte Touristenläden, wenig gescheite Restaurants, ein "Strand" für den man Sand aufschütten musste, weil vorher nur Matsch und Steine da waren, und ein Hotel unterdurchschnittlicher Qualität mit Zimmerblick auf einen Schutthaufen, das schlauerweise dem Fahrer des Minibusses gehörte, der uns von Hanoi aus her brachte. "I have good hotel for you". Ja klar. Die Vietnamesen sind äußerst geschäftstüchtig. Heute setzten wir uns mittags in ein Restaurant am Strand - auf alte ekelhafte Plastikstühle -, bestellten schon mal was zu trinken, und dann kam ein Kerl vorbei, der zunächst fragte, wo wir her kämen, und dann 50.000 Dong (2 Euro) für jeden Stuhl haben wollte. Gehts noch? Da hab ich Corinna immerhin zugestimmt und wir haben schnellstens das Weite gesucht.
Wir haben uns irgendwie beschäftigt. Ich bin abends die kaputte Promenade entlang geschlendert und habe verträumt auf die Karstfelsten hinaus gesehen, die ich unbedingt erleben wollte. Ich habe Bilder gemacht, die idyllisch wirken, weil man die vierspurige Straße und die Matschflächen darauf nicht sieht. "Anpassung der Wirklichkeit" nennt sich das. Die Erinnerung ist das, was bleibt - nicht die Realität an sich. Das Ministerium der Wahrheit in 1984 hat das ähnlich gehandhabt. Selbstbetrug vielleicht, auf Dauer. Aber ein äußerst wirksamer. Corinna hat sich in dieser Zeit gesund geschlafen und mit ihren Freunden geskyped. Und damit gedroht, dass sie es keinen Tag länger in dieser Stadt aushalten würde.
Was war ich froh, als die Boote heute tatsächlich fuhren. Leider erst um 13 Uhr. Der Taifun war in der Nacht nicht gekommen, ist knapp nördlich an uns vorbei gezogen. Morgens kam sogar die Sonne raus. Um 12 war sie wieder weg, der Himmel wurde schwarz und es begann zu regnen. Zum Glück dauerte der Schauer nicht mal eine Stunde, und das Boot fuhr um 14 Uhr endlich los. Wir haben gemerkt, dass wir speziell sind. Die meisten buchen die Halong-Tour von Hanoi aus und fahren dann wieder zurück. Wir haben aber nur ein Busticket nach Halong City gekauft und wollten "auf eigene Faust" auf Cat Ba landen. Hat etwas Überzeugungskraft erfordert, dass wir sowas verrücktes tun wollen. Wenn man vom Standard abweicht, werden die Routen komplizierter.
Jedenfalls hab ich nun die Bucht gesehen. Einen winzigen Teil davon zwar nur, aber der war richtig toll. Es ist gigantisch, wie diese waldbewachsenen Felsen aus dem Wasser herausragen und von der Abendsonne gestreichelt werden. Es gibt über 2000 dieser Felseninseln in der Bucht. Und mindestens so viele Boote, die sie durchqueren. Leider sahen wir wirklich nur den kleinsten Teil. Stattdessen stoppte unsere Tour zunächst in einer Höhle, durch welche die Leute hindurch gedrückt wurden wie Kühe im Schlachthof. Massentourismus extrem. Ich hasse sowas!
Schließlich legte das Boot an der Nordseite von Cat Ba an. Wir wurden in einen pinkfarbenen klapprigen Minibus gesteckt, der uns über die gesamte Insel bis in den Süden fuhr, wo wir jetzt gerade sind, in Cat Ba Town. Die Fahrt war genial. Ich fühlte mich wie in "Lost" mit zumindest etwas Zivilisation. Der Bus hat gestöhnt und geweint, als er die einfache Betonstraße durch die winzigen Dörfchen bezwingen musste. Aber die Hupe, die hat funktioniert. War ja auch nötig, um die ganzen Hunde und Hühner zu vertreiben, die seelenruhig mitten auf der Straße lagen.
Die Ruhe und Idylle, die man während der Fahrt noch spürte, ist nun jedoch wieder vorbei. Cat Ba Town scheint genau so eklig zu sein wie Halong City. Ich liege hier im Hotel, es ist zehn Uhr abends, und keine zehn Sekunden vergehen ohne ein Hupen auf der Straße vornedran. Es scheint fast so, dass die Vietnamesen hier auf der Insel noch viel lieber hupen als irgendwo sonst. Wir sind zum falschen Zeitpunkt hier. Es ist Hochsaison. Es ist fast Wochenende. Tausende vietnamesische Touristen stürmen gerade die Insel. Es gibt keine Zimmer unter 15 Dollar. Corinna hat zweimal versucht zu verhandeln, aber wir sind kläglich abgeblitzt. Als wir schließlich im strömenden Regen mit unserem Gepäck von Hotel zu Hotel wuselten, war ich froh, dass Corinna letztlich einsah, dass günstigere Zimmer nicht so einfach zu finden sind.
Die nächsten zwei Tage wollen wir hier aktiv sein. Kayak fahren. Mountainbiken. Wandern vielleicht. Schwimmen. Am Strand herumliegen, falls wir zwischen den Vietnamesen noch Platz finden. Solche Sachen. Wenns scheiße ist, verschwinden wir bald wieder. Wenns gut ist, bleiben wir ein Weilchen.
Ich jedenfalls denke positiv. Und bin guter Hoffnung, dass ich das Corinna auch noch beibringen kann
Mittwoch, 21. Juli 2010
Mein Vietnam
In Hanoi muss es ein florierendes Geschäft mit Hupentönen geben. Ich habe bestimmt einhundert verschiedene Hupen gehört. Vom simplen Tuuut bis zum melodiösen Wudi-wadi-woop war alles dabei. Auch nachts um Drei. Vor dem Fenster des Hotels. In der Gasse, wo man sich fragt, was die da nachts um Drei eigentlich treiben. Und dabei auch noch hupen!
Ich konnte nicht schlafen letzte Nacht. Ich hatte Kopfschmerzen, ich habe geschwitzt, und ich habe nur die Geräusche von der Straße gehört. Die ganze Zeit. Ich Ruhe-gewohntes Landei bin das nicht gewohnt. Bei mir höre ich höchstens mal Lancelot eine andere Katze anfauchen. Städte sind wahrlich nichts für mich. Nachdem uns heute einer erzählt hatte, dass Hanoi im Vergleich zu Ho Chi Minh-Stadt (Saigon) "gemütlich" sei, war uns klar, dass wir dafür keine Zeit einplanen müssen.
Vietnam ist für mich in meiner Vorstellung etwas ganz anderes. Ich wollte die Natur sehen. Ich wollte raus aufs Land. Heute in der Stadt habe ich eine 600 Meter lange Hupen-Verboten-Zone gesehen (selbstverständlich hat sich keiner dran gehalten, man könnte auch alle Schilder wegwerfen, es würde nichts ändern). Aber da, wo wir heute waren, hupte keiner. Denn das heute war "mein" Vietnam. So wie ich es mir ausgemalt und gewünscht hatte. Aber selbst das verlief nicht ohne Komplikationen.
Wir hatten eine Tour gebucht. Ich mache sowas nicht gerne, weil man sich bei Touren an einen fixen Plan halten muss. Man ist dazu verdammt, zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu sein. Und dass dies problematisch ist, zeigte sich heute Morgen. Ich war ENDLICH eingeschlafen, irgendwann um Vier, und als ich wieder aufwachte und auf mein Handy sah, war es Zehn vor Acht. Um Acht sollte uns der Fahrer abholen.
Was dann geschah, war: PANIK! Nicht dass ich große Angst gehabt hätte, es selbst nicht in zehn Minuten vom Bett in die Hotellobby zu schaffen (man ist als Backpacker ja eh nicht so auf peinlichste Körperhygiene fixiert), nein: Ich hatte da ja noch eine Frau auf dem Zimmer. Auch wenn meine Erfahrungen in der Hinsicht begrenzt sind, schwirrte doch ein Gedanke in meinem Kopf herum: Können Frauen es schaffen, innerhalb von zehn Minuten aus dem Schlafmodus in den "Ich bin fertig"-Zustand zu wechseln?
Wie so vieles in diesen Tagen war auch das faszinierend. Corinna hat nicht mal mit der Wimper gezuckt, als ich sie weckte. "Okay, beeilen wir uns halt", meinte sie lapidar, verschwand kurz im Bad und war nach fünf Minuten bereit zum Abflug.
HALLO? Da werden Weltbilder auf den Kopf gestellt!
Jedenfalls sind die Leute hier pünktlich. Punkt 8 klingelte das Zimmertelefon. Unser Minibus kurvte eine Stunde lang im Viertel herum, drückte sich wie jeder Fahrer auf halsbrecherische Art durch die Massen, benutzte etwa zwei Mal pro Minute seine lustige Wudi-Wudi-Woo-Hupe, und dann fuhren wir nochmal zwei Stunden, bis wir endlich da waren.
Außerhalb von Hanoi besteht das Umland quasi nur aus Reis. Reisfeld an Reisfeld. Auf den Feldern vereinzelte Frauen mit ihren hellen, konischen Hüten. Und Friedhöfe! Die Reisbauern werden im Reis geboren, leben mit und von dem Reis, und schließlich werden sie im Reis begraben.
Die Häuser sind eine Kuriosität. In der Stadt sind viele gebaut wie Türmchen, exakt gleich breit, etwa vier Meter, meistens drei Stockwerke hoch, und ziemlich tief. Streifenhäuschen. Eins ans andere gebaut. Ursache dafür ist die Steuerberechnung. Je schmaler die Hausfront, desto weniger Steuern. Diese Häuschen sind teils äußerst kreativ gestaltet. Jedes ist ein wenig anders. In der Großstadt ist das ja alles noch verständlich, doch das seltsame ist: Diese Häuschen stehen auch in den Dörfern. Irgendwo mitten drin. Sie wirken wie abgeschnittene Betonblöcke, mausegrau auf der Seite, an der das nächste Streifenhäuschen theoretisch irgendwann dran kommen könnte. Ich werde das noch mit entsprechenden Bildern dokumentieren (aus dem Bus zu fotografieren funktioniert nicht), aber wer weiß: Vielleicht gibt es hier eine kommunistische Landordnung, die ein zu besiedelndes Landstück in eine exakt gleiche Anzahl von Streifenhaus-Parzellen aufteilt.
Doch jedenfalls... heute haben wir die "Perfume Pagoda"-Tour gemacht. Mit Ruderbooten fährt man eine Stunde lang einen Fluss entlang, vorbei an einer Szenerie, die für mich das richtige Vietnam ist. Waldbewachsene, erodierte Kalksteinberge ragen am Horizont auf. Winzige Wasserwege durchschneiden die dicht bewachsene Umgebung. Und es ist ruhig. Nur das Plätschern der Ruder im Wasser. Und das ständige vietnamesische Geschnatter zwischen unserer Ruderin und dem Ruderer des Nachbarboots. Es gibt Momente, da würde ich gerne diese Sprache verstehen.
Zum Beispiel in dem Moment, als Corinna versuchte, die Kontrolle über das Boot zu erlangen. Zunächst drehten wir nach links ab, und irgendwann fuhren wir rückwärts. Die Vietnamesen hier rudern vorwärts, d.h. die Kraft wird durch das Ausstrecken der Arme aufs Wasser übertragen. Das muss man erstmal können. Kurz bevor Corinna den Bogen raus hatte, wurde sie von der Ruderin wieder zurück auf ihren Platz verwiesen. Die anderen Boote waren schon hundert Meter weiter. Da hatte sie was aufzuholen.
Als der szenische Trip vorbei war, gabs in der Touristen-Essens-Halle was zu futtern, und irgendein Junge stellte eine Dose Cola vor meine Nase, die nicht im Preis inbegriffen war, und touristische 25000 Dong kostete (1 Euro). Diese kleinen Zusatzpreise gibt es hier überall. Das "Trinkgeld" zum Beispiel, das die Ruderin eintrieb. Wer keine 10.000 Dong gab, wurde von ihr wild auf die "Gebühr" hingewiesen. Und das Geld für die andere Frau, die angeblich den morschen Holzsteg pflegt, der den Touristen ja zu Gute käme, damit sie nicht durchs Wasser waten müssen, um auf die Boote zu kommen. Ein paar Dong hier, ein paar Dong da. Was solls. Ich frage mich manchmal schon, ob ich jetzt wirklich 50 Cent statt 20 Cent für irgend etwas bezahlen soll. Schlimm!
Nach dem Essen sahen wir uns einen Tempel an und machten uns dann an den Aufstieg zur "Perfume Pagoda". Ein alter buddhistischer Tempel in einer Höhle oben im Berg. Um da hin zu kommen, gibt es den steilen Fußweg und eine Seilbahn. Wir fanden das etwas bescheuert, wie jedermann mit der Gondel hoch zu fahren (das kann ja jeder), und so gingen wir (als einzige aus der Gruppe!) den Pfad hinauf. Der Guide meinte: "30 Minuten rauf, oben 10 Minuten gucken, 20 Minuten runter." Haha. Der Lonely Planet sagt: "Man muss unbedingt zwei Stunden für den ganzen Weg einplanen."
Und das führte dann zur nächsten blöden Situation des Tages. Als wir nach einem kleinen Umweg und dem Geknuddel mit zwei jungen Hündchen total nass geschwitzt oben ankamen (ein vietnamesisches Mädchen fragte mich, wo ich denn gebadet hätte), hätten wir eigentlich schon wieder den Rückweg antreten müssen. Corinna kümmerte das weit weniger als mich und sah sich den Tempel an. Der lag wirklich sehr schön, und es war faszinierend, wie die heiße Luft vor dem Eingang der Höhle zu mystischem Dunst wurde. Ich plagte sie mit "Wir müssen umkehren, sonst schaffen wirs nicht mehr rechtzeitig", und sie meinte: "Ach, wenn der uns so wenig Zeit gibt, dann hat er das zu verantworten. Wird ja wohl nicht so schlimm sein, wenn wir zehn Minuten später sind."
Nun ja. Wir haben diskutiert. Und wollten dann mit der Seilbahn hinunter fahren. Die aber nicht fuhr, weil noch irgendeine blöde Gruppe sich verspätet hatte. Wir warteten fast zwanzig Minuten darauf, bis der Seilbahnfritze seine Knöpfe drückte. Mann! Und als wir dann endlich unten waren, erlebte ich, wie ein Vietnamese auf höchst freundliche Weise angepisst sein kann. Er meinte, wenn wir uns 30 Minuten verspätet hätten, wäre er ohne uns los gefahren und wir hätten die Nacht hier bleiben müssen. Schön. Der Gruppe jedenfalls waren die 15 Minuten zum Glück egal. Sie haben uns jedenfalls nicht mit Steinen beworfen und im Fluss ertränkt.
Trotzdem war das eine etwas blöde Situation, vor allem für mich, der ich häufig sogar Alpträume habe, in denen ich ständig irgendwo unpünktlich bin. Ich werde schauen, dass wir in den nächsten Wochen organisierte Touren nur noch dort machen, wo wir anders nicht hin kämen (wie eben hier).
Und nun geh ich endlich schlafen. Corinna hat sich schon Ohrstöpsel reingetan, weil sie mein schnelles Tippen sonst vom Dösen abhält
. Morgeh gehts raus aus dieser Stadt, in den Westen, auf eine Insel. Hoffentlich hält das Wetter. Bis jetzt hatten wir Glück. Nicht mal einen Moskito habe ich gesehen. Das ist auch so was verrücktes. Wo sind die denn alle hin?!
Ich konnte nicht schlafen letzte Nacht. Ich hatte Kopfschmerzen, ich habe geschwitzt, und ich habe nur die Geräusche von der Straße gehört. Die ganze Zeit. Ich Ruhe-gewohntes Landei bin das nicht gewohnt. Bei mir höre ich höchstens mal Lancelot eine andere Katze anfauchen. Städte sind wahrlich nichts für mich. Nachdem uns heute einer erzählt hatte, dass Hanoi im Vergleich zu Ho Chi Minh-Stadt (Saigon) "gemütlich" sei, war uns klar, dass wir dafür keine Zeit einplanen müssen.
Vietnam ist für mich in meiner Vorstellung etwas ganz anderes. Ich wollte die Natur sehen. Ich wollte raus aufs Land. Heute in der Stadt habe ich eine 600 Meter lange Hupen-Verboten-Zone gesehen (selbstverständlich hat sich keiner dran gehalten, man könnte auch alle Schilder wegwerfen, es würde nichts ändern). Aber da, wo wir heute waren, hupte keiner. Denn das heute war "mein" Vietnam. So wie ich es mir ausgemalt und gewünscht hatte. Aber selbst das verlief nicht ohne Komplikationen.
Wir hatten eine Tour gebucht. Ich mache sowas nicht gerne, weil man sich bei Touren an einen fixen Plan halten muss. Man ist dazu verdammt, zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu sein. Und dass dies problematisch ist, zeigte sich heute Morgen. Ich war ENDLICH eingeschlafen, irgendwann um Vier, und als ich wieder aufwachte und auf mein Handy sah, war es Zehn vor Acht. Um Acht sollte uns der Fahrer abholen.
Was dann geschah, war: PANIK! Nicht dass ich große Angst gehabt hätte, es selbst nicht in zehn Minuten vom Bett in die Hotellobby zu schaffen (man ist als Backpacker ja eh nicht so auf peinlichste Körperhygiene fixiert), nein: Ich hatte da ja noch eine Frau auf dem Zimmer. Auch wenn meine Erfahrungen in der Hinsicht begrenzt sind, schwirrte doch ein Gedanke in meinem Kopf herum: Können Frauen es schaffen, innerhalb von zehn Minuten aus dem Schlafmodus in den "Ich bin fertig"-Zustand zu wechseln?
Wie so vieles in diesen Tagen war auch das faszinierend. Corinna hat nicht mal mit der Wimper gezuckt, als ich sie weckte. "Okay, beeilen wir uns halt", meinte sie lapidar, verschwand kurz im Bad und war nach fünf Minuten bereit zum Abflug.
HALLO? Da werden Weltbilder auf den Kopf gestellt!
Jedenfalls sind die Leute hier pünktlich. Punkt 8 klingelte das Zimmertelefon. Unser Minibus kurvte eine Stunde lang im Viertel herum, drückte sich wie jeder Fahrer auf halsbrecherische Art durch die Massen, benutzte etwa zwei Mal pro Minute seine lustige Wudi-Wudi-Woo-Hupe, und dann fuhren wir nochmal zwei Stunden, bis wir endlich da waren.
Außerhalb von Hanoi besteht das Umland quasi nur aus Reis. Reisfeld an Reisfeld. Auf den Feldern vereinzelte Frauen mit ihren hellen, konischen Hüten. Und Friedhöfe! Die Reisbauern werden im Reis geboren, leben mit und von dem Reis, und schließlich werden sie im Reis begraben.
Die Häuser sind eine Kuriosität. In der Stadt sind viele gebaut wie Türmchen, exakt gleich breit, etwa vier Meter, meistens drei Stockwerke hoch, und ziemlich tief. Streifenhäuschen. Eins ans andere gebaut. Ursache dafür ist die Steuerberechnung. Je schmaler die Hausfront, desto weniger Steuern. Diese Häuschen sind teils äußerst kreativ gestaltet. Jedes ist ein wenig anders. In der Großstadt ist das ja alles noch verständlich, doch das seltsame ist: Diese Häuschen stehen auch in den Dörfern. Irgendwo mitten drin. Sie wirken wie abgeschnittene Betonblöcke, mausegrau auf der Seite, an der das nächste Streifenhäuschen theoretisch irgendwann dran kommen könnte. Ich werde das noch mit entsprechenden Bildern dokumentieren (aus dem Bus zu fotografieren funktioniert nicht), aber wer weiß: Vielleicht gibt es hier eine kommunistische Landordnung, die ein zu besiedelndes Landstück in eine exakt gleiche Anzahl von Streifenhaus-Parzellen aufteilt.
Doch jedenfalls... heute haben wir die "Perfume Pagoda"-Tour gemacht. Mit Ruderbooten fährt man eine Stunde lang einen Fluss entlang, vorbei an einer Szenerie, die für mich das richtige Vietnam ist. Waldbewachsene, erodierte Kalksteinberge ragen am Horizont auf. Winzige Wasserwege durchschneiden die dicht bewachsene Umgebung. Und es ist ruhig. Nur das Plätschern der Ruder im Wasser. Und das ständige vietnamesische Geschnatter zwischen unserer Ruderin und dem Ruderer des Nachbarboots. Es gibt Momente, da würde ich gerne diese Sprache verstehen.
Zum Beispiel in dem Moment, als Corinna versuchte, die Kontrolle über das Boot zu erlangen. Zunächst drehten wir nach links ab, und irgendwann fuhren wir rückwärts. Die Vietnamesen hier rudern vorwärts, d.h. die Kraft wird durch das Ausstrecken der Arme aufs Wasser übertragen. Das muss man erstmal können. Kurz bevor Corinna den Bogen raus hatte, wurde sie von der Ruderin wieder zurück auf ihren Platz verwiesen. Die anderen Boote waren schon hundert Meter weiter. Da hatte sie was aufzuholen.
Als der szenische Trip vorbei war, gabs in der Touristen-Essens-Halle was zu futtern, und irgendein Junge stellte eine Dose Cola vor meine Nase, die nicht im Preis inbegriffen war, und touristische 25000 Dong kostete (1 Euro). Diese kleinen Zusatzpreise gibt es hier überall. Das "Trinkgeld" zum Beispiel, das die Ruderin eintrieb. Wer keine 10.000 Dong gab, wurde von ihr wild auf die "Gebühr" hingewiesen. Und das Geld für die andere Frau, die angeblich den morschen Holzsteg pflegt, der den Touristen ja zu Gute käme, damit sie nicht durchs Wasser waten müssen, um auf die Boote zu kommen. Ein paar Dong hier, ein paar Dong da. Was solls. Ich frage mich manchmal schon, ob ich jetzt wirklich 50 Cent statt 20 Cent für irgend etwas bezahlen soll. Schlimm!
Nach dem Essen sahen wir uns einen Tempel an und machten uns dann an den Aufstieg zur "Perfume Pagoda". Ein alter buddhistischer Tempel in einer Höhle oben im Berg. Um da hin zu kommen, gibt es den steilen Fußweg und eine Seilbahn. Wir fanden das etwas bescheuert, wie jedermann mit der Gondel hoch zu fahren (das kann ja jeder), und so gingen wir (als einzige aus der Gruppe!) den Pfad hinauf. Der Guide meinte: "30 Minuten rauf, oben 10 Minuten gucken, 20 Minuten runter." Haha. Der Lonely Planet sagt: "Man muss unbedingt zwei Stunden für den ganzen Weg einplanen."
Und das führte dann zur nächsten blöden Situation des Tages. Als wir nach einem kleinen Umweg und dem Geknuddel mit zwei jungen Hündchen total nass geschwitzt oben ankamen (ein vietnamesisches Mädchen fragte mich, wo ich denn gebadet hätte), hätten wir eigentlich schon wieder den Rückweg antreten müssen. Corinna kümmerte das weit weniger als mich und sah sich den Tempel an. Der lag wirklich sehr schön, und es war faszinierend, wie die heiße Luft vor dem Eingang der Höhle zu mystischem Dunst wurde. Ich plagte sie mit "Wir müssen umkehren, sonst schaffen wirs nicht mehr rechtzeitig", und sie meinte: "Ach, wenn der uns so wenig Zeit gibt, dann hat er das zu verantworten. Wird ja wohl nicht so schlimm sein, wenn wir zehn Minuten später sind."
Nun ja. Wir haben diskutiert. Und wollten dann mit der Seilbahn hinunter fahren. Die aber nicht fuhr, weil noch irgendeine blöde Gruppe sich verspätet hatte. Wir warteten fast zwanzig Minuten darauf, bis der Seilbahnfritze seine Knöpfe drückte. Mann! Und als wir dann endlich unten waren, erlebte ich, wie ein Vietnamese auf höchst freundliche Weise angepisst sein kann. Er meinte, wenn wir uns 30 Minuten verspätet hätten, wäre er ohne uns los gefahren und wir hätten die Nacht hier bleiben müssen. Schön. Der Gruppe jedenfalls waren die 15 Minuten zum Glück egal. Sie haben uns jedenfalls nicht mit Steinen beworfen und im Fluss ertränkt.
Trotzdem war das eine etwas blöde Situation, vor allem für mich, der ich häufig sogar Alpträume habe, in denen ich ständig irgendwo unpünktlich bin. Ich werde schauen, dass wir in den nächsten Wochen organisierte Touren nur noch dort machen, wo wir anders nicht hin kämen (wie eben hier).
Und nun geh ich endlich schlafen. Corinna hat sich schon Ohrstöpsel reingetan, weil sie mein schnelles Tippen sonst vom Dösen abhält
Dienstag, 20. Juli 2010
Ha Noi
Heute Morgen um kurz vor Sieben sind wir nach einem elfstündigen Flug in Hanoi angekommen. Nach dem Geldwechseln hatten wir mal eben 2,5 Millionen Dong in der Tasche (24000 Dong sind 1 Euro). Corinna ist mir nicht weg gelaufen. Wir verstehen uns sogar ganz prächtig, auch wenn ihre Laufwege in der Stadt deutlich mehr auf Shopping ausgerichtet sind als meine.
Es gibt drei Dinge in Hanoi, die jeder Besucher gleich in den ersten Stunden erfährt.
1. Viele Leute sind extrem freundlich: Im Hotel wäre unser Raum erst ab 12 Uhr frei gewesen. Deshalb bekamen wir zunächst kostenlose Hühnersuppe und Erfrischungsgetränke und wurden dann an ein anderes Hotel der gleichen Kette umgeleitet. Hier hätte der Raum zwar 30 Dollar gekostet, aber wir mussten trotzdem nur die 18 Dollar bezahlen, die auch der erste gekostet hätte. Die Hotel-Mitarbeiterin bezahlte uns sogar den Taxifahrer. Als wir ankamen, schienen 3-4 Hotelarbeiter extrem glücklich zu sein, mal wieder was tun zu dürfen. Dabei immer fröhlich grinsend und nette Worte von sich gebend.
2. Viele Leute sind extrem nervig: Auf den Straßen kommt man als Tourist keine fünf Meter weit, bis man von irgend jemandem zu irgend etwas aufgefordert wird. "Where are you going?" - Rollerfahrer, meist Jugendliche, die gern jemanden hinten drauf mitnehmen. Ältere Männer auf ihren Fahrradtaxis, die an jeder Ecke lungern oder mitten auf der Straße nach einem winken. Die Ladenbesitzer, die ihre Waren anpreisen. Frauen mit Früchten und Süßigkeiten, die plötzlich vor einem auftauchen. Und selbst wenn man glaubt, alle abgeschüttelt zu haben, steht plötzlich ein kleiner Bauchladenverkäufer vor einem und lässt sich auch nach viermal "No, thank you" nicht davon abbringen, einem seine Feuerzeuge und Brieftaschen vorzuführen.
3. Der Verkehr ist ein Wunder für sich: Ich stand minutenlang fasziniert an einer großen Kreuzung und beobachtete, wie... NICHTS passierte. Die Mopedfahrer kamen aus allen Richtungen, dazwischen vereinzelte Autos, wie Fremdkörper wirkend in diesem verrückten Gewimmel. Die einzelnen Gefährte sammeln sich zu Schwärmen, werden langsamer, selten halten sie, dann kommt ein anderer Schwarm vorbei, und schwupps, geht es weiter. Es funktioniert. Ich habe keinen Unfall beobachtet. Obwohl Vietnam die höchste Verkehrstotenrate der Welt hat, bleibt es dennoch ein Wunder. Und das ist nicht nur auf den Hauptkreuzungen so, sondern überall, auch in den kleinsten Gässchen. Sobald ein Weg breit genug für ein Moped ist, fährt auch mindestens eines durch.
Es gibt Zebrastreifen in Hanoi. Einen Sinn haben sie nicht. Die Straße zu überqueren ist einfach, wenn man weiß, wie man sich verhalten muss. Wichtigste Regel: Keine hektischen Bewegungen. Laaangsam über die Straße gehen und den Rollerfahrern dabei in die Augen schauen. Nicht abrupt anhalten, die Fahrer tun es auch nicht. So gehen, dass man eingeschätzt werden kann. Es funktioniert tatsächlich. Das erste Mal hatten wir Todesangst. Beim zehnten Mal ist man routiniert. Irgendwie fließt der Verkehr um einen herum. Wer braucht da schon Fußgängerampeln?
Wir sind nicht weit gekommen in dieser Stadt. Wir waren auch viel zu müde, um heute groß etwas zu unternehmen. Ein Bummel durchs alte Viertel, immer aufpassend, dass man nicht überfahren wird. Ständiges Hupen und Rufen, keiner weiß mehr, wer überhaupt gemeint ist. Zehn Schuhläden, die alle die gleichen Plastikimitate von Reebok und Puma verkaufen. Aber: Tolles Essen für 2 Euro!
Morgen machen wir eine Tagestour ins Umland. Viel werden wir von Hanoi nicht mehr sehen. Wir sind froh, aus diesem nervigen Getümmel bald wieder raus zu sein.
Es gibt drei Dinge in Hanoi, die jeder Besucher gleich in den ersten Stunden erfährt.
1. Viele Leute sind extrem freundlich: Im Hotel wäre unser Raum erst ab 12 Uhr frei gewesen. Deshalb bekamen wir zunächst kostenlose Hühnersuppe und Erfrischungsgetränke und wurden dann an ein anderes Hotel der gleichen Kette umgeleitet. Hier hätte der Raum zwar 30 Dollar gekostet, aber wir mussten trotzdem nur die 18 Dollar bezahlen, die auch der erste gekostet hätte. Die Hotel-Mitarbeiterin bezahlte uns sogar den Taxifahrer. Als wir ankamen, schienen 3-4 Hotelarbeiter extrem glücklich zu sein, mal wieder was tun zu dürfen. Dabei immer fröhlich grinsend und nette Worte von sich gebend.
2. Viele Leute sind extrem nervig: Auf den Straßen kommt man als Tourist keine fünf Meter weit, bis man von irgend jemandem zu irgend etwas aufgefordert wird. "Where are you going?" - Rollerfahrer, meist Jugendliche, die gern jemanden hinten drauf mitnehmen. Ältere Männer auf ihren Fahrradtaxis, die an jeder Ecke lungern oder mitten auf der Straße nach einem winken. Die Ladenbesitzer, die ihre Waren anpreisen. Frauen mit Früchten und Süßigkeiten, die plötzlich vor einem auftauchen. Und selbst wenn man glaubt, alle abgeschüttelt zu haben, steht plötzlich ein kleiner Bauchladenverkäufer vor einem und lässt sich auch nach viermal "No, thank you" nicht davon abbringen, einem seine Feuerzeuge und Brieftaschen vorzuführen.
3. Der Verkehr ist ein Wunder für sich: Ich stand minutenlang fasziniert an einer großen Kreuzung und beobachtete, wie... NICHTS passierte. Die Mopedfahrer kamen aus allen Richtungen, dazwischen vereinzelte Autos, wie Fremdkörper wirkend in diesem verrückten Gewimmel. Die einzelnen Gefährte sammeln sich zu Schwärmen, werden langsamer, selten halten sie, dann kommt ein anderer Schwarm vorbei, und schwupps, geht es weiter. Es funktioniert. Ich habe keinen Unfall beobachtet. Obwohl Vietnam die höchste Verkehrstotenrate der Welt hat, bleibt es dennoch ein Wunder. Und das ist nicht nur auf den Hauptkreuzungen so, sondern überall, auch in den kleinsten Gässchen. Sobald ein Weg breit genug für ein Moped ist, fährt auch mindestens eines durch.
Es gibt Zebrastreifen in Hanoi. Einen Sinn haben sie nicht. Die Straße zu überqueren ist einfach, wenn man weiß, wie man sich verhalten muss. Wichtigste Regel: Keine hektischen Bewegungen. Laaangsam über die Straße gehen und den Rollerfahrern dabei in die Augen schauen. Nicht abrupt anhalten, die Fahrer tun es auch nicht. So gehen, dass man eingeschätzt werden kann. Es funktioniert tatsächlich. Das erste Mal hatten wir Todesangst. Beim zehnten Mal ist man routiniert. Irgendwie fließt der Verkehr um einen herum. Wer braucht da schon Fußgängerampeln?
Wir sind nicht weit gekommen in dieser Stadt. Wir waren auch viel zu müde, um heute groß etwas zu unternehmen. Ein Bummel durchs alte Viertel, immer aufpassend, dass man nicht überfahren wird. Ständiges Hupen und Rufen, keiner weiß mehr, wer überhaupt gemeint ist. Zehn Schuhläden, die alle die gleichen Plastikimitate von Reebok und Puma verkaufen. Aber: Tolles Essen für 2 Euro!
Morgen machen wir eine Tagestour ins Umland. Viel werden wir von Hanoi nicht mehr sehen. Wir sind froh, aus diesem nervigen Getümmel bald wieder raus zu sein.
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