Ich bin zurück auf meiner Couch. Die Wäsche ist gewaschen, der Kühlschrank ist immer noch leer, aber Lancelot hat mich wieder in sein Herz geschlossen, nachdem ich ihn zwei Wochen alleine gelassen hatte. Sein Kopf wurde von einer Zeckenkolonie heimgesucht. Ich war eine Stunde lang damit beschäftigt, 20 Zecken, von winzigen Babys bis zu zwei großen Mamas, zu entfernen. Heute ist er so glücklich, dass er mich keine Sekunde aus den Augen lässt und ständig Körperkontakt sucht. Hach ja.
Die zwei Wochen in Malaysia fühlen sich an als wären es vier gewesen. So viele Eindrücke, so viele Menschen, so viel Natur, so viel Stadt. Vieles bleibt hängen. Vor allem die Freundlichkeit. Es tut gut, wenn man auf der Straße geht, jemandem ins Gesicht schaut, und der anfängt zu lächeln. Einfach so. Und trotzdem habe ich es am letzten Tag noch geschafft, dass ein malaysischer Student "Fick dich" zu mir sagte. Auf Deutsch!
Ich hatte in einem Laden bezahlt und die Verkäuferin wollte die 5-Ringgit-Note, die einen kleinen Riss hatte, nicht annehmen, weshalb ich ihr einen anderen gegeben hatte. Der Laden befand sich in der Nähe der Markstände, wo man auf jedem Meter angelabert wird. Handtaschen hier, Parfüms da, kopierte Filme dort. Außerdem war ich genervt, wollte nur ins Internet-Cafe. Ich hörte wie jemand "Hey, hallo" rief, und ich tat einfach so, als hätte ich es nicht gehört, weil ich dachte, es wäre einer dieser Marktleute. Und plötzlich stand so ein junger bebrillter Malaysier neben mir und hielt mich regelrecht fest. Er redete sehr schnell auf Englisch, warf mir vor, was mir denn einfalle, ihn einfach so zu ignorieren, wo er doch nur fragen wollte, warum die Dame meinen Fünfer nicht angenommen hatte. Ich sagte ihm, ich hätte gedacht, er sei ein Verkäufer, was ihn nur noch mehr in Rage brachte. Er sagte, ich sei doch ein typischer Tourist, der sich in einem fremden Land so benimmt wie zu Hause, einfach alle Leute ignoriert und keine Lust hat, sich auf den hiesigen Lebensstil einzustellen. Als ich noch ein paar Mal versucht hatte, ihm freundlich zu begegnen und ihm zu erklären, dass es ein Mißverständnis war und ich nicht viel Zeit hätte, nervte er mich irgendwann so sehr, dass ich mich von ihm abwendete und einfach weiterging, woraufhin er mir ein schnelles "Fick dich" zuwarf und in der Menge verschwand. Was es nicht alles gibt
Ich habe diesen Urlaub wirklich genossen. Habe die Großstädte erlebt, bin durch Fischschwärme geschnorchelt und habe rund 20 Liter Schwitzwasser im Dschungel verteilt. An die Hitze hatte ich mich irgendwann gewöhnt, und im Flugzeug, das auf gefühlte 18 Grad klimatisiert war, habe ich richtig gefroren! Alle anderen holten ihre Winterkleidung raus, aber ich hatte ja nichts dabei, weshalb ich mir mit zwei Decken behelfen musste. Mein Flug war zweieinhalb Stunden zu spät, er dauerte 12 Stunden, natürlich konnte ich nicht schlafen, das Bahnticket war verfallen und ich durfte für 70 Euro (!) ein neues kaufen, doch irgendwann kam ich glücklich zu Hause an.
Es ist faszinierend einfach, in Malaysia und Singapur zu reisen. Fast jeder spricht Englisch. Das Preisniveau ist genial. Essen für 1-2 Euro. Schlafen für 2-10 Euro. Reisebusfahren für 3-12 Euro. Kein Wunder, dass man überall Backpacker, darunter viele Deutsche, trifft. Die dann auch noch meinen, es wäre alles so teuer in Malaysia, wenn man es mit Thailand oder Vietnam vergleiche. Ich schätze, dass ich für die zwei Wochen incl. Flug, Transport, Unterkunft, Essen, Souvenirs und ein paar gekaufte Klamotten nicht mehr als 1500 Euro ausgegeben habe.
Das alles hat richtig Lust in mir geweckt, Südostasien wieder einmal zu entdecken. Natürlich gabs auch negative Dinge, wie z.B. Fußgänger in den Städten zu sein, die nervigen Moskitos und Blutegel (wobei ich letztere ja schon wieder witzig fand nach ner Weile), die schwüle Hitze, die ganzen geschlossenen Restaurants und Hostels... aber die positiven Erlebnisse überwiegen bei weitem.
Ich werds ganz sicher wieder tun