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Mittwoch, 11. Juli 2007

Zurück in der Heimat

Geschrieben von Jens in Korea 2007 um 09:13
Nach einer über 24stündigen Reise (11 Stunden Flug nach Paris, 1 Stunde Flug nach Frankfurt, fast 4 Stunden Zug nach Basel, und vielen Stunden Warterei) bin ich gestern Morgen wieder in meiner Wohnung angekommen. In Frankfurt hat es mich nicht mal sonderlich überrascht, als ich mein Gepäck nicht auf dem Band gefunden hatte. Kurze Zeit später wurde ich aufgerufen und mir wurde erklärt, dass es in Paris hängen geblieben und nicht in den richtigen Flieger verladen worden sei. Es würde mir aber im Laufe der nächsten zwei Tage zugeschickt. Auch recht, hatte ich schon nicht so viel zu schleppen.

Ansonsten hat alles wunderbar geklappt, und den Jetlag hab ich wie bei der Hinreise problemlos besiegt. Das Geheimnis ist vermutlich, möglichst die ganze Reise hindurch wach zu bleiben, dann ein paar Stunden zu schlafen, und sofort in den natürlichen Rhythmus zurück zu kehren.

Am ersten Tag kam mir hier alles ein wenig fremd vor. Die vielen Deutschen überall! Und so kalt... brr. Beim Wetter habe ich ja offensichtlich nicht viel verpasst. Auf der Rückfahrt im Zug fror ich jedoch ein wenig, weil ich nur ein T-Shirt trug und mir mein großer Rucksack ja nicht zur Verfügung stand.

Am Abend gabs wieder deutsches Essen von Mama. Sehr gut wie immer. Dennoch werde ich das koreanische Essen vermissen und hasse mich schon jetzt dafür, dass ich nicht zumindest ein paar Dinge eingekauft habe, wie z.B. koreanische Esstäbchen aus Metall, die man selbst übers Internet nur schwerlichst auftreiben kann. Überall gibt es Shops für die chinesische und japanische Küche, aber für Korea? Fehlanzeige.

Was mir an Korea überhaupt nicht gefiel:

  • Der Verkehr auf den Straßen, wie öfters beschrieben. Schrecklich! Es gibt zudem keine Fußgängerampeln, und diese haben die geringste Priorität im Verkehr. Es kommt an großen Kreuzungen schon vor, dass man bis zu 10 Minuten warten muss, um zwei Straßen zu überqueren. Wenn denn dann mal Grün ist, hat man ca. 45 Sekunden Zeit, um rüber zu kommen. Bei uns bleiben die Ampeln für die Autofahrer nach der Rotschaltung der Fußgängerampel ebenfalls noch einige Sekunden Rot. In Korea wird sofort auf Grün geschaltet, und wenn man dann nicht rüber ist, geht das große Hupen los.

  • Die Badezimmer, weil man dort drin einfach nicht trocken werden kann und man nur selten Stromanschlüsse findet, um sich zu föhnen.

  • Haemultang ;-)

  • Dass die schöne Landschaft viel zu oft rücksichtslos zugebaut wird und jede Stadt gleich aussieht. In Europa kann man ein Foto einer Straße machen und anhand diesem relativ problemlos die Stadt identifizieren. In Korea besteht jede Stadt aus unschönen Betonbauten und Straßen mit vielen Schildern, vielen Geschäften, vielen Restaurants, dicht an dicht nebeneinander. Es gibt kein Stadtbild und fast keine alten Gebäude, weil Korea im Laufe der Geschichte einfach zu oft platt gemacht wurde und man nach dem Krieg möglichst schnell möglichst viel gebaut hat. Zudem ist der Umweltschutzgedanke noch lange nicht so stark ausgeprägt wie in Deutschland. Müll wird gerne mal auf die Straße oder in die Landschaft geworfen, Recycling gibt es nur eingeschränkt, Dosen sind immer noch oft zu finden.


Was mir dagegen sehr zusagte:

  • Das Essen! Einfach genau meine Linie, weil man immer nur das zu essen braucht, was man mag und sich nicht anstrengen muss, seinen Teller leer zu kriegen. Zudem sind alle Beilagen frisch und frei von irgendwelchen hellen Soßen. Alles ist gut gewürzt und man wundert sich, wie man 3x am Tag Reis essen kann, ohne dass er einem über wird. Außerdem habe ich vermutlich noch nie so viel vegetarisch gegessen wie in Korea. Und da man in Straßenrestaurants für 2-5 Euro satt werden kann, halten sich die Ausgaben in Grenzen.

  • Der öffentliche Nahverkehr ist toll, mit wenig Geld kommt man immer bequem durch die Gegend, ob mit Bus, Bahn oder Taxi. Von jeder Stadt aus fahren sehr häufig Busse in die Gebiete im Umland, und Taxis sind noch bezahlbar.
  • Die PC-Bangs. Eine Stunde Computern für einen Euro. Sollte man in Deutschland auch einführen, dann müssten die jungen Leute nicht immer ihre Computer irgendwohin schleppen, um miteinander zu zocken.

  • Das Sicherheitsgefühl auf den Straßen und in der U-Bahn. Auch wenn man nachts unterwegs ist, kommt es kaum vor, dass man auf aggressive, pöbelnde oder betrunkene Menschen stößt, obwohl der Koreaner gerne viel trinkt. Ab und zu fällt mal einer aus einer Kneipe, aber die sind dann friedlich und die Kollegen helfen ihnen in die U-Bahn. Die Kriminalitätsrate ist sehr gering. Und die Jugendlichen haben im Vergleich zu Deutschland noch viel bessere Manieren.




Ich werde sicherlich wieder nach Korea reisen, dann vielleicht für 2 statt 4 Wochen. Es ist ein faszinierendes Land mit freundlichen Menschen. Bis dahin sollte ich allerdings meine koreanischen Sprachkenntnisse vertiefen (vor allem Sprechen und Verstehen), damit ich mehr mit den Leuten in Kontakt kommen kann. Denn die wahre Stärke der Kultur zeigt sich erst, wenn man mit Freunden oder in einer Gruppe unterwegs sein kann. Erst dann sind die typischen Gemeinschaftsgerichte im Restaurant möglich und das Singen im Noraebang macht richtig Spaß.

Da mein Gepäck gerade eingetroffen ist, kann ich nun die Waschmaschine anwerfen und die zahlreichen Bilder nachbearbeiten. Es war ein Urlaub, den ich nie vergessen werde. Ich bin sehr froh, es gemacht zu haben, und allein auf eigene Faust die meist Zeit unterwegs gewesen zu sein. Der Lonely Planet war das wichtigste Buch auf meiner Reise. Jetzt im Juli kam eine neue Ausgabe auf den Markt, in der die kleineren Fehler, die mir aufgefallen waren, berichtigt sind.

Danke nochmal fürs Lesen. Ich selbst freue mich schon wieder aufs Arbeiten. Aber jetzt werde ich mich erst mal noch ein paar Tage vom Urlaub erholen.
Kommentare (2)
< Abschied: Lebender Tintenfisch und Noraebang

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Kommentare
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Versuchs mal bei www.kmall.de - ist allerdings auf koreanisch... Ansonsten hat der lokale Asia-Markt bestimmt auch einige koreanische Lebensmittel im Sortiment.

Gruss

Flo
#1 flo am 11.07.2007 10:24 (Antwort)
...oder bei amazon.de :-)

Essstäbchen aus Edelstahl:

http://www.amazon.de/Carl-Mertens-Essst%C3%A4bchen-Edelstahl-MINAMOTO/dp/B000P9G9QK/ref=pd_bbs_sr_4/028-9229929-9046114?ie=UTF8&s=home-garden&qid=1184159246&sr=8-4

Michael.
#2 Michael Kleerbaum am 11.07.2007 15:25 (Antwort)

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