Freitag, 6. Juli 2007
Joint Security Area
Wegen übler, harter Kissen in dem kleinen Motel hatte ich schlecht geschlafen, außerdem wollte ich unter keinen Umständen verschlafen, weil ich am Donnerstag Morgen um halb Sieben zur USO gehen musste, die zum Glück nicht weit entfernt war.
Die "United Services Organization" (USO) ist so eine Art US-Truppen-Unterstützungs-Organisation. Sehr patriotisch. In dem Gebäude gab es zahlreiche bequeme Sessel, in denen ganz typische Amerikaner saßen, teilweise solche, denen man ihre Militärvergangenheit ansehen konnte. Kurz geschnittene Haare, muskulöse Oberkörper, entsprechende Kleidung. Ein riesiger 1,50m-Fernseher zeigte patriotisch amerikanisches Fernsehen. Auf dem Tisch lagen die "Air Force Times" und das "Soldiers"-Magazin. Überall im Raum war zu sehen, wie das Militär hochgejubelt wurde.
Außer mir waren noch ca. 80-90 andere Wessis da, die meisten davon aus den USA. Darunter aber auch ein paar aus Südamerika, ein Finne, zwei Jungs von den Phillipinen, eine Frau aus Polen, und mehrere aus Großbritannien. Die kleine Koreanerin am Schalter war etwas verwirrt, als sie meinen Pass sah, und fragte: "Are you Dutch?" -- Deutsche sind wohl eher die Ausnahme auf dieser Tour.
Mit zwei voll gepackten Bussen fuhren wir auf dem Highway entlang der Küste in Richtung Norden. Auf dem Weg sieht man viel Stacheldraht und einige Wachtürme. Als wir wenige Kilometer vor der Grenze über eine Brücke fuhren, wurden wir angewiesen, von nun an nur noch Fotos schießen zu dürfen, wenn dies uns erlaubt würde.
Die erste Station war Camp Bonifaz, ein Militärstützpunkt "vor allen anderen" ("in front of them all"), in dem sich allerdings nur noch wenige US-Amerikaner aufhalten. Diese wurden in den letzten Jahren weiter in den Süden abgezogen. Auf dem Stützpunkt gibt es demnach hauptsächlich südkoreanische Soldaten. In einem kleinen Raum erhielten wir eine Übersicht über die Entwicklung des Koreakrieges, die jetzige Situation und über die Orte, die wir sehen würden.
Nach dem Wechseln des Buses fuhren wir zu dem einzigen Punkt an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea, wo sich Soldaten beier Seiten quasi Auge in Auge gegenüber stehen. Dort fanden früher Friedensverhandlungen statt. Die Südkoreaner haben gar 1990 ein modernes Gebäude ("Freedom House") gebaut, welches aber nie benutzt wurde, weil die Nordkoreaner immer noch jegliche Verhandlungen über eine Wiedervereinigung ablehnen.
Uns wurde eingeschärft, keine Gesten zu machen wie Winken oder irgendwo hin zu zeigen, wenn uns Nordkorea beobachten konnte. Die Nordkoreaner könnten mit Teleobjektiven Fotos schießen, diese in ihren Zeitungen abdrucken und darunter schreiben: "Seht her, wie die Amerikaner unser Land bewundern!" -- außerdem könnte ein Nordkoreaner entsprechende Gesten als feindselig interpretieren und entsprechend... handeln. Man wollte ja nicht als Auslöser des 3. Weltkriegs gelten, deshalb hielt man sich brav an die Vorgaben.
Der Blick von der südkoreanischen zur nordkoreanischen Seite war dann auch genau so, wie ich das schon in einem Film und auf zahlreichen Fotos gesehen hatte. Ich hätte nicht gedacht, dass man dies fotografieren durfte. Mehrere blaue UN-Gebäude, in denen sich nur ein paar Stühle und Tische befinden, liegen direkt auf der Grenzlinie. Vordertür Südkorea, Hintertür Nordkorea. In diesem Gebäude konnte man also tatsächlich die Grenze für etwa 5 Meter überqueren.
Der südkoreanische Soldat, der uns herumführte, machte einige Witze über die Nordkoreaner. Den Soldat, der auf der Treppe herum stand, nannte er "KP Bill", einen anderen hinter dem Fenster "KP Bob". Und später, als wir einen auf einem Wachturm sahen, nannte er diesen "KP Chuck". Trotz der Fröhlichkeit innerhalb der Gruppe und dem obligatorischen Fotografieren war dieser Ort dennoch ein wenig furchteinflößend. So nahe an einer der gefährlichsten Nationen unseres Erdballs zu stehen, rief einem in Erinnerung, wie unmöglich es scheint, Nord- und Südkorea eines Tages zu vereinen. Der Süden lebt in Saus und Braus, und im Norden verhungern die Menschen. Angesichts der Tatsache, dass die einzige Stärke Nordkoreas in deren Militär liegt (Männer und Frauen müssen durchschnittlich 10 Jahre Militärdienst leisten), wird es wahrscheinlich irgendwann zum großen Knall kommen.
Im blauen UN-Gebäude selbst, das auf der Grenzlinie liegt, standen zwei südkoreanische Militärpolizisten in Taekwando-Haltung Wache. Die sehen ja schon recht lustig aus mit ihren riesigen Sonnenbrillen. Quasi die südkoreanische Variante des britischen Beefeaters. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass die Bedrohungslage um den Beefeater herum hauptsächlich aus kleinen Kindern besteht, die ihn begrapschen, oder aus Vögeln, die auf seinem Hut nisten wollen, anstatt aus der Aussicht, ein Heer aus 2 Millionen verzweifelten Nordkoreanern abwehren zu müssen, sollte es irgendwann zum Krieg kommen.
Auf den Tischen in diesen Gebäuden sind zwei Mikrofone eingelassen, mit denen beide Seiten jegliche Konversation mitverfolgen können. Zu Besuch hier waren bereits die berühmtesten Staatschefs dieser Welt. Außerdem werden in zahlreichen Touren über 900 Leute pro Tag hier durchgeschleift.
Von diesem Ort aus - das beste auf der Tour - ging es weiter zu einem Aussichtspunkt, von wo aus man bei besserem Wetter einiges von Nordkorea hätte sehen können, u.a. das Propaganda-Dorf Gijong, in dem keine Menschen mehr leben, aber das durch zwei Merkmale heraussticht: Zum einen gibt es dort riesige Lautsprecher, die nordkoreanische Parolen verkünden. Zum anderen steht dort der höchste Flaggenmast der Welt (160m) mit einer über 30 Meter langen nordkoreanischen Fahne. Damit diese mit 300 kg Gewicht aber nicht nur herunterhängt, sondern im Wind weht, bedarf es wohl einem Orkan. Denn, wie der Südkoreaner erzählte, hat er noch nie gesehen, wie sie herunter genommen wurde.
Auf südkoreanischer Seite gibt es ebenfalls ein Dorf, das "Freedom Village" Daesong. Die Menschen dort haben hohe steuerfreie Einkommen, müssen aber bei Einbruch der Nacht in ihren Häusern sein und damit leben, dass sie beim Arbeiten auf den Farmen von Soldaten bewacht werden.
Danach gingen wir essen in einem koreanischen Restaurant. Zur Auswahl standen Bulgogi oder Bibimbap. Das lustigste an der Sache war, wie die Amerikaner ihr Bibimbap verspeisten. Es hatte den Anschein, als ob viele von ihnen noch nie in ihrem Leben Bibimbap gegessen hatten, obwohl es eines der wenigen "überall verfügbar"-Gerichte ist, und man kaum drum herum kommt, wenn man hier ein paar Tage verbringt. Mit Sicherheit waren die Leute hier schon länger, aber vielleicht haben sie tatsächlich nur bei McDonalds und PizzaHut gegessen? Anders kann ich es mir echt nicht erklären, dass sie den Reis nicht in die Schüssel mit dem Ei und dem Gemüse schütteten, um alles zu vermixen, sondern versuchten, alles einzeln mit den Stäbchen zu essen. Ein paar wenige habe ich darauf aufmerksam gemacht, und auch darauf, dass sie ruhig den Löffel benutzen dürften, um den Reis zu essen...
Nach dem Essen fuhren wir zum Dora-Observatorium, wo wir zunächst wieder eine Einweisung bekamen, und danach raus auf die Beobachtungsplattform gehen durften, um Nordkorea zu beobachten. Das war jedoch nicht sonderlich toll, da dichter Nebel jegliche Sicht versperrte. Gerade mal ein oder zwei Wachtürme und der "Unification Highway" (eine bisher nicht benutzte Straße, die beide Nationen verbindet) waren zu sehen. Und der neu von den Südkoreanern gebaute Bahnhof, der in Zukunft eine Zugstrecke in den Norden bedienen soll. Dort oben durfte man Fotos nur hinter einer auf den Boden gemalten Linie machen, von der aus man nur die Teleskope, aber kein bißchen vom Land dahinter sehen konnte. Und dieses Verbot wurde rigoros durchgesetzt: Wenn einer sich nicht daran hielt, kam gleich ein Soldat anmarschiert und ließ ihn das Foto löschen.
Der weitere Weg führte uns an der "Brücke ohne Wiederkehr" vorbei, die so heißt, weil sie nach dem Krieg dazu benutzt wurde, um Gefangene auszutauschen. Neben dem südkoreanischen Thriller "JSA" ist sie ist im übrigen auch Schauplatz im James Bond-Film "Stirb an einem anderen Tag" (Die Another Day), in dem Bond aus nordkoreanischer Haft entlassen wird. Natürlich jeweils nicht am Originalschauplatz gefilmt.
Vom Observatorium aus fuhren wir zur letzten Station der Tour: Dem 3. Infiltrationstunnel, der 1978 entdeckt wurde. Die Nordkoreaner hatten in der Vergangenheit immer wieder versucht, Tunnel unter der demilitarisierten Zone hindurch zu graben, um unbemerkt Truppen in den Süden schicken zu können. Der Fund des 3. Tunnels damals hatte die Nation ziemlich aufgeschreckt, weil er 2 Meter breit und hoch ist, und somit ca. 30.000 leicht bewaffnete Soldaten innerhalb einer Stunde hindurch marschieren konnten. Der Tunnel selbst ist 1635 Meter lang, und wurde in ca. 70 Metern Tiefe aus dem Granitfelsen heraus gesprengt. Er wurde wie alle anderen Tunnel gefunden, bevor er verwendet werden konnte. Dieses Mal mit Hilfe eines nordkoreanischen Überläufers.
Zu besichtigen waren rund 260 Meter des Tunnels. Die Wände waren teilweise noch schwarz, weil die Nordkoreaner bei dessen Bau Kohle auf dem Granit verrieben hatten, um später zu behaupten, dies sei ein alter Bergwerksstollen... (wo es dummerweise gar keine Kohle gibt).
Auf der Rückfahrt nach Seoul redete ich noch eine Weile mit einem Jungen von den Phillipinen, der mit seinem Freund auf Asienreise war. Da Englisch in seinem Land zweite Amtssprache ist, stellte sich seines auch als sehr gut heraus. Er erzählte, wie er "aus Sicherheitsgründen" (sollte sich die Lage in seinem Land, was jederzeit passieren kann, zum Schlechten wenden) ein Aufenthaltsvisum in Kanada beantragt hatte. Und auch sonst war das Gespräch sehr interessant. Genau wie der Tag.
So viele "Fremde" wie heute hatte ich schon lange nicht mehr gesehen. Irgendwie war es seltsam. Innerhalb dieser Horde aus Amis fühlte ich mich fremder und unwohler als alleine in einer ganzen Stadt aus Südkoreanern. Hier war mal wieder deutlich zu sehen, wie sich "Extrem-West" und "Extrem-Ost" unterscheiden, von der Art her, dem Kleidungsstil, dem Benehmen, dem Sprachstil. Wenn ich mich für eine Seite entscheiden müsste, würde ich eher zu den Koreanern als zu den Amis gehen. Schon allein (aber nicht nur) des Essens wegen
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Die "United Services Organization" (USO) ist so eine Art US-Truppen-Unterstützungs-Organisation. Sehr patriotisch. In dem Gebäude gab es zahlreiche bequeme Sessel, in denen ganz typische Amerikaner saßen, teilweise solche, denen man ihre Militärvergangenheit ansehen konnte. Kurz geschnittene Haare, muskulöse Oberkörper, entsprechende Kleidung. Ein riesiger 1,50m-Fernseher zeigte patriotisch amerikanisches Fernsehen. Auf dem Tisch lagen die "Air Force Times" und das "Soldiers"-Magazin. Überall im Raum war zu sehen, wie das Militär hochgejubelt wurde.
Außer mir waren noch ca. 80-90 andere Wessis da, die meisten davon aus den USA. Darunter aber auch ein paar aus Südamerika, ein Finne, zwei Jungs von den Phillipinen, eine Frau aus Polen, und mehrere aus Großbritannien. Die kleine Koreanerin am Schalter war etwas verwirrt, als sie meinen Pass sah, und fragte: "Are you Dutch?" -- Deutsche sind wohl eher die Ausnahme auf dieser Tour.
Mit zwei voll gepackten Bussen fuhren wir auf dem Highway entlang der Küste in Richtung Norden. Auf dem Weg sieht man viel Stacheldraht und einige Wachtürme. Als wir wenige Kilometer vor der Grenze über eine Brücke fuhren, wurden wir angewiesen, von nun an nur noch Fotos schießen zu dürfen, wenn dies uns erlaubt würde.
Die erste Station war Camp Bonifaz, ein Militärstützpunkt "vor allen anderen" ("in front of them all"), in dem sich allerdings nur noch wenige US-Amerikaner aufhalten. Diese wurden in den letzten Jahren weiter in den Süden abgezogen. Auf dem Stützpunkt gibt es demnach hauptsächlich südkoreanische Soldaten. In einem kleinen Raum erhielten wir eine Übersicht über die Entwicklung des Koreakrieges, die jetzige Situation und über die Orte, die wir sehen würden.
Nach dem Wechseln des Buses fuhren wir zu dem einzigen Punkt an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea, wo sich Soldaten beier Seiten quasi Auge in Auge gegenüber stehen. Dort fanden früher Friedensverhandlungen statt. Die Südkoreaner haben gar 1990 ein modernes Gebäude ("Freedom House") gebaut, welches aber nie benutzt wurde, weil die Nordkoreaner immer noch jegliche Verhandlungen über eine Wiedervereinigung ablehnen.
Uns wurde eingeschärft, keine Gesten zu machen wie Winken oder irgendwo hin zu zeigen, wenn uns Nordkorea beobachten konnte. Die Nordkoreaner könnten mit Teleobjektiven Fotos schießen, diese in ihren Zeitungen abdrucken und darunter schreiben: "Seht her, wie die Amerikaner unser Land bewundern!" -- außerdem könnte ein Nordkoreaner entsprechende Gesten als feindselig interpretieren und entsprechend... handeln. Man wollte ja nicht als Auslöser des 3. Weltkriegs gelten, deshalb hielt man sich brav an die Vorgaben.
Der Blick von der südkoreanischen zur nordkoreanischen Seite war dann auch genau so, wie ich das schon in einem Film und auf zahlreichen Fotos gesehen hatte. Ich hätte nicht gedacht, dass man dies fotografieren durfte. Mehrere blaue UN-Gebäude, in denen sich nur ein paar Stühle und Tische befinden, liegen direkt auf der Grenzlinie. Vordertür Südkorea, Hintertür Nordkorea. In diesem Gebäude konnte man also tatsächlich die Grenze für etwa 5 Meter überqueren.
Der südkoreanische Soldat, der uns herumführte, machte einige Witze über die Nordkoreaner. Den Soldat, der auf der Treppe herum stand, nannte er "KP Bill", einen anderen hinter dem Fenster "KP Bob". Und später, als wir einen auf einem Wachturm sahen, nannte er diesen "KP Chuck". Trotz der Fröhlichkeit innerhalb der Gruppe und dem obligatorischen Fotografieren war dieser Ort dennoch ein wenig furchteinflößend. So nahe an einer der gefährlichsten Nationen unseres Erdballs zu stehen, rief einem in Erinnerung, wie unmöglich es scheint, Nord- und Südkorea eines Tages zu vereinen. Der Süden lebt in Saus und Braus, und im Norden verhungern die Menschen. Angesichts der Tatsache, dass die einzige Stärke Nordkoreas in deren Militär liegt (Männer und Frauen müssen durchschnittlich 10 Jahre Militärdienst leisten), wird es wahrscheinlich irgendwann zum großen Knall kommen.
Im blauen UN-Gebäude selbst, das auf der Grenzlinie liegt, standen zwei südkoreanische Militärpolizisten in Taekwando-Haltung Wache. Die sehen ja schon recht lustig aus mit ihren riesigen Sonnenbrillen. Quasi die südkoreanische Variante des britischen Beefeaters. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass die Bedrohungslage um den Beefeater herum hauptsächlich aus kleinen Kindern besteht, die ihn begrapschen, oder aus Vögeln, die auf seinem Hut nisten wollen, anstatt aus der Aussicht, ein Heer aus 2 Millionen verzweifelten Nordkoreanern abwehren zu müssen, sollte es irgendwann zum Krieg kommen.
Auf den Tischen in diesen Gebäuden sind zwei Mikrofone eingelassen, mit denen beide Seiten jegliche Konversation mitverfolgen können. Zu Besuch hier waren bereits die berühmtesten Staatschefs dieser Welt. Außerdem werden in zahlreichen Touren über 900 Leute pro Tag hier durchgeschleift.
Von diesem Ort aus - das beste auf der Tour - ging es weiter zu einem Aussichtspunkt, von wo aus man bei besserem Wetter einiges von Nordkorea hätte sehen können, u.a. das Propaganda-Dorf Gijong, in dem keine Menschen mehr leben, aber das durch zwei Merkmale heraussticht: Zum einen gibt es dort riesige Lautsprecher, die nordkoreanische Parolen verkünden. Zum anderen steht dort der höchste Flaggenmast der Welt (160m) mit einer über 30 Meter langen nordkoreanischen Fahne. Damit diese mit 300 kg Gewicht aber nicht nur herunterhängt, sondern im Wind weht, bedarf es wohl einem Orkan. Denn, wie der Südkoreaner erzählte, hat er noch nie gesehen, wie sie herunter genommen wurde.
Auf südkoreanischer Seite gibt es ebenfalls ein Dorf, das "Freedom Village" Daesong. Die Menschen dort haben hohe steuerfreie Einkommen, müssen aber bei Einbruch der Nacht in ihren Häusern sein und damit leben, dass sie beim Arbeiten auf den Farmen von Soldaten bewacht werden.
Danach gingen wir essen in einem koreanischen Restaurant. Zur Auswahl standen Bulgogi oder Bibimbap. Das lustigste an der Sache war, wie die Amerikaner ihr Bibimbap verspeisten. Es hatte den Anschein, als ob viele von ihnen noch nie in ihrem Leben Bibimbap gegessen hatten, obwohl es eines der wenigen "überall verfügbar"-Gerichte ist, und man kaum drum herum kommt, wenn man hier ein paar Tage verbringt. Mit Sicherheit waren die Leute hier schon länger, aber vielleicht haben sie tatsächlich nur bei McDonalds und PizzaHut gegessen? Anders kann ich es mir echt nicht erklären, dass sie den Reis nicht in die Schüssel mit dem Ei und dem Gemüse schütteten, um alles zu vermixen, sondern versuchten, alles einzeln mit den Stäbchen zu essen. Ein paar wenige habe ich darauf aufmerksam gemacht, und auch darauf, dass sie ruhig den Löffel benutzen dürften, um den Reis zu essen...
Nach dem Essen fuhren wir zum Dora-Observatorium, wo wir zunächst wieder eine Einweisung bekamen, und danach raus auf die Beobachtungsplattform gehen durften, um Nordkorea zu beobachten. Das war jedoch nicht sonderlich toll, da dichter Nebel jegliche Sicht versperrte. Gerade mal ein oder zwei Wachtürme und der "Unification Highway" (eine bisher nicht benutzte Straße, die beide Nationen verbindet) waren zu sehen. Und der neu von den Südkoreanern gebaute Bahnhof, der in Zukunft eine Zugstrecke in den Norden bedienen soll. Dort oben durfte man Fotos nur hinter einer auf den Boden gemalten Linie machen, von der aus man nur die Teleskope, aber kein bißchen vom Land dahinter sehen konnte. Und dieses Verbot wurde rigoros durchgesetzt: Wenn einer sich nicht daran hielt, kam gleich ein Soldat anmarschiert und ließ ihn das Foto löschen.
Der weitere Weg führte uns an der "Brücke ohne Wiederkehr" vorbei, die so heißt, weil sie nach dem Krieg dazu benutzt wurde, um Gefangene auszutauschen. Neben dem südkoreanischen Thriller "JSA" ist sie ist im übrigen auch Schauplatz im James Bond-Film "Stirb an einem anderen Tag" (Die Another Day), in dem Bond aus nordkoreanischer Haft entlassen wird. Natürlich jeweils nicht am Originalschauplatz gefilmt.
Vom Observatorium aus fuhren wir zur letzten Station der Tour: Dem 3. Infiltrationstunnel, der 1978 entdeckt wurde. Die Nordkoreaner hatten in der Vergangenheit immer wieder versucht, Tunnel unter der demilitarisierten Zone hindurch zu graben, um unbemerkt Truppen in den Süden schicken zu können. Der Fund des 3. Tunnels damals hatte die Nation ziemlich aufgeschreckt, weil er 2 Meter breit und hoch ist, und somit ca. 30.000 leicht bewaffnete Soldaten innerhalb einer Stunde hindurch marschieren konnten. Der Tunnel selbst ist 1635 Meter lang, und wurde in ca. 70 Metern Tiefe aus dem Granitfelsen heraus gesprengt. Er wurde wie alle anderen Tunnel gefunden, bevor er verwendet werden konnte. Dieses Mal mit Hilfe eines nordkoreanischen Überläufers.
Zu besichtigen waren rund 260 Meter des Tunnels. Die Wände waren teilweise noch schwarz, weil die Nordkoreaner bei dessen Bau Kohle auf dem Granit verrieben hatten, um später zu behaupten, dies sei ein alter Bergwerksstollen... (wo es dummerweise gar keine Kohle gibt).
Auf der Rückfahrt nach Seoul redete ich noch eine Weile mit einem Jungen von den Phillipinen, der mit seinem Freund auf Asienreise war. Da Englisch in seinem Land zweite Amtssprache ist, stellte sich seines auch als sehr gut heraus. Er erzählte, wie er "aus Sicherheitsgründen" (sollte sich die Lage in seinem Land, was jederzeit passieren kann, zum Schlechten wenden) ein Aufenthaltsvisum in Kanada beantragt hatte. Und auch sonst war das Gespräch sehr interessant. Genau wie der Tag.
So viele "Fremde" wie heute hatte ich schon lange nicht mehr gesehen. Irgendwie war es seltsam. Innerhalb dieser Horde aus Amis fühlte ich mich fremder und unwohler als alleine in einer ganzen Stadt aus Südkoreanern. Hier war mal wieder deutlich zu sehen, wie sich "Extrem-West" und "Extrem-Ost" unterscheiden, von der Art her, dem Kleidungsstil, dem Benehmen, dem Sprachstil. Wenn ich mich für eine Seite entscheiden müsste, würde ich eher zu den Koreanern als zu den Amis gehen. Schon allein (aber nicht nur) des Essens wegen
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